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Warum Donald Trump für die Finanzwelt unberechenbar ist

Die USA werden auch auf absehbare Zeit ihre Stellung als führende Wirtschaftkraft behalten. Solange der Dollar die Weltleitwährung ist, schauen Anleger und mit ihnen die Finanzmärkte weltweit auf die Entwicklung an der Wallstreet aber auch in Washington. Aktuell ist die Frage: Wer wird im November Präsident, Hillary Clinton oder Donald Trump? Der Wirtschaftspolitik kommt eine entscheidende Rolle zu.

Und die muss schlüssig sein, zumindest einigermaßen. Was Anleger und Banken gar nicht mögen, ist Unsicherheit. Dass im Wahlkampf teils wechselnde Positionen vertreten werden, um Wähler zu gewinnen, ist ein altes Ritual. Entscheidend ist, was mit Amtsantritt tatsächlich umgesetzt wird – und werden kann. Dass der Kongress so manchen Plan durchkreuzt, mussten schon etliche Präsidenten erleben.

Donald Trump: Wirtschaftspolitik mit Widersprüchen

Donald Trumps Wirtschaftspolitik erscheint schon im Vorfeld nicht völlig durchdacht. Einerseits will er nahezu protektionistisch die „Interessen“ der US-Wirtschaft samt ihrer Arbeiterschaft wahren, andererseits unnötige Wirtschaftshemmnisse beseitigen – beispielsweise die Reformgesetze, die als Antwort auf die letzte Finanzkrise geschaffen wurden. Trump will die Wallstreet vom „Gängelband erlösen“, was in der Hochfinanz jedoch nicht durchgehend bejubelt wird.

Interessanterweise unterstützen die Banken seine Kampagne weniger als die seiner Rivalin Clinton. Mit deren Vorstellungen, etwa zur stärkeren Kontrolle der Schattenbanken, können sie gut leben. Vor allem: Ihr Konzept folgt einer realistischen Linie, wobei ihr die Erfahrungen als Politikerin zugute kommen.

In Donald Trumps Wirtschaftspolitik indes sehen sie den untauglichen Versuch, mehr Freiheit mit Protektionismus zu verbinden. Obwohl er sich als Freihandelsanhänger gibt, will Trump Schutzzölle einführen und US-Firmen hindern, ihre Aktivitäten ins Ausland zu verlagern. Dies begründet er mit Außenhandelsdefiziten und Billiglöhnen in China oder Mexiko, die amerikanische Arbeitsplätze kosten. Seine Ankündigung, notfalls „blutige Handelskriege“ zu riskieren, beunruhigt viele.

Amerikanische Interessen und Ängste

Weniger allerdings die gut 28 Millionen Kleinunternehmen, die seine Position stützen. Dass die zum Teil den internationalen Anschluss verpasst haben, unterschlägt er jedoch genauso wie die Tatsache, dass im Dienstleitungssektor Amerika weltweit dominant ist und haushohe Überschüsse einfährt. Vor dem Hintergrund wirkt es nahezu verstörend, wenn er beispielsweise Ängste vor der deutschen Exportindustrie schürt.

Irritierend sind auch seine Pläne, eine Mauer entlang der mexikanischen Grenze zu bauen, um Kriminelle und Einwanderer abzuhalten. Letztere sind nicht nur Almosenempfänger, sondern willkommene Geringverdiener, die zur Volkswirtschaft beitragen. Sie einfach in Massen auszuweisen, wäre schädlich und undurchdacht. Nahezu inkompetent wirkt seine Ankündigung, Mexiko solle die Mauer mit seinen Exporterlösen bezahlen. Die aber sind bekanntlich keine Staatseinnahmen.

Zweifel in der Wirtschaft

Dies alles veranlasste die sonst zurückhaltende gewichtige US Chamber of Commerce zu einer Stellungnahme im Wahlkampf. Die zurückhaltend formulierte Abwägung zwischen Trump und Clinton heißt auf den Punkt gebracht: Trump wäre das größere Übel. Was er bislang vermissen lässt, ist Pragmatismus in der Außenwirtschaftspolitik. Hier hat Hillary Clinton die größere Erfahrung, auch wenn sie gleichfalls etwa mit Details in Freihandelsabkommen wie TPP unzufrieden ist.

Die Lösung kann aber kaum in einfachen Hauruck-Antworten liegen, die die Weltwirtschaft und den Frieden aufs Spiel setzen. Stichwort Spiel: Für Donald Trump mögen seine markigen Vorstellungen unter Umständen nur Mittel zum Zweck sein, um an die Macht zu kommen. Nicht ausgeschlossen, dass er dann völlig anders handelt. Er selbst wurde mit teils wechselnden Positionen zum einflussreichen und reichen Geschäftsmann.

Machtstreben und Realitätssinn

Pragmatismus ist Donald Trump nicht wesensfremd. Doch das ist nur eine Seite. Die andere ist, dass er gelernt hat, rücksichtslos die eigenen Interessen durchzusetzen. Bei Deals mit Immobilien mag dies notwendig sein. Als Präsident aber geht es um die Verantwortung für eine ganze Nation mit all ihren unterschiedlichen Strömungen.

Und im globalen Kontext mögen die USA zwar führend sein, doch sind sie alles andere als unabhängig. Wohlstand entsteht nur durch die stets neu ausgehandelte Balance verschiedener Interessen. Dies ist mühsam und erfordert oft genug eine Mischung aus Pragmatismus und zielgerichteter Bescheidenheit.

Für diese Eigenschaft ist Trump bisher zwar weniger bekannt, doch sollte man seine Anpassungsfähigkeit nicht unterschätzen. Allein das Amt und der Kongress zeigen schnell die Grenzen des Gefühls eigener Machtfülle auf.

28. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.