von Andreas Sommer

Warum Sie die Notenbank-Aktion als Warnung sehen sollten

DAX zum Jahreswechsel 2007/08: Die konzertierte Notenbank erwies sich als Rohrkrepierer

DAX zum Jahreswechsel 2007/08: Die konzertierte Notenbank erwies sich als Rohrkrepierer

In meinem Beitrag DAX im Niemandsland vom 1. Dezember 2011, also einen Tag nach der Ankündigung der konzertierten Notenbanken-Aktion, schrieb ich Ihnen:

„Wenn die großen Notenbanken dieser Welt eine derartige Gewalt-Aktion gemeinsam durchziehen, dann zeigt das nur, wie dramatisch die Lage der Banken und damit der Finanzmärkte bereits war bzw. ist!

Meiner Ansicht nach zeigt die gestrige Notenbanken-Aktion nur eines: Die Krise ist offensichtlich weit ernster, als wir es uns vorstellen mögen und man es uns weiszumachen versucht.“

Die Bestätigung meiner Einschätzung folgte am letzten Donnerstag (07.12.) laut dieser Meldung der Financial Times Deutschland:

„Das Misstrauen der Banken untereinander bleibt hoch: Beim ersten Dollar-Tender der EZB nach der konzertierten Notenbank-Aktion übersteigt die Nachfrage die Erwartungen ums Fünffache. ...

Das Volumen der Zuteilung lag mit mehr als 50 Mrd. Dollar um ein Vielfaches über der durchschnittlichen Prognose von 10 Mrd. Dollar.“

Außerdem stellte ich in dem oben genannten Beitrag folgende Frage in den Raum:

„Was sollte das unerträgliche „Gewäsch“ um immer neue Banken-Stresstests unter immer schwierigeren Bedingungen, mit dem man seit dem Frühjahr versucht, uns glauben zu machen, dass unsere Banken jede neue Finanzkrise locker überstehen?

Wenn es so wäre, warum müssen die Notenbanken jetzt zu Stützungsmaßnahmen greifen?“

Lesen Sie nun bitte, was die Financial Times Deutschland am vergangenen Mittwoch (08.12.) zu den Ergebnissen des neuesten Stresstests meldete:

„Sechs deutsche Banken rasseln durch Stresstest. Den europäischen Großbanken fehlen nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht EBA insgesamt 114,7 Milliarden Euro. Auf die deutschen Institute entfallen davon 13,1 Milliarden Euro.

Demnach hat die Deutsche Bank eine Kapitallücke von 3,2 Milliarden Euro, bei der Commerzbank fehlen 5,3 Milliarden Euro. ... Die größte Kapitallücke gibt es laut EBA in Spanien. Den Instituten dort fehlen 26,2 Milliarden Euro. Italienische Banken benötigen insgesamt 15,4 Milliarden Euro, französische Institute 7,3 Milliarden Euro.“

Mich wundert das Ergebnis ganz und gar nicht, wenn man sich, wie damals geschehen, mit den Banken für die Stresstests im Sommer schon im Vorfeld über die Bedingungen einigte, zu denen denn getestet werden sollte. 

Für alle, die sich in Sicherheit wiegen…

Falls Sie der Ansicht waren, dass mit der konzertierten Notenbanken-Aktion das schlimmste Chaos von den Banken und den Finanzmärkten abgewendet worden sei, dann muss ich Sie enttäuschen.

Ich habe am Wochenende recherchiert, wann es eine ähnliche konzertierte Aktion der großen Notenbanken gegeben hat. Dabei stieß ich auf folgende Meldung (Quelle: Welt Online):

„Die wichtigsten Notenbanken der Welt haben erneut einen Großeinsatz zur Rettung der Finanzmärkte gestartet.

Um kurz nach 15 Uhr kündigten Europäische Zentralbank (EZB) und die Geldhüter aus den USA, Kanada und der Schweiz an, in den kommenden Tagen und Wochen zweistellige Milliardensummen in den angespannten Geldmarkt zu pumpen.

Es ist die größte konzertierte Aktion unter Federführung der US-Notenbank seit den Terroranschlägen im September 2001. Indirekt räumen die Währungshüter damit auch ein, dass die im August begonnene Krise sich als hartnäckiger erweist als zunächst angenommen.

In den vergangenen vier Monaten haben die Notenbanken über 400 Mrd. Dollar in das Finanzsystem gepumpt.

Die Aktienbörsen feierten das neue Rettungsprogramm mit starken Kursgewinnen.“

Wohlgemerkt: Dies ist nicht etwa die Ankündigung der konzertierten Notenbanken-Aktion vom 30. November dieses Jahres. Wenngleich der Wortlaut in weiten Teilen ohne Änderung in die heutige Zeit passt.

Nein. Diese Notenbank-Aktion wurde am 12. Dezember 2007 eingeleitet!

Das geschah nach der Notenbank-Aktion 2007/08

Der grüne Balken dokumentiert den Handelsverlauf vom 12. Dezember 2007. Es war das vorletzte Mal, dass der DAX die Marke von 8.100 Punkten überwinden konnte. Am 2. Januar 2008 kletterte der DAX noch einmal auf ein Tageshoch von 8.100,64.

Und von diesem Tage an ging es im deutschen Leitindex zunehmend steiler bergab. Bis zum 23. Januar hatte der DAX, gemessen ab dem Zeitpunkt der konzertierten Notenbanken-Aktion, satte 1.733 Punkte eingebüßt.

Das entsprach einem Kursrutsch von -21,4%. 

Verstehen Sie die Notenbanken-Aktion vom 30. November daher besser nicht als Entwarnung, sondern eher als Warnsignal.

Sind Sie auch „versichert“?

Ich habe übrigens den Lesern meines Börsendienstes Momentum Trader (einen Link dazu finden Sie weiter unten) schon vor 1 Woche empfohlen, die Short-Positionen auf den DAX und die Euro-Banken als eine Art „Versicherung“ im Portfolio zu halten.
Warum Versicherung? Ganz einfach!

Im realen Leben schützen Sie sich selbst vor den finanziellen Auswirkungen eines Schadensfalles durch den Abschluss einer Versicherung. Dafür zahlen Sie eine Versicherungsprämie.

Wenn der Schadensfall dann eintritt, sind Sie finanziell abgesichert. Tritt er nicht ein, dann haben Sie maximal die Versicherungsprämie eingebüßt.

Eine Versicherung nutzt Ihnen aber eben auch nur dann etwas, wenn Sie VOR dem Eintritt des Schadensfalles versichert SIND.

Sind Sie beispielsweise aktuell in Aktien investiert und es käme zu einem erneuten Crash wie Anfang 2008 oder im August dieses Jahres, dann können Sie sich vor dem dadurch verursachten finanziellen Desaster nur schützen, wenn Sie schon vorab „versichert“ waren.

 
 

Autor:

Andreas Sommer

Seit November 2008 veröffentlicht Andreas Sommer seine Profi-Erfahrung in seinem täglichen kostenlosen Newsletter Chartanalyse-Trends.