Warum Indexfonds dieses Jahr erste Wahl sind

Brexit, Trump, Italienreferendum – trotz aller Überraschungen mit Sprengpotenzial konnten Anleger das letzte Jahr zufrieden abhaken. Dass die Aktienmärkte fast unbeeindruckt zulegten, dürfte gerade ETF-Anleger freuen, die stressfrei und ohne hektische Einzeltransaktionen lediglich zusehen mussten, wie sich die jeweiligen Börsenbarometer entwickelten.

Der Dax stieg um 17,40%, der amerikanische S&P 500 um 18% und der US-Techologieindex Nasdaq in ähnlicher Höhe.

ETFs: 2017 nicht nur Risiken

Natürlich liegt die Frage nahe, wie es mit ETFs in 2017 weitergeht und auf welche Typen, Indizes und Basiswerte es jetzt ankommt. Immerhin steht ein Jahr mit weitreichenden Wahlen und Weichenstellungen bevor. Auch wird sich zeigen, wie der Brexit umgesetzt wird und was Donald Trump tatsächlich auf die Beine stellt. Selbst die Weltbank moniert aktuell, dass sie nicht abschätzen könne, was er vorhabe. Kurzum: Es bleibt unberechenbar.

Doch das war es auch 2016. Der Unterschied ist, dass uns die Risiken nun präsenter sind. Alle Prognosen in Bezug auf ETFs für 2017 sind letztlich der Versuch, Vorhersagen zu Märkten sowie mögliche Auslöser für Änderungen und Verwerfungen zu treffen. Etwas stichhaltiger sind Indizien, zusammen mit der Betrachtung vergangener Entwicklungen.

Recht eindeutig ist die Sache bei Dividenden, wo schon grobe Zahlen vorliegen. Hier könnten sich ETFs auf Indizes wie den DivDax lohnen. Nach den satten Konzerngewinnen im letzten Jahr gilt folgende Ansage: Von 30 Dax-Unternehmen wollen 23 die Ausschüttungen erhöhen, fünf halten sie konstant und nur zwei zahlen etwas weniger. Insgesamt ist mit einer Steigerung um 7% zu rechnen, was auf über 31 Mrd. € allein im Dax hinausläuft.

Rohstoffe, US- und Schwellenländer-Indizes

Auch dürften Rohstoff-ETFs 2017 nach Jahren mit erheblichen Schwankungen stabiler zulegen. Die OPEC-Beschlüsse und Trumps angekündigte Renaissance fossiler Brennstoffe haben einen Aufschwung eingeläutet. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass nachhaltige Aufwärtstrends bei Rohstoffen bis zu fünf Jahre anhalten, wobei viele Werte ihre größten Sprünge in der ersten Halbzeit machen.

Ansonsten ist nicht von starken Trends auszugehen. Mit am kräftigsten dürfte das Wachstum in den USA anziehen, was etwa ETFs auf den S&P 500 oder den Nasdaq zugute kommt. Interessant sind jetzt auch ETFs auf Schwellenländer.

Nachdem die Kurse auf ein einladendes Niveau gefallen waren, zeichnet sich eine Erholungsphase ab. Gute Aussichten haben etwa IT-Unternehmen in den Emerging Markets, die ihre Kostenvorteile gegenüber den Industrieländern ausspielen.

Hinzu kommt: Die Internetnutzung nimmt zu und damit z. B. auch der Bereich E-Commerce. Mit gestiegenen Löhnen und höherer Konsumfreude wachsen die Märkte. So erwartet die Weltbank allein für Indien ein Wachstum von 7,8%. Schwellenländer bieten somit Potenzial in einem Umfeld, das von einer insgesamt nachlassenden globalen Dynamik geprägt ist.

Unwägbarkeiten kein Anlass zur Hektik

Zu den Bremsern gehören der neue Trend zu mehr Protektionismus sowie die Blockade notwendiger Reformen durch das Erstarken von Contra-Establishment und Anti-Globalisierungsströmungen. Mit einigen Ausnahmen ist somit davon auszugehen, dass der Zyklus niedrigen Wachstums anhält.

Auch muss man angesichts vielfältiger Unberechenbarkeiten, je nach Anlass, mit angst- bzw. spekulationsgetriebenen Schwankungen rechnen. Es wäre aber gewagt, sich allein deswegen auf Smart Beta ETFs zu verlegen, die auf Vola-Indizes setzen und mit der Volatilität zulegen. Zum einen sind die Produkte teuerer als reguläre ETFs. Zum anderen hat schon 2016 gezeigt, dass die Ausschläge nur kurzfristig waren.

ETFs als langfristiges Investment

ETF-Investments sind ohnehin längerfristig ausgelegt und stecken Höhen und Tiefen über die Zeit weg. Wer 2017 als Krisenjahr betrachtet, sollte nicht übersehen, dass sich die Indexfonds bisher gerade in Krisenzeiten besser geschlagen haben. Die meisten aber, die den Rufen der stets präsenten Warner gefolgt sind und von einem angeblich sicheren Risikomodell zum anderen umgeschichtet haben, konnten am Ende nur verlieren.

Gründe für negative Szenarien gibt es andauernd, genauso wie die Propheten, die den unabwendbaren Crash oder das Ende des Euro schon immer genau im Kalender haben. Die meisten Horrorszenarien sind ausgeblieben, auch wenn die Anlässe jedes Mal dringlicher erscheinen, weil sie in neuer Konstellation auftreten. Mit der beste Schutz sind eine breite Diversifikation und geringe Ausgaben. Mit diesen Merkmalen punkten ETFs auch in 2017.

1. Februar 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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