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Wachstumsraten bei Unternehmen: Erklärung, Zusammenhänge, Fallstricke

Coca Cola, Procter & Gamble, Mc Donald´s oder Volkswagen – bei allen Unterschieden haben sie eines gemein: Sie sind klassische Wachstumsunternehmen und damit das Gegenteil von zyklischen Titeln.

Mit hohen Wachstumsraten bescheren sie den Aktionären Wertsteigerungen ihres Investments. Gewinne und Umsätze sind über die Jahre hinweg ebenso gestiegen wie die Dividenden. Bei den Dividendenwachstumsraten zählt Mc Donald´s mit 28,4% über die letzten 10 Jahre zu den Spitzenzahlern.

Wachstumsraten zur Vergleichbarkeit

Für Anleger sind aber nicht nur die Klassiker interessant. Viel spannender ist es, Wachstumskandidaten ausfindig zu machen, die von der Masse bisher weitgehend unentdeckt sind – eine Verbindung von Value- und Growth-Strategie.

Die Herausforderung liegt in der Beurteilung der Wachstumsperspektiven. Sie gelingt nur anhand von Datenmaterial, mit dem sich verschiedene Unternehmen vergleichen lassen. Wachstumsraten eben, die sich auf einen definierten Zeitraum beziehen.

Was aber, wenn nur einzelne Zahlen aus den vergangenen Jahren oder Quartalen vorliegen, die keine direkte Vergleichbarkeit erlauben. Kein Problem, denn die durchschnittliche Wachstumsrate kann jeder selbst berechnen.

Dazu werden einfach die vorhandenen Zahlen auf einen beliebigen einheitlichen Zeitraum von beispielsweise 10 Jahren umgelegt. Doch Vorsicht: Hierbei darf man nicht mit dem arithmetischen Mittel rechnen.

Der naheliegende Gedanke, die Werte zu addieren und durch die Anzahl der Jahre zu teilen wäre grundfalsch. Denn damit würde der exponentielle Effekt, der Zinseszinseffekt, nicht berücksichtigt.

Deswegen wird bei Wachstumsraten der geometrische Durchschnitt errechnet. Dass dabei die Wurzelrechnung zum Einsatz kommt, sollte nicht abschrecken. Wurzelrechner gibt´s notfalls auch im Internet.

Wachstumsraten – Erklärung anhand einer Beispielsrechnung

Angenommen, ein Anleger sucht Unternehmen mit Gewinnperspektiven, die sich an einer Wachstumsrate von mindestens 10% orientieren, und zwar auch im Schnitt der letzten 10 Jahre.

Wenn ihm nun die Zahlen einer Firma vorliegen, bei der die Gewinne seit 2004 von 100 Mio. € auf nun 350 Mio. € gestiegen sind, dann erkennt er eine Steigerung um den Faktor 3,5.

Da es ihm um 10 Jahre geht, zieht er aus dem Faktor 3,5 die 10te Wurzel. Ergebnis: 1,133, also 13,33%. Dies ist die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über die letzten 10 Jahre. Und damit hat die Firma das Auswahlkriterium erfüllt.

Mit dem geometrischen Mittel lassen sich auch einzelne Wachstumsraten auf einen gewünschten Zeitraum hin berechnen. Angenommen, es liegen nur die Wachstumsraten der einzelnen Quartale eines Jahres vor: 10% im 1. Quartal, 3% im 2. Quartal, 2% im 3. Quartal und 5% im 4. Quartal.

Dann lässt sich das wie folgt aufs gesamte Jahr bezogen errechnen: 1,1 *1,03 *1,02 *1,05 = 1,2134. Daraus die 4te Wurzel ergibt 1,04955, also 4,955%. Dies ist die annualisierte Wachstumsrate.

Wachstumsraten immer im Gesamtzusammenhang

Wachstumsraten müssen stets im Kontext gesehen werden. Wenn etwa die Wachstumsraten beim Umsatz auf Dauer höher sind als beim Gewinn, schmälert das die Umsatzrendite.

Mit der jedoch steigt die Marktstellung eines Unternehmens und damit die Ausgangsposition für weiteres Wachstum. Umsatz und Gewinn müssen ebenso proportional zueinander wachsen wie der Gewinn pro Aktie. Hinkt der hinterher, ist meist die Anzahl der Aktien verwässert.

Das Wachstum bei den Dividenden muss ebenfalls zu den restlichen Wachstumsraten passen. Es macht wenig Sinn, wenn Ausschüttungen – wie bei der Telekom – aus der Substanz bezahlt werden und Geld fehlt, das für weiteres Wachstum benötig wird.

Andererseits: Ob und inwieweit sich eine Reinvestition in weiteres Wachstum für den Anleger besser verzinst, hängt u.a. von der Eigenkapitalrendite ab. Je höher sie ist, desto mehr profitiert der Aktionär von den Wachstumsraten.

Umgekehrt: Wachstumsraten mit schlechter Eigenkapitalrendite bringen dem Anleger keinen substanziellen Mehrwert.

Wachstumsrate: Messlatte fürs KGV

Zu guter Letzt: Mit den Wachstumsraten lässt sich herausfinden, ob die Aktie eines Wachstumsunternehmens über- oder unterbewertet ist. Und zwar ganz einfach, indem man das KGV ins Verhältnis zur Wachstumsrate setzt.

Damit erhält man das sogenannte PEG, das Preis-Wachstums-Verhältnis. Ein Wert um die 1 gilt als fair bewertet. Darunter ist die Aktie unterbewertet.

10. Juni 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.