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Wann der Rechnungsempfänger die Mehrwertsteuer zahlt

Immer wieder sorgt es für Unsicherheit und Fragen – das Reverse Charge-Verfahren, bei dem ein Kunde eine Nettorechnung erhält und die Mehrwertsteuer für den Rechnungssteller selbst an den Fiskus abführen muss.

Meist ist dabei zu lesen, dass dies zu keiner Mehrbelastung führt, weil der Leistungs- und Rechnungsempfänger die gezahlte Steuer mit dem Finanzamt wieder verrechnen kann – sofern er zum Abzug der Vorsteuer berechtigt ist.

Reverse Charge-Verfahren: nicht für Privatleute

Gerade der letzte Zusatz darf nicht zu der irrigen Annahme führen, dass es sich bei nicht vorsteuerabzugsberechtigten Kunden um Privatpersonen handelt. Er bezieht sich rein auf Unternehmen und auf die Tatsache, dass etwa Kleinunternehmer mitunter nicht dazu berechtigt sind. Das gesamte Reverse Charge-Verfahren gilt nur für Rechnungen von Unternehmen zu Unternehmen.

Der Grundgedanke ist einfach. Da es in der Vergangenheit vielfach zu Umsatzsteuerbetrug im kleinen und großen Stil kam, wurde das übliche Vorgehen einfach umgedreht: Nicht das leistende Unternehmen erhält über seine Bruttorechnung die Mehrwertsteuer und führt sie ab, sondern der Leistungsempfänger. Er bekommt eine Nettorechnung, die er bezahlt und rechnet selbst die jeweilige Mehrwertsteuer aus – in der Regel 19%, bei Lebensmitteln und anderen Ausnahmen 7%.

Dieses Geld zahlt er ans Finanzamt und verrechnet es in seiner Umsatzsteuer-Voranmeldung mit der Mehrwertsteuer, die er selbst eingenommen hat. Damit hat das Finanzamt sein Geld gesichert und muss selbst bei einer Insolvenz des Rechnungsstellers nicht darauf verzichten.

Umkehrverfahren vor allem im Ausland

Zur Formalität: Abgesehen von genauer Anschrift und konkreter Leistungsaufstellung etc. muss auf der Nettorechnung beim Reverse Charge-Verfahren der Hinweis: „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfänger“ vermerkt sein. Kommt die Rechnung aus dem Ausland, heißt dies: „Reverse Charge“. Hinzu kommt die Steuernummer bzw. Umsatzsteuer-Identifikationsnummer innerhalb Deutschlands.

Das Verfahren umfasst sämtliche Waren- und Werklieferungen sowie Dienstleistungen. Angewendet wird es vor allem, wenn die Rechnung aus dem Ausland kommt – innerhalb der EU immer, und auch bei außereuropäischen Ländern empfiehlt sich der Steuerumkehrhinweis auf der Rechnung.

Anwendungsbereiche in Deutschland

Welche Rechnungen unter deutschen Unternehmern betroffen sind, steht im Umsatzsteuergesetz. Der §13b listet eine ganze Reihe von Leistungen, Waren und Branchen auf. Dazu gehören etwa Subunternehmer im Baubereich, Gebäudereiniger, Schrotthändler und Energielieferanten. Ebenso beispielsweise Handys, Tablets, Metalle wie Aluminium oder Blei und Edelmetalle wie Platin, Silber oder Gold.

Reverse Charge bei Gold? Anleger sollte das nicht verwirren. Hier geht es um Gold, das in bestimmten Reinheitsstufen industriell verwendet wird, etwa im Dental-Labor. Anlegergold als Münze oder Barren indes ist umsatzsteuerfrei.

Ausnahmen mit Bagatellgrenzen

Für die sogenannten edlen und unedlen Metalle sowie Mobilfunkgeräte gibt es seit Anfang 2015 eine Abänderung. Da es sich oft auch um typische Endverbraucherwaren handelt, mussten Kaufhäuser etwa Aluminiumrollen für den Haushalt gesondert abrechnen.

Um diesen Mehraufwand zu beseitigen, wurde eine Bagatellgrenze von 5.000 € pro Lieferung eingeführt. Für die Einzelhändler eine Erleichterung. Gold allerdings ist von der Bagatellregelung ausgenommen. Ein Zahnlabor muss also weiterhin über das Reverse Charge-Verfahren abrechnen.

6. Januar 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.