von Heiko Seibel

Vertrauen in die USA trotz Schuldenkrise

Die Anleger vertrauen den USA

Der zehnte Jahrestag zum 11. September ist vorüber und überall überschlugen sich die Kommentatoren mit dem üblichen Sermon: Die Reaktion der Amerikaner auf den Terror war falsch, sie hätten mit den Islamisten diskutieren sollen, Amerika ist schwächer als zuvor, denn das Land ist nun voller Angst…

Diese Aussagen verraten mehr über die Wünsche unserer Journalisten als über die Realität: Die USA sind genauso cool und lässig wie zuvor, sie haben bewiesen, dass sie in der Lage sind, sich gegen Aggressoren zu wehren, die eine faschistische Ideologie durchsetzen wollen.

Bei den Intellektuellen im alten Europa grassiert dagegen genau das gleiche das Kriechertum, das schon Neville Chamberlain auszeichnete – kaum bedroht, schon angebiedert.

Die Anleger vertrauen den USA

Auch beim Thema Wirtschaft herrschte in den vergangenen Wochen eine verkehrte Welt: Ständig wurde in unseren Medien auf die Überschuldung der USA hingewiesen und auf die anhaltende Rezession.

Nun müsse das Land aber wirklich bald kollabieren, so lautete der Tenor bei der Diskussion über die Schuldengrenze. Als dann die US-Obergrenze angehoben wurde, gab es keinerlei Erleichterung an der Börse. Vielmehr stürzten die Kurse plötzlich ab - was viele Journalisten überraschte.

Denn was unsere Kommentatoren vergessen hatten, ist die Tatsache, dass die Börse keineswegs vom Zustand der USA beunruhigt wird.

Sondern vielmehr von der Lage in Europa, wo die Transferpolitik und die nicht enden wollende Solidarität mit den Schuldenstaaten genau das Drama befördern, das sie zu verhindern suchen. Bilanzbetrüger müssen ja nicht sparen und wursteln weiter wie bisher.

Ungebrochenes Vertrauen in US-Bonds

Natürlich gibt es zurzeit enorme Probleme in Amerika. Dennoch setzen Investoren überall auf der Welt eher auf die USA als auf Europa, mit Ausnahme von Deutschland.

Denn während es in Washington immerhin eine starke Opposition gibt, die den einen strikten Sparkurs einfordert, ist davon im angeblich so überlegenen Europa wenig zu spüren.

Das Vertrauen in die USA zeigt sich beim Blick auf die zehnjährige Rendite: Man muss sich das mal vorstellen – die Anleihen rentieren unter 2% - vor Steuern, vor Inflation.

Das ist ein 60 Jahrestief! Die Tendenz geht weiter nach unten und ein "Japan-Szenario" hätte Renditen von knapp unter 1% zur Folge. Der Realzins ist also bei einer Inflationsrate von derzeit 3,5% mit 1,5% negativ (2 – 3,5 = -1,5). Die Leute sind in Panik, sonst würden sie nicht freiwillig und vorsätzlich Geld verlieren.

Fluchtpunkt US-Bonds

Altes, marodes Europa

Und was könnte diese neuerliche Panik ausgelöst haben? Ganz einfach: Die Erkenntnis, dass die Eurozone nicht zu retten ist – und dass es niemanden gibt, der das Durchfüttern der PIGS noch stoppen kann. Darauf deutet der Ausverkauf im DAX nach dem Rücktritt von EZB-Chefsvolkswirt Jürgen Stark hin.

Immer wieder ist gerade von internationalen Investoren das gleiche zu hören: Stark ist einer der schärfsten Kritiker der Anleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank, jetzt ist der letzte Mahner weg. Der Abgang ebnet den Weg für eine noch stärkere Schuldenpolitik.

Schuldenländer prassen auf unsere Kosten

Derzeit hat die EZB bereits 129 Milliarden Euro aus Krisenstaaten wie Griechenland, Irland, Portugal, Spanien oder Italien in ihren Büchern stehen.

Die Bundesbank sitzt aber offenbar auf Risiken von rund 338 Milliarden Euro, weil die EZB die Kapitalflucht aus den PIGS-Ländern durch Überweisungen im Target-System ausgleicht und weil alle EZB-Mitglieder dafür anteilig haften.

Damit hält sie den betroffenen Ländern die Refinanzierung auf den Kapitalmärkten offen, belastet aber ihre eigene Bilanz: Geht ein Land Pleite, bleibt die EZB mindestens auf einem Teil dieser Forderungen sitzen.

Das Prekäre: De facto ist dies eine Quersubventionierung der PIGS durch die Mitgliedsstaaten der EZB. Die starken Länder zahlen für die Schuldenländer, weil sie irgendwann das Kapital der EZB aufstocken müssen, wenn durch den Ausfall der gekauften Staatsanleihen das Grundkapital der EZB dahin schmilzt.

Die EZB wurde zum Selbstbedienungsladen für die Südstaaten. Diese versteckte Stütze ist nach dem Vertrag von Maastricht eigentlich verboten. Ferner bedeutet dies eine Umgehung der fiskalischen Rechte der nationalen Parlamente.

Eine Rückkehr der vernünftigen Geldpolitik ist nach dem Abgang Starks kaum zu erwarten. Dagegen sind Staatspleiten und eine Welle von Banken-Zusammenbrüchen möglich. Wir werden uns das Geld zurückholen, das uns Berlin für die PIGS aus den Taschen zieht – denn mit CFDs können wir sowohl long als auch short gehen.

 
 
Bildquelle: Robert Crum - Fotolia

Autor:

Heiko Seibel

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