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Vorsicht Finanzamt: Das ist bei Aktiengeschenken zu beachten

Aktien stehen für Wertzuwachs. Deswegen werden sie zu verschiedenen Gelegenheiten gerne verschenkt.

Besonders im Familienkreis können sich die Beschenkten über recht hohe Freibeträge bei der Schenkungssteuer freuen, zum anderen werden Aktiengeschenke aber auch im geschäftlichen Bereich immer häufiger genutzt. Beliebt sind etwa Gratisaktien an Mitarbeiter. Das stiftet Identität und bindet ans Unternehmen.

Geschenkte Aktien versteuern – privat oder betrieblich

Die Frage, wie geschenkte Aktien zu versteuern sind, hängt zunächst davon ab, ob es sich um eine rein private Schenkung handelt oder ob sie innerhalb des Betriebs eine gehaltsähnliche Gegenleistung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses ist, geldwerter Vorteil genannt.

Im privaten Bereich sind Schenkungssteuern fällig, im innerbetrieblichen Rahmen Lohnsteuern. Je nach Einkommen und Wert der Papiere kann der Unterschied beträchtlich sein.

Prominentes Beispiel für diese Unterscheidung war ein geschenktes Aktienpaket im Wert von 73 Mio. €, das die Eigentümerin der Springer Verlags Friede Springer ihrem Vorstandschef Mathias Döpfner gemacht hatte. Im betrieblichen Rahmen hätte Döpfner rund 36 Mio. € Lohnsteuern gezahlt.

Schenkungssteuer oder Lohnsteuer

Da die beiden aber befreundet sind, wurde das ganze als Privatgeschenk deklariert. Im diesem Fall hätte Döpfner mit dem maximalen Schenkungssteuersatz theoretisch fast 50% der geschenkten Aktien versteuern müssen. Doch praktisch setzten die beiden auf die Verschonungsregel, die bei Erbschaften und Schenkungen von Betriebsvermögen eine steuerfreie Übertragung von 85% ermöglichte. Damit wären dann nur 2,5 Mio. € zu zahlen.

Wie der Fall letztlich ausging, ist nicht öffentlich bekannt. Sowohl das zuständige Finanzamt als auch der Verlag verweisen auf Diskretion. Diese Extrem-Konstellation wird allerdings seit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17.12.14 künftig nicht mehr möglich sein. Bis spätestens Ende Juni 2016 muss das Gesetz mit weniger großzügigen Werten nachgebessert werden.

Es kommt auf den Einzelfall an

Die Frage ob betrieblich oder privat ist nicht immer eindeutig zu beurteilen. Besteht nun tatsächlich und glaubhaft ein freundschaftliches Verhältnis, so muss es die betrieblichen Interessen überwiegen. Einfacher ist die Zuordnung bei Verwandtschaftsverhältnissen.

Aber auch hier ist im Einzelfall Vorsicht geboten. Schenkt etwa der Hauptaktionär und Vorstandsvorsitzende seiner Ehefrau Aktien des Unternehmens, so kommt es darauf an, inwieweit die Ehefrau vertraglich geregelte Leistungen für das Unternehmen erbringt. Für derartige Fälle gibt es keine pauschalen Gerichtsurteile. Sie werden je nach Konstellation und Indizien beurteilt.

Wertfeststellung für Mitarbeiteraktien

Eindeutig sind geschenkte Aktien an Mitarbeiter als geldwerter Vorteil zu sehen. Die Bewertung richtet sich entsprechend §11 Bewertungsgesetz nach dem niedrigsten Börsenkurs des Tages, an dem der Beschenkte über die Papiere verfügen kann. Sind die Aktien aber nicht oder noch nicht an der Börse notiert, so gilt der gemeine Wert aus den durchschnittlichen Verkäufen der letzten 12 Monate. Gab es keine Verkäufe, kann das Finanzamt schätzen.

Wer also Gratispakete von seiner Firma bekommt, muss auf jeden Fall die geschenkten Aktien nachträglich inklusive Sozialabgaben versteuern. Da Aktien in der Regel direkt ins Depot übertragen werden, macht schon die Bank eine entsprechende Mitteilung ans Finanzamt. Die gute Nachricht: Bei derartigen Mitarbeiterkapitalbeteiligungen sind pro Jahr 360 € steuer- und sozialabgabenfrei.

11. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.