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Warum Anleger die Moral Hazard Definition kennen sollten

Moral Hazard bedeutet übersetzt „moralisches Risiko“ und kann in vielen Facetten der Ökonomie vorkommen und damit auch Anleger betreffen. Früher war der Begriff in erster Linie mit Versicherungen verknüpft. Dabei ging es darum, wie sich beispielsweise Versicherungsnehmer verhalten, sobald sie eine Police abgeschlossen haben. In der Regel wurden sie unvorsichtiger, weil jemand anderes das Risiko tragen musste.

Genauso kann es in anderen Bereichen laufen. So sind Beamte weniger fleißig, weil sie unkündbar sind oder Krankenversicherte achten weniger auf ihre Ernährung, weil die Krankenkasse eventuelle Folgeschäden bezahlen muss. Das ist natürlich nicht grundsätzlich der Fall. Die Moral Hazard Definition beschreibt lediglich das Risiko, dass dieses Verhalten unter den Voraussetzungen auftritt. Aus Anlegersicht kann dies Bewegungen an der Börse erklären und deshalb Investitionen beeinflussen.

Moral Hazard Definition an der Börse

Das risikoreiche Verhalten der Investoren ist inzwischen nicht nur eine Theorie oder selten praktiziertes Geschehen. Inzwischen haben die Marktteilnehmer erkannt, dass die Zentralbanken die Aktienkurse nicht mehr abstürzen lassen. Das hat sogar soweit geführt, dass diese Verhalten bereits eine eigene Bezeichnung erhalten hat: Greenspan-Put. In Anlehnung an die Interventionen des inzwischen ehemaligen Vorsitzenden der Federal Reserve.

Die Börsenakteure konnten darauf spekulieren, dass die Kurse nicht ins Bodenlose abrutschen werden, weil die US-Notenbank rechtzeitig intervenieren würde. Dieses Verhalten hat inzwischen auch die Europäische Zentralbank und dessen Präsident Mario Draghi übernommen. So haben allein seine Äußerungen zur Euro-Sicherheit dafür gesorgt, dass die Kurse wieder gestiegen sind. Die Spekulanten konnten sich also zu einem gewissen Maße sicher sein, dass die Aktien nicht langfristig einbrechen werden.

Das Ergebnis des Moral Hazard ist in diesem Fall, dass Aktienkurse durch diese Situation höher notieren. Einen Ausgleich in Form von Absicherungen (Puts) gibt es aktuell nur zum Teil, so dass die generelle Ausrichtung an der Börse deutlich positiver aussieht, als sie eigentlich sein müsste. Ohne die Interventionen der Zentralbanken würden die Investoren weniger riskieren und das würde die Preise etwas senken.

Moral Hazard Definition in der Schuldenkrise

Die moralischen Risiken erleben wir seit Beginn der Schuldenkrise in regelmäßigen Abständen. Wenn Staaten oder Banken als „systemrelevant“ erklärt werden und nicht pleite gehen dürfen, ist dies ein subjektives Dilemma. Die Entscheider solcher Institutionen müssen demnach nicht nach den Regeln spielen. Sie können riskanter spekulieren, mit weniger Eigenkapital und wenn die Investition verpufft, müssen die Staaten dafür haften und Gelder für die Rettung bereitstellen.

Der Begriff „Too Big To Fail“ wurde dadurch geprägt und bedeutet genau das, dass diese Institutionen zu groß sind, um pleite gehen zu dürfen. Sollte eines dieser großen Bankhäuser oder Unternehmen zerfallen, würden viele weitere folgen – so lautet zumindest oft die Begründung. Deshalb wurde auch der Begriff systemrelevant geprägt. Eine solche Bank beispielsweise hat in gewissem Sinne Narrenfreiheit, weil ihr nichts passieren kann. Der Moral Hazard ist eine erhöhte Risikobereitschaft mit Anlegergeldern zu spekulieren.

Wie Moral Hazard verhindert werden kann

An der Börse und bei Bankenrettungen scheinen die aktuellen Systeme dem Moral Hazard freien Lauf zu lassen. Am Beispiel der Versicherungen kann mit Selbstbeteiligungen und anschließenden Tariferhöhungen wie bei Autoversicherungen dem rücksichtslosen Verhalten entgegengewirkt werden. Derartige Strafen gibt es bei Spekulanten mit Aktien nicht. Das Risiko ist so gesehen auch nicht völlig ausgeschaltet. Die Notenbanken intervenieren zur Zeit noch – fraglich ist allerdings, wie lange dies noch weiter gehen kann.

Deshalb sind die riskanten Spekulationsgeschäfte von maroden Banken derzeit noch sicher und der Greenspan-Put funktioniert weiterhin. Doch früher oder später wird auch dieser Moral Hazard seine Quittung bekommen, auch wenn dieses Verhalten bei maroden Staaten und Banken bereits extrem lange sein Unwesen treibt.

Aus Anlegersicht sollten das wahrscheinlichste Szenario sein, dass die Aktienkurse langfristig weiter steigen. Erst wenn die Interventionen der Banken aufhören oder wirkungslos verpuffen sollten, ist es Zeit umzudenken. Solange können Konsolidierungen als Kaufkurse genutzt werden.

18. November 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.