Die Europäische Zentralbank (EZB) befasst sich in ihrem jüngsten Monatsbericht mit dem Einbruch des Welthandels während der Finanz- und Wirtschaftskrise.
Bei der Europäischen Zentralbank handelt es sich um eine Zentralbank für die gemeinsame europäische Währung, den Euro. Sie hat dafür zu sorgen, dass die Kaufkraft des Euro stabil bleibt.
Die Notenbank betont, dass der globale Handel während der turbulenten Monate ab Ende 2008 wesentlich stärker einbrach als die weltweite Wirtschaftsleistung. Eine Unterscheidung, die sich nicht sofort erschließt, die uns aber einiges über veränderte Strukturen im Welthandel sagt.
Weltwirtschaftskrise: Welthandel ging um ganze 15% zurück
Laut der Europäische Zentralbank ging vom 3. Quartal 2008 bis zum 2. Quartal 2009 das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2% zurück, während die Warenströme rund um den Globus um satte 15% einbrachen.
Die EZB liefert als Erklärung für diese Diskrepanz den Umstand, dass der Handel zyklischer reagiert als das gesamte BIP.
Welthandel und BIP: Die Begründung für den Rückgang
Begründung: Die handelsintensiven Komponenten des BIP - wie der Konsum langlebiger Güter und private Investitionen - erleben größere Ausschläge als die nicht über Grenzen hinweg gehandelten Güter und Dienstleistungen.
Dieser Effekt, so die EZB, könne durch die Internationalisierung der Lieferketten verstärkt worden sein. Doch Details zu diesem interessanten Zusatz liefert die EZB nicht mit.
Weltwirtschaftskrise: Der „Europäische Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit 2010“
Dafür muss man einen Blick in den jüngsten "Europäischen Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit 2010" der EU-Kommission werfen.
In dem Papier, das die Auswirkungen der Rezession auf die Wettbewerbsposition der EU untersucht, wird ausgeführt, dass der globale Handel mit Komponenten und Bauteilen in der Krise um satte 38% zurückging.
Im Außenhandel der EU 27 nahm die Bedeutung von Bauteilen und Komponenten sogar relativ ab.
Doch jetzt kommt ein wichtiger Hinweis: Die eigentliche Wertschöpfung - die in FuE, Marketing, Vertrieb und Markenbildung erzielt wird - findet bei den international ausgerichteten Firmen noch überwiegend zuhause statt und wurde vom Einbruch des Handels daher nicht in Mitleidenschaft gezogen.


