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Warum es beim Handel auf die Zeit ankommt

Wer mit Wertpapieren wie Aktien aber auch Devisen, Rohstoffen oder Waren handelt, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Vertragsabwicklung:

Zum einen als Kassageschäft und zum anderen als Termingeschäft. Das Kassageschäft ist einer kurzen Definition zufolge zunächst schlicht das Gegenteil vom Termingeschäft.

Beim Termingeschäft finden laut Definition der Vertragsabschluss und die Vertragserfüllung, also Lieferung und Bezahlung, nicht zum selben Zeitpunkt statt. Der Grund: Wird für die Lieferung und die Bezahlung ein späterer Termin vereinbart, kann man sich vorab einen bestimmten Preis sichern oder damit spekulieren, dass der sich bis dahin verändert.

Kassageschäft Definition: Abwicklung bis in zwei Tagen

Hingegen erfolgt beim Kassageschäft laut Definition die Vertragserfüllung umgehend – das heißt innerhalb von zwei Tagen. Findet der Handel bzw. der Vertragsabschluss am Montag statt, muss er spätestens zwei Tage danach erfüllt sein.

Bis dahin müssen beispielsweise Aktien eingebucht und das Geld dafür überwiesen sein. Je nach Bank werden Aktien auch noch am selben oder am nächsten Tag eingebucht. Je schneller, desto rascher kann man bei plötzlichen Kursänderungen wieder verkaufen.

In anderen Worten: Wenn nicht ausdrücklich ein Termingeschäft vereinbart wird, gelten üblicherweise die Regeln fürs Kassageschäft. Die Definition und der Begriff an sich stammen ursprünglich aus dem Börsen- und Bankenwesen.

Längst aber werden sie allgemein für den Handel mit den verschiedensten Waren, Werten und Wertpapieren verwendet. Und das gilt nicht nur an den Börsen, sondern auch im außerbörslichen Handel.

Gesetzliche Basis ist in Deutschland § 364 im Handelsgesetzbuch. Der spricht zwar nur von „im Handelsverkehr üblichen Gewohnheiten“. Was das genau bedeutet, wurde vom Bundesgerichtshof festgelegt: „die übliche Frist von zwei Tagen“. So steht es auch in einer einschlägigen EU-Verordnung.

Devisenkassageschäfte sichern Kurse

Dasselbe gilt etwa für Devisengeschäfte: Der Umtausch von einer Währung in die andere muss in spätestens 48 Stunden erledigt sein. Immerhin geht es um die Einhaltung von Zinsen und Kursen.

In dem Fall wird von Devisenkassageschäften gesprochen. Der vereinbarte Zeitpunkt bis zum Erfüllungstag wird hier auch als Spotvaluta bezeichnet und das Tauschverhältnis als Kassakurs. Hierbei kann es jedoch passieren, dass sich innerhalb von einem oder zwei Tagen Zinsschwankungen ergeben, die in den Kurs mit eingerechnet werden.

Auf jeden Fall legen sich mit dieser Vereinbarung beide Vertragsparteien fest. Käufer und Verkäufer müssen sich also im Klaren sein, dass mit dem Vertragsabschluss ein Liefergeschäft zustande kommt, das beide ordnungsgemäß zu erfüllen haben.

Scheingeschäfte und ihre Folgen

In abgewandelter Form gibt es aber auch Scheinkassageschäfte. Die Definition hierfür ist mehr eine Beschreibung des Vorgangs, bei dem die Vertragserfüllung eben nicht innerhalb von zwei Tagen beabsichtigt wird. Hier soll der Ausgleich nicht durch direktes Bezahlen, sondern den Gewinn eines beabsichtigten Wiederverkaufs erfolgen. Geschuldet wird nur die Differenz aus dem Geschäft.

Ein Beispiel: Käufer und Verkäufer einigen sich, € in US-$ zu tauschen. Am Erfüllungstag aber wird dann das Geschäft nicht abgeschlossen, sondern die Devisen werden weitergetauscht. Und zwar in eine andere dritte Währung, die mittlerweile im Kurs gesunken und somit attraktiver ist.

Dabei entsteht ein Gewinn, und mit dem begleicht der Verkäufer die Kosten, die ihm durch die Lieferung der in US-$ getauschten € entstehen. Da hier das eigentliche Ziel im Gewinn durch Kursdifferenzen besteht, spricht der Bundesgerichtshof auch von einem verdeckten Termingeschäft.

Auch im Bereich des Devisen-Daytrading, bei dem derartige Gewinne an einem Tag erzielt werden, ist ein Devisenkassageschäft nicht ernst gemeint. In dem Fall handelt es sich nach dem Gesetz um verdeckte Differenzgeschäfte. Die wurden 2007 in das Wertpapierhandelsgesetz aufgenommen und entfalten für den Verbraucher die Schutzwirkung, die bei Finanztermingeschäften gilt.

Das bedeutet unter anderem: Wer nicht richtig aufgeklärt wurde und einen Schaden nachweisen kann, hat Anspruch auf Schadensersatz. Außerdem sind Differenzgeschäfte zu versteuern.

18. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.