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Was ist Deflation und wie kommt sie zustande?

Jeder hat schon einmal den Begriff Inflation gehört. Doch was ist eigentlich Deflation? Bei einer Deflation sinken Geld und Kreditmenge im Wirtschaftskreislauf, so dass Produkte wie Lebensmittel und Investitionsgüter wie Immobilien im weiteren Verlauf an Wert verlieren und die Preise sinken.

Ausgangspunkt der Deflation ist, dass die Nachfrage geringer als das Angebot ist. Sie ist meist die Folge eines ins Stottern geratenen Wirtschaftsmotors.

In einer Volkswirtschaft gibt es immer entweder eine leichte Deflation oder Inflation, was nicht unbedingt problematisch ist. Entscheidend ist jedoch das Maß, die Höhe der jeweiligen Rate.

Drei Gründe für Deflation

Es gibt verschiedene Gründe für eine Deflation. Meist ist nicht nur einer dieser alleinverantwortlich. Drei davon mischen jedoch oftmals mit. All diese Gründe haben zur Folge, dass weniger Geld im Umlauf ist.

1. Grund: Hoher Leitzins

Der Leitzins wird von der Europäischen Zentralbank festgelegt und bestimmt wie kostspielig es ist, Kredite aufzunehmen. Wurde er hochgesetzt, beispielsweise wegen einer vorangegangenen Inflation, so werden Kredite für Privatkunden und Unternehmen teurer.

Das hat zur Folge, dass weniger Kredite nachgefragt und vergeben werden.

2. Grund: Sparmaßnahmen

Wenn ein Staat Schulden abbauen will, beschließt dieser seine Ausgaben zu kürzen. Da seine Nachfrage daraufhin sinkt gibt dieser weniger Geld in Umlauf.

Auch die Konsumenten können zum Sparen neigen, etwa im Zuge einer Wirtschaftskrise. Die Menschen sind verunsichert, wodurch ihre Nachfrage für Waren, Dienstleistungen und Investitionsgüter abnimmt und die Preise ebenfalls sinken.

3. Grund: Währungsaufwertung

Wird der Wert einer Währung instabil, etwa durch eine Wirtschaftskrise, neigen Anleger dazu, ihr Geld in eine „sichere“ Währung zu investieren. Diese erfährt in der Folge eine Aufwertung, ihr Wert steigt also im Verhältnis zur instabilen Währung an.

Ist das betroffene Land nun abhängig von einem Wirtschaftsfaktor wie etwa Tourismus, kann das Land für Auswärtige zu teuer werden, da ihr Geld ja nicht ebenfalls an Wert gewonnen hat.

Die Nachfrage nach dem Tourismusangebot geht also zurück und somit auch hier wieder die Geldmenge im Wirtschaftskreislauf des Landes.

Ein Beispiel für diesen Fall ist die Schweiz: Im Zuge der Euro-Krise zog sie viele Anleger an, die in Schweizer Franken investierten.

Was ist so schlimm an einer Deflation?

All die genannten Gründe haben also gemeinsam: Die Geldmenge sinkt mit abnehmender Nachfrage durch Anleger, Konsumenten oder Staat und damit auch die Preise. Ich bekomme mehr für mein Geld, was ist also schlecht an Deflation?

Wie eingangs bereits erwähnt: eine geringe Deflation ist nicht verwerflich, gefährlich ist sie im Übermaß. Das ergibt nämlich einen Teufelskreis, den Ökonomen Deflationsspirale nennen.

Die Gefahr einer Deflationsspirale

Der Preisverfall durch sinkende Nachfrage hat für Produzenten zur Folge, dass ihre Produktionskosten die Einnahmen überragen, sie also Verluste machen.

Dadurch senken Unternehmen wiederum ihre Kosten und Löhne und oft werden im Zuge dessen Mitarbeiter entlassen – im schlimmsten Fall werden Firmen zahlungsunfähig und stell die Produktion ein.

Eine hohe Deflation bringt also häufig Insolvenzen mit sich. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit ist von Unternehmern auch nicht durch Kredite auszugleichen, da in Zeiten einer Deflation die Zinsen für Kredite sehr hoch sind.

Daher können oder wollen viele kein Geld leihen, was ein Zusammenspiel mehrerer Gründe unterstreicht – denn im Zuge einer Deflation wurde ja der Leitzins für diese durch die EZB erhöht.

Wenn viele Unternehmen Pleite gehen und Menschen somit ihre Jobs verlieren, kommt wiederum noch weniger Geld in den Wirtschaftskreislauf und immer mehr Sparmaßnahmen sind nötig um die Einbußen auszugleichen.

Verschärfend kommt hinzu, dass wohlhabende Konsumenten ihre Geldreserven zurückhalten, weil sie darauf spekulieren, dass die Preise weiter fallen.

Wieso diesen Monat ein Auto für 30.000 Euro kaufen, wenn es im nächsten vielleicht nur noch 26.000 Euro kostet? Dies ist der Teufelskreis einer Deflationsspirale, der oftmals durch die hohe Arbeitslosigkeit auch soziale Krisen mit sich bringt.

Wie lässt sich Deflation bekämpfen?

Eine Möglichkeit Deflation zu bekämpfen ist, dass die EZB den Leitzins nicht hoch, sondern runterschraubt. Kredite werden wieder günstiger. Auch eine Erhöhung der Ausgaben durch den Staat kann die Deflation senken. Der Staat tritt dann als Konsument auf und sorgt für eine verstärkte Nachfrage.

So wird gewährleistet, dass wieder mehr Geld in den Geldkreislauf gelangt und Deflation kann ausgeglichen werden.

Mehr zum Thema: Deflation oder Inflation: Was gefährlicher ist

12. Juni 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.