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Wann Geschwister erben können

Verstirbt eine Person, gibt es meist einen Nachlass, um den sich die Hinterbliebenen kümmern müssen. Viele Menschen verfassen im Laufe ihres Lebens ein Testament, in dem sie alles was sie besitzen aufteilen.

In Deutschland kann jeder selbst bestimmen, wem er was hinterlassen möchte. Ausgenommen davon ist ein Pflichtanteil, den die direkten Nachkommen wie Kinder oder Enkelkinder und der Ehegatte erhalten.

Eine rechtskräftige Verfügung, wie ein notariell beglaubigtes oder ein handschriftlich verfasstes Testament, kann die herrschende gesetzliche Erbfolge bis auf den Pflichtanteil problemlos außer Kraft setzen. Wer Bargeld, Immobilien oder Wertpapiere erbt, entscheidet nur der Testamentsverfasser. Auch Geschwister, die in der gesetzlichen Erbfolge erst an hinterer Stelle stehen, können auf diese Weise bedacht werden.

Welche Freibeträge gelten für das Erbe von Geschwistern?

Wer seine Geschwister in sein Testament einträgt, kann ihnen ungeachtet der gesetzlichen Erbfolge etwas vermachen. Im Rahmen dieser erben sie nämlich erst dann einen Teil des Nachlasses, wenn der Verstorbene keine Kinder und keinen Ehepartner hat und die Eltern bereits verstorben sind.

Für Geschwister, die einen Teil des Nachlasses erben, kann es allerdings schnell teuer werden. Nur 20.000 € dürfen im Rahmen des Freibetrags steuerfrei vererbt werden, alles darüber hinaus müssen Geschwister versteuern. Gerade wenn es um den Nachlass von Immobilien geht, die an Geschwister vererbt werden, müssen hohe Summen an den Staat gezahlt werden.

Beispiel:

Bei der Erbschaftssteuer gibt es verschiedene Steuerklassen, Geschwister werden in die Steuerklasse II eingeordnet. Der Steuersatz in dieser Klasse ist je nach vererbter Vermögenshöhe gestaffelt, bis 75.000 € werden 15 % Steuern fällig, bis 300.000 € 20 % und bis 600.000 € 25 %.

Wer also von seinem Bruder oder Schwester Wertpapiere in Höhe von 100.000 € erbt, muss darauf nach Abzug des Freibetrags von 20.000 € 20 % an den Staat abgeben. 20 % von 80.000 € sind 16.000 €, wodurch dem Erben 84.000 € von seinem Erbe bleiben.

In der gesetzlichen Erbfolge treten Geschwister erst dann ein, wenn die Eltern verstorben sind

Entscheidet sich ein Testamentsverfasser dazu, seine Geschwister bewusst aus dem Testament auszuschließen, muss er keinen gesetzlichen Pflichtanteil an sie abtreten. Einen Pflichtanteil erhalten nur die direkten Nachkommen des Verstorbenen wie Kinder oder Enkelkinder. Auch die zurückgebliebenen Ehegatten erhalten einen Pflichtanteil.

Sind ein oder beide Elternteile im Erbfall bereits verstorben, treten im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge die Geschwister ein. Lebt noch ein Elternteil, erhalten Sie die Hälfte, der für den verstorbenen Elternteil vorgesehen war. Die andere Hälfte erhält der noch lebende Elternteil. Sind beide Eltern tot, erhalten Sie die Anteile beider Eltern.

Beispiel:

Der Erblasser ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. Seine Mutter lebt noch, sein Vater nicht. Er hat zwei Schwestern. Da keine Erblasser erster Ordnung, also Ehepartner oder Kinder vorhanden sind, erben die Erben zweiter Ordnung, also die Eltern und Geschwister.

Die eine Hälfte des Vermögens erbt dann die noch lebende Mutter, die andere Hälfte, die eigentlich dem Vater zugestanden hätte, wird in gleichen Anteilen auf die beiden Schwestern verteilt. Sie erhalten also jeder ein Viertel des Erbes.

Nur leibliche Geschwister können in die gesetzliche Erbfolge treten

Grundsätzlich gilt für das gesetzliche Erbe von Geschwistern, dass sie immer nur von einem leiblichen Elternteil erben können. Als Stiefkind werden sie nicht berücksichtigt – außer sie werden testamentarisch bedacht.

Für den Fall, dass kein Erbvertrag, kein Testament und keine gesetzlichen Erben vorhanden sind (oder es haben alle das Erbe wegen Überschuldung ausgeschlagen) erbt das Bundesland, in dem die verstorbene Person zuletzt gemeldet war. Für Nachlassschulden wird dabei allerdings nur beschränkt gehaftet.

12. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.