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Was Sie über Express-Anleihen und ähnliche Zertifikate wissen müssen

Was verbirgt sich hinter Express-Anleihen? Die LBBW (Landesbank Baden-Württemberg) bietet beispielsweise eine Daimler-Express-Anleihe mit 4% an. Was sind die Vorteile dieser Anlage und was die Nachteile? Ist dies eine ratsame Geldanlage?

Express-Anleihen sind keine echten Anleihen. Stattdessen handelt es sich bei Express-Anleihen um Zertifikate und somit um Derivate. Wenn das jetzt für Sie etwas kompliziert und verwirrend klingen mag, kann ich Sie direkt beruhigen:

Erstens ist es nicht so kompliziert wie es klingt und zweitens werde ich Ihnen alles Wissenswerte zu diesem Thema in gewohnter Verständlichkeit und Ausführlichkeit erläutern. Da es sich bei Express-Anleihen um Zertifikate handelt, möchte ich Ihnen zunächst kurz erklären, was Zertifikate sind.

Was Zertifikate sind und wie sie funktionieren

Zertifikate sind zunächst einmal nichts anderes als Schuldverschreibungen, die über sogenannte derivative Komponenten verfügen. Das bedeutet, dass ihre Wertentwicklung von der Wertentwicklung anderer Finanzprodukte abhängt. Zertifikate werden in der Regel von Banken emittiert (auf den Markt gebracht) und an Privatkunden verkauft.

Wegen des rechtlichen Status von von Zertifikaten – sie sind rechtlich gesehen Schuldverschreibungen – besteht das Risiko, dass bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten (der Bank) ein Totalverlust des investierten Kapitals eintritt. Dieses Risiko wird als Emittentenrisiko bezeichnet.

Schmerzlich erfahren, was das Emittentenrisiko ist, haben beispielsweise diejenigen Anleger, die vor der Finanzkrise Zertifikate der amerikanischen Investmentbank Lehman-Brothers erworben haben, die nach der Lehman-Pleite quasi wertlos waren.

So funktionieren Express-Anleihen

Wie Sie gerade schon erfahren haben, handelt es sich bei Express-Anleihen um Zertifikate und nicht um „echte“ Anleihen. Daher ist der Begriff Express-Anleihen etwas verwirrend und führt dazu, dass Laien zumeist eine falsche Vorstellung davon haben, was Express-Anleihen sind.


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Bei einer Express-Anleihe erhalten Sie einen festen jährlichen Zinssatz unabhängig von der Wertentwicklung der entsprechenden Aktie. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit einer vorzeitigen Auszahlung des angelegten Betrages. Diese Möglichkeit ist jedoch abhängig vom Schlusskurs der Aktie am jeweiligen Bewertungstag.

Schließt die Aktie an dem Bewertungstag auf oder über dem vorzeitigen Auszahlungslevel, wird am entsprechenden vorzeitigen Auszahlungstag der Nennbetrag ausgezahlt. Das heißt: Wenn der Aktienkurs an dem Tag über oder auf dem Niveau des Auszahlungslevels liegt, haben Sie die Möglichkeit, Ihr investiertes Geld 1:1 zurückzubekommen.

Auszahlung am Laufzeitende

Wenn die Express-Anleihe nicht vorzeitig ausgezahlt wird, hängt die Auszahlung bei Fälligkeit der Anleihe vom sogenannten Referenzpreis ab. Liegt der Referenzpreis auf oder über der Barriere, wird ebenfalls der Nennbetrag zurückgezahlt. Das bedeutet, dass Sie in dem Fall ebenfalls die investierte Summe 1:1 zurückerhalten. Ihr Gewinn besteht dann aus den Zins-Zahlungen.

Liegt der Aktienkurs bei Fälligkeit unterhalb der Barriere, erhalten Sie entsprechend Aktien anstelle des Nennbetrags. Dann haben die Zertifikate-Besitzer unter Umständen ein Verlustgeschäft gemacht, wenn die Zinserträge, die während der Laufzeit gezahlt wurden, nicht ausreichen, um den Verlust auszugleichen.

