Jedes Jahr schreibt der schon zu Lebzeiten legendäre Investor Warren Buffett seinen Anlegern einen Brief.
In diesem Jahr geht er dabei unter anderem auf den Goldpreis ein und sagt, was er von Gold hält, nämlich nichts. Seine Begründung sieht auf den ersten Blick logisch aus.
Bei genauerem Hinschauen lege ich aber Widerspruch ein. „Bei allem Respekt, Herr Warren Buffett, aber mit Ihrer Gold-Analyse liegen Sie falsch,“ sage ich. Ich habe Buffets Aussagen zum Goldpreis genommen und stelle diesen meinen Standpunkt gegenüber.
Warren Buffett zum Goldpreis:
Wenn Blasen zu groß werden, platzen sie. Wenn das geschieht, gilt das alte Sprichwort: „Was der weise Mann als Erster tut, macht der Idiot zuletzt.“
Mein Standpunkt:
Man mag nicken und denken, stimmt. Aber: Wer hier der „weise Mann“ und wer der „Idiot“ ist, stellt sich erst hinterher raus. Ich bin sicher, es lassen sich genauso viele Beispiele finde, wo der „Idiot“ zuerst aussteigt und der „weise Mann“ zuletzt (viel später).
Warren Buffett zum Goldpreis:
Er beziffert den Goldvorrat der Welt mit rund 170.000 Tonnen. Den Wert setzt er mit 9,6 Billionen USD an. Warren Buffett nennt den Goldbestand der Welt „Haufen A“.
Mein Standpunkt:
Die Menge habe ich nicht verifiziert. Ich komme auf einen Wert von rund 5,4 Billionen Euro. Ich denke, wir haben zu unterschiedlichen Zeiten gerechnet. Ob 5,4 Billionen Euro oder 9,6 Billionen USD soll an dieser Stelle auch unwichtig sein.
Warren Buffett zum Goldpreis:
Warren Buffett bildet einen Haufen B. Dieser besteht aus dem gesamten Ackerland der USA und 16-mal das Unternehmen Exxon, das pro Jahr gut 40 Milliarden USD Gewinn erzielt. Dieser „Haufen B“ hat denselben Wert wie der „Haufen A“ mit dem Gold.
Mein Standpunkt:
Ohne weitere Prüfung, o.k.
Warren Buffett zum Goldpreis:
Warren Buffett fragt, ob man sich einen Menschen vorstellen können, der für denselben Betrag „Haufen A“ (Gold) statt „Haufen B“ (Ackerland plus Exxon) kaufen würde.
Mein Standpunkt:
Geschickt formuliert, Warren Buffett, Respekt. Ich würde gleichwohl das Gold wählen. (Ergibt sich aus den nachfolgenden Argumenten.)
Warren Buffett zum Goldpreis:
Warren Buffett schreibt, man könne das Gold streicheln, aber er werde nicht reagieren.
Mein Standpunkt:
Ja und? Die Ölschmiere von Exxon will ich garnicht streicheln. Aber: Ein Krügerrand in der Hand „hat was“.
Warren Buffett zum Goldpreis:
Warren Buffett sagt, es werde jedes Jahr für rund 160 Milliarden Dollar Gold gefördert (entsprechen etwa 120 Milliarden Euro). Diese müssten im Markt umgesetzt werden.
Mein Standpunkt:
Und wieder: Geschickt formuliert, Warren Buffett, Respekt. 120 Milliarden Euro hören sich viel an. Aber: Das sind nur 2% des Bestandes. Ohne die Zahlen zu verifizieren, finde ich 2% wenig.
Wenn man dann noch den steigenden industriellen Verbrauch (Handys, Computer etc.) berücksichtigt, spricht das eher für einen begrenzten Vorrat des Goldes.
Warren Buffett zum Goldpreis:
Warren Buffett prognostiziert, dass in 100 Jahren auf dem Farmland Unmengen von Lebensmitteln produziert werden und 16-mal Exxon werde bis dahin Billionen an Dividenden ausgeschüttet haben.
Mein Standpunkt:
Wer weiß? Schafft Exxon die mit Sicherheit kommende Umstellung weg von Öl hin zu ..., ja was? Benötigen wir in 100 Jahren Ackerland zur Produktion von Lebensmitteln? Ich bin nicht sicher, was in 100 Jahren sein wird.
Warren Buffett zum Goldpreis:
Warren Buffett sagt, in 100 Jahren werden die 170.000 Tonnen Gold unverändert sein. Sein Fazit: Der „Haufen A“ mit dem Gold wird weit weniger zulegen als der „Haufen B“ (Ackerland und 16-mal Exxon).
Mein Standpunkt:
Was Ackerland und Exxon in 100 Jahren wert sein wird, muss sich zeigen. Gold als Wertaufbewahrungsmittel ist seit Jahrtausenden stabil. Unternehmen kommen und gehen. So wurde General Motors im Jahr 1908 gegründet und war fast auf den Tag danach hundert Jahre später (von Warren Buffett genannte Zeitspanne) insolvent.
Mit „ein paar Gramm“ Gold, physisch, konnten Sie vor 1.000 Jahren und vor 100 Jahren Ackerland kaufen und in 100 Jahren wird es ebenso sein.
Außerdem denke ich, angesichts der sich inflationär entwickelnden Geldmenge, dass ein „paar Gramm Gold“, physisch, nicht das Schlechteste sind. Das ist die Sicht von 1 bis 10 Jahren, die viel näher an der Gegenwart und Realität ist.
Fazit: In den Medien konnten Sie lesen, Warren Buffett halte nichts von Gold. So ganz stimmt das nicht. Er spricht von Wertzuwachs auch in 100 Jahren. Er sieht diesen nur bei Aktien höher als beim Gold. Ich will auch nicht für Gold und gegen Aktien argumentieren.
Eine vernünftige Diversifizierung vorhandenen Vermögens wird zwingend beide Anlageklassen berücksichtigen. Wenn Warren Buffett aber wirklich nichts von Gold hält, stimme ich ihm nicht zu. Und wenn die Medien das aus seinem Brief herausgelesen haben, haben sie falsch interpretiert.
Zum guten Schluss: Am 16.02.1480 (Tag der Geburt nicht eindeutig bestimmt), also heute vor 532 Jahren, erblickte der schwäbische Ritter Götz von Berlichingen das Licht der Welt. Ihm wird das Zitat mit 4 Worten zugeschrieben, von dem ich hier nur die Anfangsbuchstaben eines jedes Wortes wiedergebe: „L... m... a. A....“ Das bei manchem Politiker und Bangster denkend, nie sagend, verabschiede ich mich für heute und wünsche Ihnen einen wenig nassen Wintertag
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