Das Edelmetall Gold ist selbst vielen Investoren suspekt.
Es wirft keinen nachhaltigen Ertrag ab wie Land, Immobilien und Unternehmen. Es verzinst sich auch nicht wie ein Anleiheninvestment. Sollte es dann nicht wertlos sein? Dann müssten auch Bargeld oder Rohstoffe wertlos sein – sie werfen auch keinen Ertrag ab.
Wie jeder Preis bildet sich auch der Preis des Goldes durch Angebot und Nachfrage. Das Angebot kann man mit allem jemals geförderten Goldes definieren. Dieses wird auf 160.000 Tonnen geschätzt.
Die jährliche Wachstumsrate des Goldangebots hat ziemlich konstant über hundert Jahre hinweg bei 1,7 % gelegen. Die langfristige Nachfrage hängt von der Goldhaltung im Verhältnis zum Einkommen und Vermögen der Menschen ab.
Würde man alles jemals geförderte Gold seit der Antike auf alle 7 Milliarden Menschen verteilen, bekäme jeder 22,85 Gramm zum aktuellen Gegenwert von 900 Euro. Die Nachfrage nach Gold hängt deshalb erstens von der Kaufkraft der Erdenbürger ab und zweitens davon, welchen kleinen Bruchteil ihrer Ressourcen sie für das Edelmetall reservieren.
Da die Geldmengen der großen Währungen mit dem Vermögen der Volkswirtschaften wachsen, steigt der Goldpreis langfristig mit den Goldmengen. Ein wesentlicher Faktor für die Goldnachfrage erklärt sich durch den Goldanteil vom Vermögen, die Individuen haben.
Eine sehr bedeutende Rolle für die Neigung, Gold zu halten, bildet der reale Zinssatz, besser noch der risikolose Zinssatz im Vergleich zum Geldmengenwachstum. Wenn die Zinsen niedriger sind als das Geldmengenwachstum, ist es besser, Gold als Anleihen zu halten, und umgekehrt.
Auch systematische Risiken des Finanzsystems, die eine risikolose Anlage unmöglich erscheinen lassen, und das Vertrauen in die Stabilität des Kreditgeldsystems fördern die Quote, die Gold am Privatvermögen einnimmt.
Analog würde eine Politik der Notenbanken, einen bestimmten Anteil der globalen monetären Basis oder an den Devisenreserven in Gold zu halten, dazu führen, dass der Goldpreis proportional zu diesen Größen steigt. Das ist das Bild für die Goldpreisbildung.
Kurzfristig haben geldpolitische Motivationen einen erheblichen Einfluss auf die
Goldpreisbildung. Das Federal Reserve System der USA hat ein essenzielles Interesse daran, dass die Nachfrage nach Treasury Notes (dreimonatige Schatzwechsel des Finanzministeriums) hoch bleibt. Denn diese sind quasi das Papiergold, das mit dem Gold konkurriert.
Damit Gold nicht als risikolose Anlage und damit Konkurrenz zum Dollar taugt, muss es volatil und kurzfristig unberechenbar bleiben. Es gäbe keinen geldpolitischen Spielraum für Notenbanken mehr, wenn der Zinssatz auf Anleihen dem Geldmengenwachstum entsprechen müsste, weil der Markt es so fordert.
Damit Gold nicht risikolos ist, wurde es von Notenbanken periodisch an Investmentbanken verliehen, die es dann auf den Markt donnerten. Nachdem „Trendfolger“ und die zittrigen Hände ausgeschüttelt wurden, deckten die Investmentbanken ihre Leerverkäufe zu niedrigen Kursen wieder ein. Die Banken hatten ihren Profit und die Notenbanken einen Leasingzins.
Mit dem Reservestatus des US-Dollars wurde verhindert, dass Gold die beherrschende Rolle als ein Safe Haven einnimmt. Das heißt, in Krisenphasen, bei denen „Risikovermögen“ abgewertet wurde, musste der Dollar zu den anderen Währungen steigen und nicht das Gold.
Es gibt sehr signifikante statistische Nachweise für die Goldmanipulation, die auf der auffälligen Beobachtung basiert, dass die erste Vormittagsaktion in London einen meist höheren Preis erzielte (Nachfrage aus China und Indien).


