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Werbungskosten von der Steuer abziehen: Keine Chance bei „Mafia“-Rechnungen

Der Sachverhalt: Ein Unternehmer war als Hallenvermieter tätig und wollte in einer seiner Hallen im Jahr 2000 die Fenster austauschen lassen. Er schaltete daraufhin eine Anzeige, auf die sich eine GmbH meldete, die erst im November 1999 gegründet worden war. Neben einer Gewerbeanmeldung und einem Auszug aus dem Handelsregister konnte der Auftragnehmer auch eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts vorlegen. Ein schriftlicher Werkvertrag wurde nicht abgeschlossen.

Zahlung per Verrechnungsschecks

Die Rechnungen, die ihm von der GmbH vorgelegt wurden, bezahlte der Unternehmer mit Verrechnungsschecks. Der Auftragnehmer quittierte den Erhalt dieser Verrechnungsscheck mit einer unleserlichen Unterschrift. Bei seiner Steuererklärung erlebte der Unternehmer dann ein böses Erwachen, als er die Ausgaben in Höhe von 80.000 D-Mark steuerlich geltend machen wollte: Das Finanzamt zeigte ihm die kalte Schulter. Nicht die GmbH war die Empfängerin der gezahlten Summe, sondern deren Hintermänner:

Im verhandelten Fall war die GmbH nicht selbst für die Bauleistungen verantwortlich, sondern lediglich als sogenannte Servicegesellschaft aktiv geworden. In dieser Funktion hatte sie lediglich Rechnungen für den eigentlichen Bauunternehmer ausgestellt.

Empfänger muss benannt werden, um Werbungskosten steuerlich geltend zu machen

Vor Gericht wurden die Hintermänner als „Strohmann-GmbH“ bezeichnet, „die von einer kriminellen Vereinigung vorwiegend italienischer Staatsbürger beherrscht wurde“. Welche kriminelle Vereinigung mit dieser euphemistischen Umschreibung gemeint ist, lässt sich unschwer erkennen. Damit jedoch die angefallenen Kosten als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden können, müsste der Unternehmer wie gesetzlich festgelegt die wahren Empfänger benennen können – wozu er aber natürlich nicht in der Lage war.

Mehrere Verdachtsmomente waren vorhanden

GeVestor.de meint: Das Benennungsverlagen des Finanzamts ist zwar insbesondere dann unzumutbar, wenn der Kläger selbst zum Opfer einer Täuschung geworden ist, die für ihn nicht durchschaubar ist. Doch in dem vorliegenden Fall lagen mehrere konkrete Verdachtsmomente vor:

  • Die GmbH war erst kurz zuvor gegründet worden und dem Auftraggeber bis dato unbekannt.
  • Trotz des relativ hohen Auftragsvolumens von 80.000 D-Mark vergab der Unternehmer den Vertrag, ohne dass ein Werkvertrag schriftlich fixiert und von beiden Vertragsparteien unterzeichnet wurde.
  • Anstatt die Zahlungen per Banküberweisung zu zahlen, willigte der Auftraggeber in die Zahlung per Verrechnungsscheck ein. Dass der Empfänger dieser Verrechnungsscheck aufgrund der unleserlichen Angaben nicht namentlich identifizierbar war, hätte dem Auftraggeber dabei auffallen müssen.

Das Finanzgericht Düsseldorf wies außerdem darauf hin, dass bei Bauaufträgen strenge Maßstäbe angelegt werden müssten: So sei dieser Sektor nicht nur anfällig für Schwarzarbeit, sondern auch allgemein dafür bekannt.

Im vorliegenden Fall wurde zwar sogar eine Unbedenklichkeitsbescheinigung einer Behörde vorgelegt, doch aufgrund des sonstigen Verhaltens der beauftragten GmbH hätte der Auftraggeber weitere Erkundigungen einholen müssen.

1. Februar 2010

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Tino Hahn
Von: Tino Hahn.