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Verteidigungs-Maßnahmen von Übernahme-Kandidaten bei ungewollten Angeboten

Regelmäßig informieren wir Sie über die heißesten Deals im Übernahme-Geschäft.

Und wir teilen Ihnen eine konkrete Einschätzung mit, ob eine Übernahme gut, durchschnittlich oder schlecht ist. Wer gewinnt bei dem Deal – wer verliert?

Sie erfahren, was an den kursierenden Übernahme-Gerüchten dran ist. Wo wird heiße Luft versprüht und wo könnte sich wirklich ein Deal anbahnen?

Welche Übernahme-Pläne haben eine Chance und wo ist Vorsicht angebracht? Wie werden die Wettbewerbs-Behörden entscheiden?

Um Ihnen ein noch größeres Verständnis zu vermitteln, gebe ich Ihnen auch immer Hintergrund-Informationen.

Wie groß ist der Übernahme-Markt in Deutschland und wie entwickelt er sich? Wo finden aktuell die größten Deals statt? Welche rechtlichen Bestimmungen herrschen?

Die Giftpille

An dieser Stelle möchte ich Ihnen eine Verteidigungs-Taktik von Übernahme-Kandidaten vorstellen, die besonders im anglo-amerikanischen Markt häufig eingesetzt wird.

Denn nicht immer ist ein Bieter beim Übernahme-Kandidaten auch willkommen.

Lehnt das Management eines Übernahme-Kandidaten das Angebot eines Bieters ab und entscheidet der sich, das Angebot direkt an die Aktionäre zu geben, dann wird es als „feindlich“ eingestuft.

Das bedeutet: Das vorgelegte Übernahme-Angebot zum Aktien-Erwerb des Unternehmens wurde als unzureichend eingestuft.


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Die Übernahme zu den bestehenden Konditionen ist nicht gewollt. Den Aktionären wird empfohlen, das Angebot abzulehnen.

Wenn das Management der Ansicht ist, dass die Anleger sogar besonders geschützt werden müssen, zückt es die sogenannte Giftpille.

Dies geschieht, wenn befürchtet wird, dass eine Offerte trotz der ablehnenden Haltung erfolgreich sein könnte.

Mit der Giftpille versucht das bedrohte Unternehmen die Übernahme für den Bieter unattraktiv zu machen.

Es werden Maßnahmen ergriffen, damit der Bieter eine günstige Börsen-Bewertung nicht einfach ausnutzen kann.

Die 3 häufigsten Arten der Giftpille sind der Verkauf von Konzern-Teilen, das Leeren der Unternehmens-Kasse oder eine Kapital-Erhöhung:

Giftpille 1: Veräußerung von Konzern-Teilen

Wenn die Unternehmens-Führung davon ausgeht, dass der Bieter es lediglich auf eine spezielle Tochter-Gesellschaft abgesehen und eigentlich gar kein Interesse am Gesamt-Konzern hat, kann genau diese kurzerhand verkauft werden.

Passen die verbliebenen Konzern-Teile nicht zum Geschäft des Bieters und sollten womöglich nach einem Deal weiterveräußert werden, wird der Bieter von einer Übernahme Abstand nehmen.

Giftpille 2: Kasse leeren

Eine weitere Giftpillen-Strategie ist, selbst andere Unternehmen zu kaufen. So ist kurzfristig die Kasse leer und langfristig das Interesse der Aktionäre gewahrt.

Hat der Bieter es nämlich nur auf die prall gefüllte Kasse des Übernahme-Kandidaten abgesehen, kann ein teurer Zukauf die Übernahme-Lust schnell dämpfen.

2013 beispielsweise hat diese Giftpille das irische Biotech-Unternehmen Elan erfolgreich ausgespielt.

Nachdem das amerikanische Investment-Haus Royalty Pharma ein 7,7 Mrd. Dollar schweres Übernahme-Angebot vorgelegt hat, sah sich der Konzern gezwungen, den ungewollten Übernahme-Versuch zu kontern.

Denn der Bieter hatte es hauptsächlich auf die Unternehmens-Kasse abgesehen. Elan bekam 3,25 Mrd. Dollar durch den teilweisen Lizenz-Verkauf eines neu entwickelten Medikaments.

Um die Übernahme unattraktiv zu machen, hatte das Management einen Aktienrückkauf im Umfang von 1 Mrd. Dollar angekündigt und plante weitere Investitionen im Umfang von 1,5 Mrd. Dollar.

Zwar wurden die geplanten Zukäufe von den Aktionären nicht unterstützt, doch für das Aktienrückkauf-Programm erhielt das Management die Unterstützung der Investoren.

Die Reduzierung des Kassen-Bestands um 1 Mrd. Dollar reichte aus, um Royalty Pharma die Übernahme-Lust zu nehmen. Die Giftpille hatte gewirkt; das Angebot wurde wieder zurückgezogen.

Das es richtig war, die Offerte auszuschlagen, zeigte sich 1 Jahr später. Denn Elan wurde dann freundlich zu einem 15% höheren Preis von einem anderen Bieter übernommen.

Giftpille 3: Kapital-Erhöhung

Eine andere Anwendung der Giftpille ist die Kapital-Erhöhung. Hält der Bieter mehr als dem Management lieb ist, bekommen alle anderen Aktionäre neue Aktien zum Spottpreis angeboten.

Die Ausgabe neuer Aktien würde in dem Fall die Übernahme so sehr verteuern, dass der Interessent es sich unter Umständen nicht mehr leisten kann, die Übernahme zu bezahlen oder, dass sich die Übernahme nicht mehr rentiert.

Diese Maßnahme ist die wohl gängigste Giftpille. Häufig reicht es, mit der Giftpille zu drohen, um den Bieter entweder loszuwerden oder an den Verhandlungstisch zu zwingen.

In vielen Fällen kommt es dann zu Nachverhandlungen und die beiden Seiten einigen sich auf einen etwas höheren Preis.

28. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.