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Wandelanleihen vs. Aktienanleihen. Ein Vergleich

In einer Niedrig-Zins-Phase bringen nicht nur Sparbücher und Tagesgeldkonten keine nennenswerten Renditen mehr. Auch die Renditen der soliden Anleihen sind in den meisten Fällen extrem niedrig.

Selbst Profi-Investoren verdienen mit Anleihen kaum noch Geld.

Wandelanleihen als Alternative

Eine gute Alternative zu den herkömmlichen Anleihen sind Wandelanleihen.

Da diese jedoch aus missverstandenem Anlegerschutz vor einigen Jahren strenger reguliert wurden, ist es seither für Privatanleger fast unmöglich geworden, in einzelne Wandelanleihen zu investieren.

Der Grund: Die erforderlichen Mindestanlagesummen sind oft derart hoch, dass Sie mit Anlagesummen unter 50.000 Euro praktisch keine Chance mehr haben, attraktive Wandelanleihen zu erwerben.

Die Lösung für dieses Problem sind Wandelanleihenfonds, die viele Dutzend Wandelanleihen für Sie bündeln.

Eine weniger gute Alternative zu herkömmlichen Anleihen sind dagegen Aktienanleihen, die seit einiger Zeit von Banken stark beworben und in großen Mengen verkauft werden.

Warum von Aktienanleihen abzuraten ist und Wandelanleihen die bessere Alternative sind, erfahren Sie später. Jetzt möchten wir Ihnen zunächst alles wichtige zum Thema Wandelanleihen mit auf den Weg geben.

Sie haben die Wahl zwischen Aktien und Geld

Wandelanleihen sind Anleihen, bei denen der Besitzer die Wahl hat, ob er sich am Ende der Laufzeit den Nominalwert der Anleihe (also Geld) oder lieber Aktien des Unternehmens auszahlen lässt.

Wichtig: Das Wahlrecht liegt beim Anleger und nicht beim Emittenten (Herausgeber der Anleihe).

Die Wandlungsmöglichkeit gilt bei einigen Wandelanleihen nur zu bestimmten Stichtagen oder am Laufzeitende. Andere sehen ein Wandlungsrecht jederzeit während der Laufzeit vor.


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Aufgepasst: Vermeiden Sie Wandelanleihen, die statt eines Wandlungsrechts eine Wandlungspflicht vorgeben. Verwechseln Sie außerdem Wandelanleihen nicht mit Aktienanleihen, bei denen der Emittent – und nicht Sie – die Wahl hat, ob später der Nominalbetrag (Geld) oder die Aktien ausgezahlt werden. Dazu später noch mehr.

Das Zinsniveau ist und bleibt im Keller

Wissen Sie, welche Zinsen Sie erhalten, wenn Sie Bundeswertpapiere kaufen? Das kommt auf die Art des Wertpapiers und auf die Laufzeit an.

Trotzdem lässt sich pauschal sagen: Die jährliche Rendite deutscher Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten ist sehr mager und tendiert Richtung 0% und der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) liegt aktuell bei 0,15%.

Entsprechend niedrig sind die Renditen von Staatsanleihen, zumindest, was die sicheren Anleihen angeht (falls man angesichts der staatlichen Schuldenkrise noch von „sicheren“ Anleihen sprechen kann).

Ihr Geld verliert an Wert

Mit Staatsanleihen, etwa aus Deutschland, schaffen Sie noch nicht einmal den Inflationsausgleich. Nur zum Vergleich: Die Inflationsrate liegt im Euro-Raum im Mehrjahresdurchschnitt bei rund 2%.

Ergebnis unter dem Strich: Die Zins-Rendite liegt unter der offiziellen Inflationsrate. Das, was Sie mit den mageren Zinsen erwirtschaften, gleicht am Ende der Laufzeit noch nicht einmal den Kaufkraftverlust des angelegten Geldes aus.

Das bedeutet: Sie verlieren auf dem Papier kein Geld, aber Sie können sich immer weniger Waren und Dienstleistungen für den Geldbetrag kaufen.

Wandelanleihen bieten Ihnen ein Sicherheitsnetz

Wandelanleihen werfen auch keine üppigen Zinsen ab. Üblich sind Zins-Kupons in Höhe von 1 bis 4%. Aber dafür bieten Wandelanleihen andere Vorzüge, die attraktives Gewinnpotenzial bergen.

