von Janne Joerg Kipp

Vermögensberatung: Bewertung von Honorarberatung falsch

Honorarberater gewinnt vor Gericht.

Vermögensverwaltung, -beratung sowie Honorarberatung gibt es auch außerhalb von Banken. Nicht immer ist die Qualität gut, zeigt sich in der Praxis.

Kürzlich verloren Tester der "Fuchsbriefe" gegen einen Honorarberater, der bei einem Vermögensverwaltungstest des Dienstes schlecht abgeschnitten hat.

Dabei hat das Landgericht Berlin unter dem Aktenzeichen Az. 27 O 166/11 einem Honorarberater sinngemäß Recht gegeben darin, dass die Bewertung unzulässig war.

Grund: Die Vermögensberatung fand gar nicht statt, da der Tester den Honorarberater nicht bezahlt hat.

Unabhängig von juristischen Feinheiten und den nächsten Schritten dazu jedoch steht zumindest fest: zwischen Vermögensberatung, -verwaltung und Honorarberatung bestehen erhebliche Unterschiede. Wer diese nicht kennt, wir den Unterschied kaum beurteilen können. 

Vermögensberatung: Provisionen möglich

Ein Vermögensberater kann für seine Leistungen von Dritten Provisionen beziehen. Empfiehlt er etwa Fonds eines Anbieters, kann es sein, dass diese Fonds ihn dafür entlohnen und Investoren dafür in Form der Ausgabeaufschläge die Rechnung mit bezahlen. Interessenkonflikte jedoch muss der Vermögensberater aufdecken. Auf der anderen Seite steht:

Vermögensberater haben derzeit keine feste Berufsordnung. Die Qualität einer Vermögensberatung können Sie von außen fast nicht feststellen. Zusammen mit den möglichen Interessenskonflikten kann eine Vermögensberatung daher zur Falle für Sie werden.

Vermögensverwaltung: weitergehende Dienstleistung

Eine Vermögensverwaltung - wie der Name schon sagt - berät nicht nur, sondern "verwaltet" Ihr Vermögen. Sie legen vertraglich fest, inwieweit der Vermögensverwalter Ihre Vorgaben ohne Rücksprache umsetzen darf oder muss. Vermögensverwalter sind allerdings aufgrund der zusätzlichen Tätigkeit in aller Regel für private Investoren zu teuer. 

Auch Vermögensverwalter können interessengebunden handeln. Selbst wenn vollständige Transparenz darüber herrscht, hat diese Konstruktion einen gravierenden Nachteil:

Sie wissen zwar, ob und wieviel ein Vermögensverwalter für bestimmte Transaktionen verdient, Sie kennen aber immer noch nicht die Alternativen zu dem, was der Vermögensverwalter entschieden hat. In dem Punkt sind vollständig unabhängige Honorarberater zumindest theoretisch besser.

Honorarberatung: Prinzipiell unabhängig

Honorarberater arbeiten unabhängig von irgendwelchen Provisionen. Theoretisch ist die Beratung damit neutraler und bietet Ihnen mehr Alternativen. Denn: Honorarberater verdienen ihr Geld auch dann, wenn sie etwa zum Ausstieg aus allen Positionen raten. Nur:

  • Auch Honorarberater können "schlecht" beraten, die Ausbildung ist zumindest staatlich noch nicht geregelt.
  • Auch Honorarberater können Sie von außen kaum beurteilen. Erst in der Praxis zeigt sich, wie gut oder schlecht die Beratung tatsächlich ist.
  • Selbst die Stundensätze von Honorarberatern können Sie kaum miteinander vergleichen. Möglich sind hier etwa Erfolgsbeteiligungen. 

GeVestor meint: Die Honorarberatung ist theoretisch die objektivere Variante. Ob Sie Ihnen im Alltag hilft, können Sie allerdings trotzdem kaum ermessen.

Es hilft Ihnen, wenn Sie sich wie bisher zumindest selbst bei unabhängigen Quellen informieren. Wir werden Sie dabei unterstützen. Die Bewertung der Honorarberatung in dem genannten Test der Vermögensberatungen deutet zumindest an, dass auch dort nicht alles Gold ist, was glänzt.

Selbst wenn das Gericht dem Honorarberater Recht gibt: Zweifel an der Qualität sind immer erlaubt.  

 
 
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Bildquelle: Paul Giamou

Autor:

Janne Joerg Kipp

Janne Joerg Kipp ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage. Aktuelle Hinweise und Empfehlungen zur Vorsorgeoptimierung erhalten Unternehmer und Entscheider im kostenlosen Newsletter Wirtschaft Vertraulich.