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Vollständiger Wirtschaftskreislauf – der Staat spielt mit

Der Wirtschaftskreislauf kann jedem Wirtschaftsinteressierten anhand eines einfachen Modells verdeutlichen, wie die wesentlichen Tauschvorgänge innerhalb einer Volkswirtschaft funktionieren. Mit diesem einfachen Modell wird dargestellt, wie sich Güter und Geld zwischen den einzelnen Akteuren bewegen und sich dabei in einem wechselseitigen Kreislauf befinden.

Damit begegnet uns dieses Modell nahezu täglich, ob im Internet, in Zeitungen oder dem Fernsehen. Denn der Wirtschaftskreislauf wird immer bei Argumentationen zur Wirtschaftspolitik herangezogen. Sollen Steuern erhöht werden oder nicht und welche Auswirkung hat dies auf den Bürger?

Dabei gibt es verschiedene Modelle, mit einer unterschiedlichen Anzahl an Akteuren. Der vollständige Wirtschaftskreislauf ist die Fortsetzung des erweiterten Wirtschaftskreislaufs, enthält vier Akteure und ist um den Sektor Staat vergrößert. Damit stehen im vollständigen Wirtschaftskreislauf der Staat, Banken, private Haushalte und Unternehmen in einem Tauschverhältnis zueinander. Zusätzlich kann dieser Kreislauf daher auch als dynamisch wachsend bezeichnet werden.

Funktion des Staates im vollständigen Wirtschaftskreislauf

Der vollständige Wirtschaftskreislauf baut auf dem erweiterten Wirtschaftskreislauf auf in dem lediglich drei Akteure aktiv sind: die privaten Haushalte, die Unternehmen und die Banken.

Die privaten Haushalte – meist Arbeitnehmer – erhalten für ihre bereitgestellten Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital und Boden) von den Unternehmen eine Entlohnung (Geld). Diese können die privaten Haushalte für die gefertigten Erzeugnisse (Güter) von den Unternehmen zum Teil konsumieren und den Rest bei den Banken sparen und Zinsen erhalten.

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Im Gegensatz dazu geben die Banken den Unternehmen einen Kredit mit einem Zins, um Investitionen tätigen zu können, wodurch der Kreislauf geschlossen ist. Im vollständigen Wirtschaftskreislauf greift nun noch der Staat mit ein. Dieser beeinflusst die Volkswirtschaft und somit die Geld- und Güterströme gleich in mehrfacher Hinsicht. Einerseits erhält der Staat Steuern und Sozialabgaben von den privaten Haushalten sowie von den Unternehmen.

Damit entzieht der Staat dem Kreislauf vorerst Geld. Andererseits bezahlt der Staat seinen Angestellten einen Lohn, weshalb dem privaten Haushalt wieder Geld zufließt. Zusätzlich leistet der Staat auch Transferzahlungen an die privaten Haushalte. Die Unternehmen wiederum erhalten vom Staat Geld in Form von Subventionen oder staatlichem Konsum.

Sollte darüber hinaus bei den Banken die Kreditvergabe geringer sein als die Sparbeträge, so kann der Staat durch eine Schuldenaufnahme dieses Ungleichgewicht ausgleichen, oder umgekehrt. Damit sollte der vollständige Wirtschaftskreislauf geschlossen sein.

Rolle des Staates in der Volkswirtschaft   

Der Staat kann dem Kreislauf in vielerlei Hinsicht Gelder entziehen und zurückgeben. Die Einnahmen beziehen sich vor allem auf direkte und indirekte Steuern, die sich auf Arbeitnehmer, Bürger sowie Unternehmer auswirken.

Dazu gehören unter anderem die Einkommenssteuer, Körperschaftssteuer, Abgeltungssteuer, Tabaksteuer oder auch die Biersteuer.

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Gleichzeitig führt der Staat die eingenommen Gelder als Transferzahlungen an die Haushalte zurück. Familien erhalten beispielsweise Kindergeld und Arbeitssuchende Arbeitslosengeld. Damit kommt dem Staat in einer Volkswirtschaft eine spezielle Rolle zu. Auf der einen Seite darf nur er Steuern erheben, auf der anderen Seite bietet der Staat Leistungen an, die jeder Bürger beziehungsweise private Haushalt als Aufgabe des Staates sieht.

Einfluss des Staates auf die Volkswirtschaft

Der Staat kann bei einem Ungleichgewicht der Geldströme bei den Banken eingreifen. Überwiegt der Sparanteil gegenüber den Investitionen, so kann der Staat Schulden aufnehmen und an die Bank Zinsen zahlen. Damit können die Banken unter anderem den Sparzins bedienen und die Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaft nimmt nicht ab.

Befindet sich der Kreislauf aber in keinem Ungleichgewicht der Geldströme, der Staat greift trotzdem ein und erhöht seine Schulden, so wird dem Kreislauf Geld entzogen. Kreditnehmer beziehungsweise Unternehmen können keine weiteren Gelder aufnehmen und damit Sachanlageinvestitionen durchführen. Die Volkswirtschaft gerät ins Stocken.

30. September 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Michael Kempe
Von: Michael Kempe. Über den Autor

Der diplomierte Betriebswirt (FH) und ausgebildete Finanzjournalist beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Kapitalmarkt – im Besonderen mit Aktien, Fonds und CFDs.