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Verpflegungspauschale: Snacks seit 2015 als vollwertige Mahlzeit?

Vor allem auf vielfliegende Geschäftsreisende muss die Regelung des Finanzministeriums skurril wirken: Ob eine Tüte Chips, ein Schokoriegel oder ein paar Nüsse. Solche kleinen Snacks gelten seit 2015 als Mahlzeit und sorgen für eine Kürzung der Verpflegungspauschale.

Die Verpflegungspauschale ist ein Betrag, der abhängig von der Länge der Geschäftsreise für Spesen etc. berechnet werden kann. Diese Pauschale – auch Verpflegungsmehraufwand genannt – beträgt seit 2014 12 € für Reisen, die mehr als acht Stunden dauern. Bei Geschäftsreisen von mehr als 24 Stunden liegt der Verpflegungsmehraufwand bei 24 €.

Wird statt einer vollen Mahlzeit im Flugzeug (zum Beispiel auf einem Kurzstreckenflug) nur ein Snack gereicht, muss dieser seit 2015 von der Verpflegungspauschale abgesetzt werden.

Verpflegungsmehraufwand: Seit 2015 können Snacks als volle Mahlzeit gewertet werden

Da Mahlzeiten einen geldwerten Vorteil markieren, müssen diese von der Verpflegungspauschale, die in der Steuererklärung geltend gemacht werden kann, abgezogen werden. Ein geldwerter Vorteil sind Einnahmen eines Arbeitnehmers, die aber nicht aus Geld bestehen. Verpflegung, Geschenke oder ähnliches zählen dazu.

Bisher galt die Regelung der Verpflegungspauschalenkürzung für volle Mahlzeiten wie Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Seit 2015 gilt diese Regelung nicht mehr und ein kleiner Happen in der Lounge oder ein Gratis-Müsliriegel im Flugzeug müssen ebenfalls angerechnet werden.

Dies ist dann der Fall, wenn der Snack denn als volle Mahlzeit gewertet werden kann. Das kann er, wenn er anstelle einer vollen Mahlzeit tritt. Es gibt allerdings keine festgelegte zeitliche Grenze, wann der Snack als Frühstück oder Abendessen gilt, weshalb die gesamte Regelung zur Auslegungssache werden kann. Grundsätzlich gilt der Snack aber als Mahlzeit, wenn er statt einer vollen Mahlzeit eingenommen wird.

Bis zu 9,60 € der Pauschale müssen für eine Tüte Chips abgezogen werden

Geschäftsreisende müssen ihre Verpflegungspauschale von 24 € für ein Gratis-Frühstück um 4,80 € kürzen und bei Mittag- und Abendessen um 9,60 €.

Wird also ein Snack statt einer der drei Mahlzeiten eingenommen, kann der Verpflegungsmehraufwand um den entsprechenden Betrag gekürzt werden. Eine Tüte Chips kann Geschäftsreisende auf einem Abendflug also bis zu 9,60 € kosten, die sie von ihren Spesen abziehen müssen.

Speisen können aber ebenfalls mit ihrem realen Wert von der Pauschale abgezogen werden, wenn der Preis per Beleg nachgewiesen werden kann. Da es sich aber eben um Gratis-Essen handelt, ist der genaue Wert schwierig zu belegen.

Besonders Flugreisende sind betroffen

Schon das Anbieten einer Mahlzeit führt dazu, dass der Geschäftsreisende seine Verpflegungspauschale kürzen muss. Denn ob er diese Mahlzeit auch wirklich zu sich nimmt oder nicht ist dabei irrelevant.

Nur wenn er nachweisen kann, dass der Snack tatsächlich nur eine Zwischenmahlzeit war, der zusätzlich zu einer vollen Mahlzeit eingenommen wurde, muss er ihn nicht anrechnen.

All dies nachzuweisen, ist allerdings schwierig, da in der Regel in einem Flugzeug oder in einer Flughafen-Lounge keine Belege für die verzehrten Speisen verteilt werden. Auch bei Schiffs-, Bahn- oder Busreisen gilt diese Regelung – tritt aber am häufigsten bei Flugreisenden in Kraft, da es meistens nur im Flugzeug eine im Ticketpreis enthaltene Verpflegung gibt.

Werden die Gratis-Snacks abgeschafft?

Für Vielflieger und Geschäftsreisende gilt, dass es für Sie in Zukunft schwierig wird, noch ihre vollen Verpflegungspauschalen abseits der Hauptmahlzeiten zu erhalten. Da schon das bloße Anbieten dieses Snacks zu einer Kürzung der Pauschale führt, gibt es in Zukunft verschiedene Möglichkeiten.

Entweder verzichten die Airlines auf das Reichen von Snacks statt Mahlzeiten, oder es werden Belege eingeführt, die es Geschäftsreisenden erleichtern, die Preise einzelner Gratis-Snacks oder Mahlzeiten nachzuweisen. Da dieses Verfahren aber sehr kompliziert wäre und Airlines wahrscheinlich auch weiterhin Snacks anbieten werden, bleibt vorerst keine andere Wahl, als die Kürzungen hinzunehmen.

1. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.