Bei Wandelanleihen haben Sie als Inhaber die Wahl: Wollen Sie am Ende der Laufzeit (oder manchmal auch an bestimmten Stichtagen währenddessen) den Nominalbetrag zurückerhalten?

Oder soll Ihnen der Emittent (derjenige, der die Wandelanleihe am Markt platziert hat) stattdessen eine vorab festgelegte Anzahl von Aktien ins Depot buchen?

Das entscheiden Sie nach einem ganz einfachen Kriterium: Ist der Wert der Aktien höher als der Nominalbetrag, entscheiden Sie sich für die Aktien, ansonsten für die Rückzahlung des Nominalbetrags.

Beispiel: Sie können wählen, ob Sie 1.000 Euro oder 25 Aktien der Müller AG ausgezahlt bekommen. Sind die 25 Aktien zusammen mehr wert als 1.000 Euro (wenn der Aktienkurs zum Beispiel bei 50 Euro liegt), empfiehlt sich die Annahme der Aktien.

Sind die Aktien weniger wert, lassen Sie sich den Nominalwert in Höhe von 1.000 Euro zurückzahlen.

Zusätzlich kassieren Sie in beiden Fällen während der Laufzeit jedes Jahr die Zinsen. Bei den Wandelanleihen gibt es ein sogenanntes Umtauschverhältnis.

Ein Verhältnis 1:10 bedeutet beispielsweise: Für 1 Wandelanleihe erhalten Sie 10 Aktien. Dieses Wahlrecht bei Wandelanleihen (Sie können Geld in Aktien wandeln, daher der Name) macht dieses Anlageinstrument so attraktiv:

  1. Wandelanleihen sind ein ideales Investment in schwankungsstarken Börsenzeiten: Wenn die Aktienkurse steigen, profitieren Sie davon.
  2. Stagnieren die Aktienkurse oder sinken sie sogar, erleiden Sie keine Verluste: Der Nominalbetrag und die Zinsausschüttungen sind Ihnen sicher.

Darum sollten Sie keine Aktienanleihen kaufen

Wandelanleihen dürfen Sie nicht mit Aktienanleihen verwechseln. Bei einer Wandelanleihe haben Sie als Investor die Wahl, ob Sie lieber Aktien oder den Nominalbetrag zurückgezahlt haben möchten.

Bei einer Aktienanleihe dagegen liegt dieses Wahlrecht beim Emittenten. In der Praxis kann dieses Wahlrecht über Gewinn oder Verlust entscheiden.

Daher sind Aktienanleihen in der Regel höher verzinst, tragen aber deutlich höhere Verlustrisiken und sind somit oftmals ein lukratives Geschäft für Banken, die diese Produkte nicht ohne Grund mit großem Vertriebsaufwand versuchen an den Mann oder die Frau zu bringen.

So sieht der Kursverlauf von Wandelanleihen aus

Wie wirkt sich die Mischung aus Aktie und Anleihe auf den Börsenkurs aus?

Typischerweise macht der Kurs einer Wandelanleihe die Aufwärtsbewegung der zugrunde liegenden Aktie zu etwa zwei Dritteln mit.

Fällt der Aktienkurs, verliert die Wandelanleihe im Vergleich zur Aktie nur etwa ein Drittel. Wandelanleihen sind also ideal, wenn ein Aktieninvestment riskant erscheint, aber dennoch großes Entwicklungspotenzial besitzt.

Checkliste: Darauf kommt es für Sie an

  • Verwechseln Sie Wandelanleihen nicht mit Aktienanleihen. Bei Wandelanleihen haben Sie das Wahlrecht, ob Sie den Nominalbetrag oder Aktien haben möchten. Bei Aktienanleihen hat dieses Wahlrecht der Emittent (die Bank).
  • Wandelanleihen sind ein Aktieninvestment mit Sicherheitsnetz. Die Aufwärtsbewegung wird nur zu etwa zwei Dritteln nachvollzogen, eine Abwärtsbewegung zu rund einem Drittel.
  • Kaufen Sie nie Wandelanleihen, die statt eines Wandlungsrechts eine Wandlungspflicht vorsehen.

4. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.