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Wandelanleihen – Eine Mischung aus Aktien und Anleihen

Die Euro-Krise sorgt für steigende Kursschwankungen. Daher stelle ich Ihnen heute ein Anlageinstrument vor, mit dem Sie die Rendite-Chance von Aktien mit der Sicherheit von Anleihen kombinieren können. In unsicheren Marktphasen ist das die ideale Mischung.

Was sind Wandelanleihen?

Wandelanleihen sind Anleihen, bei denen der Inhaber die Wahl hat, ob er sich am Ende der Laufzeit den Nominalwert der Anleihe oder stattdessen lieber Aktien des emittierenden Unternehmens auszahlen lässt. Das Wahlrecht liegt beim Inhaber der Wandelanleihe und nicht beim Emittenten.

Die Wandlungsmöglichkeit gilt bei einigen Wandelanleihen nur zu bestimmten Stichtagen oder am Laufzeitende. Andere sehen ein Wandlungsrecht auch jederzeit während der Laufzeit vor. Aufgepasst: Vermeiden Sie Wandelanleihen, die statt eines Wandlungsrechts eine Wandlungspflicht vorgeben.

Verwechseln Sie außerdem Wandelanleihen nicht mit Aktienanleihen, bei denen der Emittent – und nicht Sie – die Wahl hat, ob später der Nominalbetrag oder die Aktien ausgezahlt werden.

Zinsniveau im Keller: Mit Wandelanleihen sind für Sie trotzdem positive Nach-Steuer-Renditen drin

Wissen Sie, welche Zinsen Sie erhalten, wenn Sie Bundeswertpapiere kaufen? Das kommt natürlich auf die Art des Wertpapiers und auf die Laufzeit an. Trotzdem lässt sich pauschal sagen: Die jährliche Rendite deutscher Staatsanleihen ist sehr mager und tendiert seit Mitte 2012 Richtung 0%. Einige besonders extreme Beispiele aus dem Vorjahr:

  • 0,00% waren es bei Finanzierungsschätzen mit einem Jahr Laufzeit.
  • 0,00% waren es bei Finanzierungsschätzen mit 2 JahrenLaufzeit.
  • 0,00% waren es bei der Tagesanleihe des Bundes.

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  • Stufenweise mit einem Zinssatz zwischen 0,00 und 1,5% verzinsten sich Bundesschatzbriefe Typ A und B mit einer Laufzeit von 6 bzw. 7 Jahren (die Durchschnittsrenditen lagen bei 0,54 und 0,68%).

Sie sehen selbst: Die Rendite der Staatsanleihen spiegelt das allgemeine Zinsniveau wider. Und das ist seit Ausbruch der Finanzkrise extrem niedrig. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt seit Juli 2012 bei 0,75%. Hält die Wachstumsschwäche im Euro-Raum weiterhin an, wird eine weitere Zinssenkung auf 0,50% erwartet.

Entsprechend niedrig sind die Anleiherenditen, zumindest, was die sicheren Anleihen angeht (falls man angesichts der staatlichen Schuldenkrisen noch von „sicheren“ Anleihen sprechen kann).

Inflationsrate höher als Anleihenrendite: Faktisch machen Sie Verluste

Mit Staatsanleihen etwa aus Deutschland schaffen Sie noch nicht einmal den Inflationsausgleich. Nur zum Vergleich: Die Inflationsrate lag im Jahr 2012 im Euro-Raum bei rund 2,5%. Ergebnis unter dem Strich: Die Zins-Rendite liegt deutlich unter der offiziellen Inflationsrate. Das, was Sie mit den mageren Zinsen erwirtschaften, gleicht am Ende der Laufzeit noch nicht einmal den Kaufkraftverlust des angelegten Geldes aus.

