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Verschenken statt Vererben: So sparen Sie bei Grundstücken

Wer neben einer Immobilie noch ein wertvolles Grundstück besitzt und dieses bereits zu Lebzeiten verschenkt, tut seinen potenziellen Erben einen großen Gefallen: Die Schenkung des Grundstücks spart Kosten.

Weil deren hohe Steuerfreibeträge alle 10 Jahre neu aufleben, sind bei der späteren Erbschaft nach diesem Zeitraum nur noch geringe oder gar keine Steuern fällig.

Schenkung eines Grundstücks: Notarkosten

Außerdem fallen bei der Schenkung eines Grundstücks die Kosten für den Notar günstiger aus als bei einer Erbschaft. Und so wie bei dieser zahlen auch die Beschenkten normalerweise keine Grunderwerbssteuer. Im Idealfall beschränken sich also die Kosten für die Schenkung des Grundstücks auf die Grundbucheintragung bzw. den Notar.

Die richten sich nach dem Grundstückswert, was in der Gebührenordnung als Geschäftswert bezeichnet wird. Für die Beurkundung des Schenkungsvertrags wird der zweifache Satz berechnet. Bei einem Geschäftswert von 100.000 € beispielsweise sind das 414 €. Hinzu kommt die Umschreibung im Grundbuch mit dem einfachen Satz in Höhe von 207 €. Zuzüglich der Abwicklungsgebühren plus Mehrwertsteuer und Auslagen belaufen sich die gesamten Kosten auf rund 1.000 €.

Gegenleistungen verändern den Wert

Soweit der Fall einer einfachen Schenkung. Deren tatsächlicher Wert hängt vom Vertrag ab. Sieht der aber vor, dass der Beschenkte eine Gegenleistung zu erbringen hat, so verringert sich der Wert. Und das wiederum wirkt sich auf die Kosten aus. Zunächst reduziert sich die Steuerbemessung, wobei aber plötzlich Grunderwerbssteuern ins Spiel kommen, die normalerweise bei einer Schenkung nicht anfallen.

Das betrifft etwa die häufig vereinbarten Verträge, bei denen sich der Beschenkte im Alter und bei Gebrechlichkeit um die Pflege kümmert. Dies ist die Gegenleistung, um die sich der Wert des Grundstücks verringert. Ob sie nun erbracht wird und in welcher Höhe, zeigt sich natürlich erst, wenn der Pflegefall eintritt. Von da ab kann die Pflegeleistung abgezogen und die Bemessung der Schenkungssteuer verringert werden. Mindestvoraussetzung ist in der Regel die Pflegestufe I.

Bis dahin bemisst sich die Schenkungssteuer nach dem vollen Grundstückswert. Wieviel das Finanzamt verlangt, hängt vom persönlichen Schenkungssteuer-Freibetrag ab. Tritt der Pflegefall ein und werden die Leistungen erbracht, wird auf Antrag der Steuerbescheid rückwirkend geändert und die zuviel gezahlte Steuer erstattet.

Grunderwerbssteuer trotz Schenkung

Doch dieser willkommene Effekt der Gegenleistung hat eine Kehrseite: Auf ihren Wert wird Grunderwerbssteuer fällig, und zwar ebenfalls rückwirkend. Dabei ist es egal, ob überhaupt Schenkungssteuern gezahlt wurden. Ausgenommen davon sind nur Eltern, Kinder und Enkel. Auf alle anderen aber wie Bruder, Schwester, Nichten, Neffen oder Onkel etc. kommen bei der bedingten Schenkung des Grundstücks Kosten für die Grunderwerbssteuer zu.

Da sich die nach dem Wert der Gegenleistung richtet, stellt sich die Frage, wie hoch sie angesetzt werden kann. Hier gilt der Jahreswert der Pflegeleistung. Bei Pflegestufe I sind das pro Monat bis zu 235 €, bei der Stufe II bis zu 440 € und bei Pflegestufe III bis zu 700 €.

Ist die beschenkte Person eine ausgebildete Pflegekraft, sind die Werte gut doppelt so hoch. Somit wäre bei einer Krankenschwester die Schenkungssteuer niedriger, dafür zahlt sie etwas höhere Grunderwerbssteuern. Beides richtet sich nach ihrem Verwandtschaftsverhältnis.

Schenkungen und Verträge sorgfältig planen

Dies ist nur ein Beispiel, wie sich eine Schenkung auf Steuern und Kosten auswirken kann. Im Detail hängt gerade bei Schenkungsbedingungen und Gegenleistungen alles von der jeweiligen Gestaltung ab. So ist etwa ein Nießbrauchrecht anders zu bewerten als Ausgleichszahlungen an potenzielle dritte Erben.

Abgesehen davon können sich auch die Rahmenbedingungen für eine vereinbarte Gegenleistung ändern, etwa wenn die persönliche Pflege nicht mehr ausreicht und Heimkosten anfallen. All diese Aspekte sollten vorab genau überlegt und mit einem Steuerberater durchgerechnet werden. Dessen Honorar ist in der Regel der erste Ausgabenposten – noch vor der Schenkung.

7. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.