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Vermögen steuerfrei verschenken – legale Wege ums Finanzamt herum

Gleich ob Kapital oder Immobilien vererbt oder verschenkt werden, das Finanzamt behandelt beide Fälle weitgehend gleich. Die Freibeträge richten sich nach dem Verwandtschaftsgrad. Mit 500.000 € unter Eheleuten und 400.000 € für die Kinder sind sie beachtlich und leben alle 10 Jahre neu auf.

Entsprechend verbreitet ist die Praxis, die Erbschaftssteuer sozusagen mithilfe der Schenkungssteuer zu umgehen. Wird rechtzeitig zu Lebezeiten verschenkt, können sich die Freibeträge bis zum Erbfall verdoppeln. Damit bleiben selbst größere Vermögenswerte steuerfrei.

Schenkungssteuer umgehen – Mauscheleien fallen auf

Doch bereits eine Schenkung lässt sich steuerlich optimieren. Man kann auch die Schenkungssteuer umgehen, je nach Fall und Höhe des Vermögenswerts ganz oder zumindest teilweise. Allerdings nicht, indem man den Vorgang einfach unterschlägt.

Hier gibt es eine Meldepflicht von drei Monaten, und die sollte man einhalten. Größere Schenkungen lassen sich schon wegen der Grundbucheintragungen oder automatischen Bankmitteilungen nicht verheimlichen. Stellt das Finanzamt erst einmal Fragen, wird die Sache kritisch und die Behörde kleinlich.

Auch höhere Bargeldsummen fallen schneller auf, als gedacht. Wer etwa jahrelang knapp bei Kasse war, muss bedenken, dass es schon in der regulären Steuererklärung Schwachstellen gibt, die mitunter Rückschluss auf eine verbesserte Finanzlage zulassen.

Selbst wer nach und nach einzelne überschaubare Barbeträge aufs eigene Konto einzahlt, hat unterm Strich einen höheren Kontostand. Will das Finanzamt die Bankauszüge sehen, entsteht Erklärungsbedarf und die Gefahr einer Anzeige wegen Steuerhinterziehung.

Höherer Freibetrag auf Umwegen

Der legale Weg, Schenkungssteuern zu umgehen, ergibt sich mit Blick auf die Konstruktion der Freibeträge. Die stehen einem Beschenkten im Verhältnis zum Schenkenden zu. Bei einem Kind etwa sowohl in Bezug auf den Vater als auch auf die Mutter. Auf dem Umweg über die Mutter lässt sich damit auch innerhalb von 10 Jahren der Freibetrag von 400.00 € verdoppeln.

In dem Fall könnte ein Vater, der seinem Sohn 800.000 € verschenken will, ihm aber bereits die Hälfte davon übertragen hat, so vorgehen: Er verschenkt die weiteren 400.000 € zunächst an seine Frau, die wegen ihres hohen Ehegattenfreibetrags keine Steuern zahlt. Daraufhin verschenkt sie ihrerseits das Geld an den Sohn, der ein zweites Mal vom Freibetrag über 400.000 € profitiert.

Diese Konstruktion nennt sich Kettenschenkung und lässt auch auf andere Verwandte und Personen anwenden, wobei die jeweiligen Freibeträge variieren. Enkel haben 200.000 € frei, die eigenen Eltern aber nur 20.000 €. Vorsicht: Bei letzteren weicht die Tabelle vom Erbschaftsfreibetrag ab, der mit 100.000 € 5 Mal so hoch ist. Abgesehen von dieser Ausnahme gelten die 20.000 € auch für Nichten, Neffen sowie Schwiegertochter bzw. -sohn und alle ohne direktes Verwandtschaftsverhältnis.

Was der Fiskus anerkennt

Eine Kettenschenkung wird nur dann nicht anerkannt, wenn der zuerst Beschenkte vertraglich zum Weiterverschenken verpflichtet ist. Bei dieser Auflage wird das ganze als Gestaltungsmissbrauch angesehen.

Interessanterweise ist es kein Problem, wenn zwischen der ersten und der zweiten Schenkung keine Schamfrist eingehalten wird. Laut Bundesfinanzhof (Urteil vom 18.7.2013 Az: II R 37/11) ist dies sogar nach kürzester Zeit möglich.

Der Fall: Eine Mutter hatte ein Haus ihrem Sohn übertragen, der dann sofort die Hälfte seiner Frau schenkte. Bei ihr setzte das Finanzamt statt des Ehegattenfreibetrags über 500.000 € nur die 20.000 € als Schwiegertochter an und wollte den Rest zum Satz von 30% besteuern. Der BFH indes erkannte den Umweg über den Ehemann und Sohn als rechtmäßig.

Adoption als Alternative

Eine andere Möglichkeit, Schenkungssteuer zu umgehen ist eine Adoption von Verwandten oder Personen, denen nur 20.000 € zustehen. Mit der Annahme als Kind, erhöht sich deren Freibetrag auf 400.000 €, und für den Rest steigt der Steuersatz nicht auf 30% bis 50%.

Eine Adoption von Minderjährigen ist genauso möglich wie von Erwachsenen. Vorausgesetzt wird allerdings eine engere und dauerhafte familiäre Bindung. Ob die besteht, entscheidet das Vormundschaftsgericht. Adoptionen sind allein schon wegen der zunehmenden Verbreitung von Patchwork-Familien ohne Trauschein keine Seltenheit.

Wer in Erwägung zieht, größere Vermögenswerte zu verschenken, sollte rechtzeitig planen. Die derzeit gültigen Freibeträge sind nicht in Stein gemeißelt. Im politischen Parteienspektrum werden sie immer wieder als sozial ungerecht dargestellt, gepaart mit der Forderung nach höheren Steuern auf Erbschaften und Schenkungen.

27. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.