Warren Buffett hat wieder zugeschlagen

Liebe Leser, 

Warren Buffett hat gestern einmal mehr für einen Paukenschlag gesorgt.

Mit einer Kapitalspritze von 5 Mrd. Dollar unterstützt er die Bank of America.

An den Märkten war zuletzt massiv darüber spekuliert worden, ob eine der größten Banken der USA frisches Kapital benötigt. Doch das Management um Vorstandschef Brian Moynihan hatte das bislang immer bestritten. 

Und auch jetzt steht die Bank nicht mit dem Rücken zur Wand. Das Management war gestern stark damit beschäftigt, die Aktion von Buffett positiv zu nutzen, ohne aber Hinweise auf eine mögliche Schieflage zu geben.

In der Pressemitteilung heißt es dazu von Bank of America-Chef Brian Moynihan: „Ich bin zuversichtlich, dass wir genug Eigenkapital und Liquidität haben, erkenne aber gleichzeitig an, dass eine Investition Buffetts eine starke Bestätigung unserer Vision darstellt.“

Warren Buffett lässt sich mit den Worten zitieren: „Die Bank of America ist eine starke Firma und ich rief Brian an, um ihm zu sagen, dass ich gern in sie investieren wolle.“

Dieser Hang zur Normalität lässt auf jeden Fall aufhorchen. Das liegt auch daran, dass dieser Deal von Buffett extrem an den Goldman Sachs Deal auf dem Höhepunkt der Finanzkrise erinnert. Damals sicherte Buffett mit seiner Kapitalspritze die Liquidität von Goldman Sachs.

Im Nachhinein war das ein unglaublich lohnendes Investment für ihn. Er erhielt eine 10-prozentige Dividende auf die Vorzugsaktien und Goldman Sachs musste einen Aufschlag von 10% beim Rückkauf der Aktien zahlen. 

Buffett erhält garantiert eine Dividende von 6%

Bei dem aktuellen Bank of America Deal sind die Bedingungen ähnlich – nur die Werte sind anders. Hier liegen die Dividende nur bei 6% und der spätere Aufschlag für den Rückkauf nur bei 5%. Aber es gibt noch eine Komponente, die Buffett in den kommenden Jahren noch sehr viel Gewinn bringen kann.

Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway erhält Optionen für den Kauf von insgesamt 700 Mio. Bank of America Aktien und das zum Preis von 7,14 Dollar. Diese Optionen kann Berkshire Hathaway über zehn Jahre ausüben. 

Sollte der Aktienkurs der Bank of America nur auf das Niveau von Anfang des Jahres zurückkehren, sind hier massive Gewinne für Buffett möglich.

Die Bank of America Aktie ist zudem kein neues Investment für Buffett. Erst im vergangenen Jahr hat er sich von einem Aktienpaket getrennt. Der Kurs lag damals noch bei über 12 Dollar. 

Klar ist: Mit dem nun abgeschlossenen Deal sind alle Spekulationen über eine Kapitalerhöhung bei der Bank of America erst einmal vom Tisch. Ist damit auch die Krise bei der Bank überwunden? Das ist ganz schwer zu sagen. Selbst erfahrene Bankanalysten blicken bei der Bank of America nicht durch.

Durch zahlreiche Übernahmen (u.a. Countrywide Financial und Merril Lynch) ist die Bilanz extrem unübersichtlich. Fakt ist: Derzeit notiert die Aktie rund zur Hälfte des in der Bilanz ausgewiesenen Buchwerts. Das ist auf den ersten Blick eine attraktive Bewertung.

Doch was ist, wenn der Buchwert im Zuge größerer Abschreibungen noch weiter nach unten korrigiert werden muss? Dann kann sich diese scheinbare Unterbewertung sehr schnell auflösen. 

Keine Frage: Warren Buffett beweist einmal mehr seinen Spürsinn. Und mit den langlaufenden Optionen hat er einen Hebel, um bei einer Erholung der Bank richtig abzukassieren.

In der Zwischenzeit kassiert er 6% Dividende – das ist auch in Ordnung bei Anleihenzinsen von weniger als der Hälfte. 

Ein schönes Wochenende

wünscht Ihnen

Heiko Böhmer

Chefredakteur „Privatfinanz-Letter“ 

 
 
Bildquelle: Robert Crum - Fotolia

Autor:

Heiko Böhmer

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