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Was das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht für Anleger bedeutet

Jede Volkswirtschaft braucht Geldanlagen und jeder Anleger stabile Rahmenbedingungen. Wenn in deutsche Unternehmen und Staatsanleihen investiert wird, so fördert das den Wohlstand.

Um als Investitionsstandort attraktiv zu bleiben, muss die Wirtschaft wachsen, die Arbeitslosenquote möglichst niedrig und die Inflation maßvoll sein. Zudem sollte nicht unverhältnismäßig viel Kapital ins Ausland abließen.

Die 4 Ziele des Stabilitätsgesetzes

Was auf Anhieb einleuchtend erscheint, sind zugleich die 4 Ziele des Stabilitätsgesetzes in Deutschland: stetes Wirtschaftswachstum, hoher Beschäftigungsstand, Preisniveaustabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht – und all das im Sinne eines „gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts“.

Das Gesetz erlaubt der Politik, notfalls gezielt in die konjunkturelle Entwicklung einzugreifen. Es ist bald 50 Jahre alt und längst von EU-Richtlinien und internationalen Verträgen überholt. In Erinnerung gerufen wird es meist, wenn die 5 Wirtschaftsweisen ihr Jahresgutachten zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung veröffentlichen.

Die 4 Ziele des Stabilitätsgesetzes haben keine klaren Zahlenvorgaben. Zum Abgleich interessant sind die traditionellen Zielwerte: Wachstum 3% bis 4%. Inflation höchstens 2%. Arbeitslosenquote 0,7% bis 3%.

Alte Ziele und neue Zahlen

Das Gesetz stammt von 1967, als die wirtschaftliche Blüte der Nachkriegszeit einen abrupten Abbruch erlebte. Plötzlich war staatliche Lenkung gefragt. Die Vorstellungen orientieren sich weitgehend am vorausgegangenen Wirtschaftswunder. Von daher nehmen sich die heutigen Zahlen, die unter anderen Rahmenbedingungen zustande kommen, eigentlich nicht besonders schlecht aus.

Das Wachstum beträgt 2,2%, die Arbeitslosenquote letztes Jahr 5%, und die Inflation liegt bei 0,3% bis 1%. Ob dies nun ein gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht darstellt, sei dahingestellt. Allein schon zwischen Wachstum und geringer Inflation besteht ein Zielkonflikt: Wenn die Unternehmen verdienen, steigen eben die Löhne und die Preise.

Abgesehen davon liegt seit längerer Zeit die Bedrohung eher in einer Deflation: wenn alles auf noch niedrigere Zinsen und Preise wartet, kommt der Konsum nicht in Schwung. Aber anders als damals sind die Zinsen heute nicht mehr Sache der Bundesbank, sondern der EZB.

Der Euroraum schafft mit seinen Vor- und Nachteilen ganz andere Bedingungen. Das Stichwort hierbei ist der Geldtransfer in die Peripherieländer oder Spannungen zwischen starken und schwachen Volkswirtschaften in einer Währungszone.

Warum außenpolitisches Gleichgewicht?

Und an diesem Punkt gerät das letzte der 4 Ziele des Stabilitätsgesetzes ins Visier: das außenwirtschaftliche Gleichgewicht. Es besteht nicht. Mit Ausnahme der Zeit nach der Wiedervereinigung verzeichnet Deutschland traditionell erhebliche Überschüsse. Gerne wird beklagt, dass der Erfolg des Exportweltmeisters zulasten der Importländer geht, die in der Eurozone auch noch mit deutschem Kapital subventioniert werden.

Das Problem: In einer Währungszone gibt es keine flexiblen Wechselkurse, die Unterschiede zwischen Im- und Exporten ausbügeln. Doch warum ist das außenwirtschaftliche Gleichgewicht eines der 4 Ziele der Stabilitätsgesetztes, wenn es bei seinem Inkrafttreten noch keine Gemeinschaftswährung gab?

Nun, auch damals waren die Wechselkurse im Bretton-Woods-System fest, und zwar weltweit. Als in der Krise das Gesetz geschrieben wurde, wollte man eine idealtypische Balance zwischen Im- und Exporten anstreben. Sie sollten sich die Waage halten, damit nicht allzu hohe Kapitalabflüsse die Binnennachfrage erdrücken.

Als 1973 die Wechselkurse freigegeben wurden, hatte sich das Thema weitgehend erledigt. Deutschland konnte von einem Exportrekord zum anderen eilen bis sich in den letzten Jahren wieder die Kritiker meldeten.

Harmonischer Außenhandel als Utopie

So verwies etwa letztes Jahr der Internationale Währungsfonds IWF auf „zu hohe Nettokapitalexporte“. Dies und der folglich schwache Binnenkonsum seien das Ergebnis geringer Investitionen aufgrund großer Unsicherheit seitens der Unternehmen. Doch wenn die auf politische Unwägbarkeiten, strangulierende Regulierungswut oder Krisen in der Währungsunion zurückgeht, handelt es sich nicht um ein Ungleichgewicht, sondern um rationale Vorsicht.

Abgesehen davon ist der deutsche Export kein staatlich gelenkter Merkantilismus. Wenn Kunden weltweit deutsche Produkte kaufen, so zeugt dies für deren Attraktivität im internationalen Wettbewerb. Und der geht immer mit Ungleichgewichten einher, die sich in größeren Zeitabständen global verschieben.

Insofern ist das Ziel eines außenwirtschaftlichen Gleichgewichts ein höchst theoretisches Konstrukt. Durchsetzbar wäre es nur mit gelenkter Planwirtschaft und allen negativen Folgen. Sollte etwa die Regierung fehlende Einnahmen durch mehr Staatsausgaben ausgleichen und die Schulden wieder in die Höhe treiben? Sollte sie den Menschen untersagen, Waren auf dem internationalen Markt zu verkaufen oder Geld im Ausland anzulegen?

Letztlich profitiert jeder Anleger von den heutigen Möglichkeiten, sein Geld dort anzulegen, wo es Rendite bringt. Und in einem diversifizierten Portfolio sind in der Regel ausländische sowie deutsche Papiere vertreten.

21. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.