Wandelanleihen: Aktien-Investments mit Sicherheitsnetz

Wandelanleihen werfen auch keine üppigen Zinsen ab. Üblich sind Zins-Kupons in Höhe von 1,5 bis 4%. Aber dafür bieten Wandelanleihen andere Vorzüge, die attraktives Gewinnpotenzial bergen. Konkret: Bei Wandelanleihen haben Sie als Inhaber die Wahl: Wollen Sie am Ende der Laufzeit (oder manchmal auch an bestimmten Stichtagen währenddessen) den Nominalbetrag zurückerhalten?

Oder soll Ihnen der Emittent (derjenige, der die Wandelanleihe am Markt platziert hat) stattdessen lieber eine vorab festgelegte Anzahl von Aktien ins Depot buchen? Das entscheiden Sie nach einem ganz einfachen Kriterium: Ist der Wert der Aktien höher als der Nominalbetrag, entscheiden Sie sich für die Aktien, ansonsten für die Rückzahlung des Nominalbetrags.

Ein Beispiel: Sie können wählen, ob Sie den Nominalwert 1.000 € oder 25 Aktien der Müller AG ausgezahlt bekommen. Sind die 25 Aktien der Müller AG zusammen mehr wert als 1.000 €, empfiehlt sich die Annahme der Aktien. Sind die Aktien weniger wert, lassen Sie sich einfach den Nominalwert in Höhe von 1.000 € zurückzahlen.

Zusätzlich kassieren Sie in beiden Fällen während der Laufzeit jedes Jahr die Zinsen. Bei den Wandelanleihen gibt es ein sogenanntes Umtauschverhältnis. Ein Verhältnis 1:10 bedeutet beispielsweise: für 1 Wandelanleihe erhalten Sie 10 Aktien. Dieses Wahlrecht bei Wandelanleihen (Sie können Geld in Aktien wandeln; daher der Name) macht dieses Anlageinstrument so attraktiv:

  • Wandelanleihen sind ein ideales Investment in unruhigen Börsenzeiten: Wenn die Aktienkurse steigen, profitieren Sie davon.
  • Stagnieren die Aktienkurse oder sinken sie sogar, erleiden Sie keine Verluste: Der Nominalbetrag und die Zinsausschüttungen sind Ihnen sicher.

Vorsicht: Kaufen Sie keine Aktienanleihen!

Wandelanleihen dürfen Sie nicht mit Aktienanleihen verwechseln. Bei einer Wandelanleihe haben Sie als Investor die Wahl, ob Sie lieber Aktien oder den Nominalbetrag zurückgezahlt haben möchten. Bei einer Aktienanleihe dagegen liegt dieses Wahlrecht beim Emittenten. In der Praxis kann dieses Wahlrecht über Gewinn oder Verlust entscheiden. Daher sind Aktienanleihen in der Regel höher verzinst, tragen aber höhere Verlustrisiken.

Wie sieht der typische Kursverlauf aus?

Wie wirkt sich die Mischung aus Aktie und Anleihe auf den Börsenkurs aus? Typischerweise macht der Kurs einer Wandelanleihe die Aufwärtsbewegung der zugrunde liegenden Aktie zu etwa 2 Dritteln mit. Fällt der Aktienkurs, verliert die Wandelanleihe im Vergleich zur Aktie nur etwa 1 Drittel. Wandelanleihen sind also ideal, wenn ein Aktieninvestment riskant erscheint, aber dennoch großes Entwicklungspotenzial besitzt.

Checkliste: Darauf kommt es an

  • Verwechseln Sie Wandelanleihen nicht mit Aktienanleihen. Bei Wandelanleihen haben Sie das Wahlrecht, ob Sie den Nominalbetrag oder Aktien haben möchten. Bei Aktienanleihen hat dieses Wahlrecht der Emittent.
  • Wandelanleihen sind ein Aktieninvestment mit Sicherheitsnetz. Die Aufwärtsbewegung wird nur zu etwa zwei Dritteln nachvollzogen, eine Abwärtsbewegung zu rund einem Drittel.
  • Kaufen Sie nie Wandelanleihen, die statt eines Wandlungsrechts eine Wandlungspflicht vorsehen.

21. März 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.