Zur Erinnerung: Ein Verlust wäre in dem Szenario dadurch entstanden, dass die Aktie, auf die sich die Express-Anleihe bezieht, kursmäßig unterhalb der Barriere notiert und daher Aktien anstelle des Nennbetrags ausgezahlt würden. Express-Anleihen richten sich daher an Anleger, die davon ausgehen, dass der Kurs der Aktie, auf die sich die Express-Anleihe bezieht, bis zum Laufzeitende der Anleihe maximal leicht fällt, seitwärts läuft oder steigt.

Durch die von der Entwicklung des entsprechenden Aktienkurses unabhängige Verzinsung kann ein Renditevorteil gegenüber einer direkten Aktienanlage erzielt werden. Express-Anleihen bieten zudem einen Sicherheitspuffer gegen Kursverluste der Aktie bis zur Barriere.

Im Gegenzug nehmen Sie als Anleger, wenn Sie auf Express-Anleihen setzen, jedoch nach oben eine Begrenzung der Rendite sowie einen Verzicht auf mögliche Dividenden in Kauf. Zudem besteht im Gegensatz zu „herkömmlichen“ Anleihen das bereits angesprochene Emittentenrisiko.

So funktionieren Aktienanleihen

Der Name Aktienanleihe suggeriert, dass Sie als Anleger am Laufzeitende – wie bei herkömmlichen Unternehmensanleihen – den Nominalwert vollständig zurückerhalten. Allerdings sind Aktienanleihen – wie auch Express-Anleihen – nichts anderes als Zertifikate, deren Börsenpreis von der Wertentwicklung von der zugrunde liegenden Aktie abhängt.

Bei der Emission einer Aktienanleihe wird ein Basispreis festgelegt, der zumeist ein wenig unter dem aktuellen Kurs der Aktie liegt. Liegt der Kurs der Aktie zum Laufzeitende der Anleihe in Höhe des Basispreises oder darüber, erhalten Sie als Anleger neben der Kuponzahlung (fester Zins) den Nominalwert der Anleihe zurück.

Wenn der Kurs der Aktie zum Laufzeitende jedoch unterhalb des Basispreises liegt, erhalten Sie nicht den Nominalwert der Anleihe als Rückzahlung, sondern die im Kurs gesunkene Aktie. Das bedeutet, dass Sie in letztgenanntem Fall – sofern der Aktienverlust nicht durch den ausgezahlten Zinskupon ausgeglichen werden kann – auch unter dem Strich einen Verlust erzielen.

Aufmerksame Leser müssten jetzt zu dem Schluss kommen, dass Aktienanleihen und Express-Anleihen fast identisch sind. Und tatsächlich: Bis hierhin müsste ich Ihnen hinsichtlich dieser Feststellung recht geben. Doch es gibt auch einen kleinen, aber feinen Unterschied, den ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten will:

Der Unterschied besteht darin, dass bei einer Express-Anleihe eine vorzeitige Rückzahlung zum Nennbertag möglich ist (diesen Vorgang habe ich bereits beschrieben). Bei einer Aktienanleihe ist dies nicht möglich.

Fazit: Wandelanleihen besser als Express-Anleihen und Aktienanleihen

Ich möchte an dieser Stelle weder Aktienanleihen noch Express-Anleihen schlecht machen. Ich möchte Sie nur wissen lassen, dass aus meiner Sicht Wandelanleihen die bessere Alternative sind. Der Grund dafür ist ganz einfach und schnell erklärt:

Bei einer Wandelanleihe haben Sie (!) als Anleger die Wahl, ob Sie lieber Aktien oder den Nominalbetrag ausgezahlt haben möchten. Bei Express- und Aktienanleihen hingegen liegt dieses Wahlrecht beim Emittenten. Und dieses Wahlrecht kann in der Praxis über Gewinn oder Verlust entscheiden.

28. August 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.