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Volksaktien: Privatisierte Staatsunternehmen für Kleinanleger

Anleger, die sich mit Wertpapieren beschäftigen, wissen in aller Regel, dass Aktie nicht gleich Aktie ist. Es gibt Inhaber– und Namensaktien, Stamm- oder Vorzugsaktien.

Doch was ist eine Volksaktie? Per Definition ist es keine eigene Gattung. Gemeint sind Aktien, die meist bei Privatisierungen oder Teilprivatisierungen vormals staatlicher Unternehmen erstmals an Kleinanleger ausgeben werden.

Volksaktie: Definition und bestes Beispiel

Wer also für Volksaktie eine Definition sucht, kann sich zunächst am bekanntesten Beispiel der jüngeren Zeit orientieren, der Telekom-Aktie.  1996 warb in einer bis dahin beispiellosen PR-Aktion der populäre Schauspieler Manfred Krug jeden Abend im Fernsehen für die neue Volksaktie.

In dem Jahr kamen im ersten von drei Börsengängen die T-Aktien in den Handel. In ihrer Euphorie wurden selbst Menschen zu Anlegern, die bis dahin kaum wussten, was Aktien sind. Das vormalige Staatsunternehmen Deutsche Telekom vermittelte ein grundsolides Image.


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In der ersten Tranche wurden 713 Mio. Papiere unters Volk gebracht, zum Preis von 28,50 DM. Alles freute sich, als die Aktie im Jahr 2000 bei 100 € notierte, doch dann kam die Ernüchterung. Der neue Markt brach zusammen und das Papier fiel auf 8,42 €. Darauf haben sich viele vom neuen Anlegerdasein verabschiedet.

Eine Idee aus Wirtschaftswunderzeiten

Mit ihrer Kampagne hatte die Telekom die Idee der Volksaktie eigentlich aus der Geschichte hervorgeholt. Die Volksaktie ist als Definition ein Kind aus früheren Zeiten. Der Begriff geht historisch auf die Privatisierungspolitik von Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard in den 1950er Jahren zurück.

Der Staat wollte sich von seinem Industriebesitz trennen. Gleichzeitig sollten sich mehr Bürger an Unternehmen beteiligen. Deshalb wurden Aktienkäufe steuerlich gefördert, vor allem Belegschaftsaktien.

Gleichzeitig wurden für die privatisierten Firmen Volksaktien ausgegeben, die sich mit günstigen Konditionen jeder Kleinanleger erlauben konnte. Pro Kopf gab es eine beschränkte Anzahl an Papieren, die mit Haltefristen verbunden waren. Die wichtigsten Volksaktien waren Volkswagen, VEBA und Preussag. Veba ging später in E.On auf und Preussag ist heute der Touristikkonzern TUI.

Die erste Volksaktie der Welt – Ursprung in Frankreich

Sucht man nun in Sachen Volksaktie eine Definition zum Ursprung, so landet man im Frankreich des Jahres 1720. Dort lebte der damals reichste Mensch der Welt, der gebürtige Schotte John Law. Er war aus England geflohen, nachdem er im Duell einen Nebenbuhler getötet hatte.

In Paris gründete er eine Bank, die erstmals Geldscheine ausgab. Zuvor gab es nur Münzen. Die neuen Scheine wurden begeistert aufgenommen, ebenso einige Jahre später seine nächste Erfindung: die Volksaktie.

Das dazugehörende Unternehmen namens d´Occident war mit der Ausbeutung der französischen Kolonien in Amerika beschäftigt und versprach hohe Renditen, wegen vermuteter Goldvorkommen. Franzosen aus allen Schichten kauften die Papiere. Rasch stieg der Kurs auf das Zehnfache.

Als John Law erfuhr, dass es keine nennenswerten Goldvorkommen gibt, ließen er und die Firma das Volk solange im Glauben an den Goldrausch bis die Blase platzte. Daraufhin musste er nach Venedig fliehen.

Keine neuen Volkspapiere geplant

Gerüchte, Gier und Spekulationsblasen haben sich bis heute gehalten und erinnern nicht zuletzt an den Absturz der T-Aktie nach dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000. Seitdem gab es hierzulande keine Volksaktien mehr.

Allenfalls erwog 2008 das Bundesunternehmen Deutsche Bahn einen Börsengang mit stimmrechtslosen Vorzugsaktien als Volksaktie. Die Idee wurde jedoch auf Eis gelegt, 2011 wiederbelebt und kurz darauf erneut begraben.

12. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.