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Was ist die gefühlte Inflation und wie entsteht sie?

Nicht immer deckt sich die gemessene Inflationsrate mit dem individuellen Empfinden des Verbrauchers.

Dieses Phänomen wird gefühlte Inflation genannt und durch verschiedene Faktoren ausgelöst.

Das ist der Unterschied zwischen gemessener und gefühlter Inflation:

In Deutschland berechnet das Statistische Bundesamt jeden Monat die Inflationsrate auf der Basis eines sogenannten „repräsentativen Warenkorbes“.

Dieser Warenkorb beinhaltet eine Auswahl verschiedenster Güter und Dienstleistungen, vom Roggenbrot bis zum Pkw, von der Wohnungsmiete bis zum Arztbesuch.

Die Preisentwicklung des Warenkorbes ergibt die Inflationsrate.

Als gefühlte Inflation bezeichnet man hingegen die Teuerungsrate, die der einzelne Verbraucher subjektiv empfindet. Die gefühlte Inflation kann deutlich von der tatsächlich gemessenen Inflation abweichen.

Gründe für eine Abweichung von der gemessenen Inflation

Es gibt zwei wichtige Gründe für die Entstehung der gefühlten Inflation. Der erste Grund ist die persönliche Wahrnehmung.

Ein Konsument nimmt eine Verteuerung von Produkten des täglichen Bedarfs sehr deutlich wahr, da sie häufig gekauft werden. So fällt zum Beispiel eine Preissteigerung bei Lebensmitteln wie Brot oder Milch deutlich auf und ist dem Verbraucher oft präsent.

Im Gegensatz dazu steht die Preisentwicklung von langlebigen Konsumgütern. Ein Computer oder Fernseher wird selten gekauft und spielt deshalb in der Wahrnehmung des Verbrauchers eine kleinere Rolle.

Steigen die Lebensmittelpreise nun stärker als die Preise von langlebigen Produkten, nimmt der Verbraucher die Inflationsrate häufig als höher wahr, als sie tatsächlich ist.

Der zweite Grund für den Unterschied zwischen gefühlter und gemessener Inflation ist das individuelle Konsumverhalten.

Bei dem Warenkorb, mit dessen Hilfe die Inflation berechnet wird, werden die verschiedenen Güter unterschiedlich gewichtet. Die Gewichtung soll das Konsumverhalten eines bundesdeutschen Durchschnittshaushaltes widerspiegeln.

Im Jahr 2012 werden beispielsweise die Ausgaben für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke mit rund 10,4% eines Haushaltsbudgets veranschlagt. Gibt nun aber ein Haushalt 15% des Budgets für Nahrungsmittel aus, stellt dies eine Abweichung des Durchschnitts dar.

Da dieser Haushalt überdurchschnittlich viel Geld für Lebensmittel ausgibt, wäre er von stark steigenden Lebensmittelpreisen überdurchschnittlich stark betroffen. Dies führt dann zu einer höher gefühlten Inflation.

Die gefühlte Inflation bei der Einführung des Euro

Ein Beispiel für eine hohe gefühlte Inflation ist die Einführung des Euro als Zahlungsmittel im Jahr 2002. Tatsächlich war die Inflation in den Jahren 2002 und 2003 zwar niedriger als in den zwei Jahren zuvor, viele Verbraucher empfanden jedoch einen ungewöhnlich großen Preisanstieg.

Als möglicher Grund gilt zum einen, dass es bei Lebensmitteln tatsächlich einen außergewöhnlich hohen Preisanstieg gab. Dieser Preisanstieg wurde bei der Inflationsberechnung jedoch von anderen Produkten relativiert, bei denen ein schwächerer oder gar kein Preisanstieg festzustellen war.

Zum anderen wurde von vielen Medien bereits im Vorfeld der Euro-Einführung die Befürchtung geäußert, dass die Währungsumstellung zur Preiserhöhung ausgenutzt werden könnte. So waren die Verbraucher besonders aufmerksam und registrierten steigende Preise sehr deutlich.

Als Verbraucher kann man also bei einer hohen gefühlten Inflation nicht automatisch von einer hohen tatsächlichen Inflation ausgehen.

1. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.