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Wertpapiere – von der Markteinführung zum Handel

Wertpapiere wie Aktien oder Anleihen werden bekanntlich auf den Finanzmärkten gehandelt. In dem Zusammenhang spielt die Börse ebenso eine Rolle wie der außerbörsliche Handel am OTC-Markt. Hinzu kommt die generelle Unterscheidung zwischen Primärmarkt und Sekundärmarkt. Doch was ist was?

Primärmarkt und Sekundärmarkt: 2 Welten

Die Frage drängt sich auch für Nichtanleger auf. Hatte doch unlängst der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden, dass Anleihekäufe durch die EZB am Sekundärmarkt zur Stützung notleidender Euro-Staaten keine verbotene Staatsfinanzierung sind.

Zunächst: Der Sekundärmarkt ist nicht etwa mit dem außerbörslichen Markt zu verwechseln. Er umfasst diesen genauso wie den Handel an der Börse. Auf dem Sekundärmarkt werden Wertpapiere frei gehandelt, nachdem sie auf dem Primärmarkt ausgegeben wurden. Anleger bzw. Investoren haben mit dem Primärmarkt nichts zu tun.

Primärmarkt: Werkstube für Wertpapiere

Auf dem Primärmarkt findet die Ausgabe, die Emission, von Aktien oder Anleihen statt, mit denen sich Unternehmen oder Staaten finanzieren. Werden Aktien von einem Unternehmen erstmals ausgegeben, so handelt es sich um einen IPO (Initial Public Offering).

Investmentbanken kaufen die Wertpapiere, wobei mit der Nachfrage die Menge der Papiere festlegt wird. Diese Banken werden als Konsortialbanken bezeichnet. Sie sorgen dann für die Handelbarkeit der Wertpapiere, damit sie von Anlegern gezeichnet werden können – und zwar auf dem Sekundärmarkt.

Sekundärmarkt: Handel mit Angebot und Nachfrage

Sobald also die Markteinführung abgeschlossen ist, spielen sich auf dem Sekundärmarkt der eigentliche Handel und damit die Preisanpassung ab. Die Kurse werden von den Erstbesitzern, den Banken gestellt.

Sie legen als sogenannte Market Maker die Brief- und Geldkurse fest, zu denen man als Anleger die Papiere kaufen bzw. verkaufen kann. Die Differenz ist die Handelsspanne, der Spread, an dem die Anbieter verdienen. Je höher der Kauf- über dem Verkaufskurs liegt, desto teurer ist das Papier. Das wiederum hängt von dessen Liquidität ab. Je leichter es gehandelt werden kann, desto günstiger.

Anders als Aktien werden Anleihen auf dem Sekundärmarkt vorwiegend außerbörslich gehandelt. Der Grund liegt in der komplexen Preisgestaltung wegen der zahlreichen Arten von Anleihen mit den verschiedensten Spielvarianten zwischen Laufzeit, Zins und Bonität. Durch die einzelnen Variablen ändern sich die Kurse fortlaufend, was eine Auflistung sämtlicher aktueller Preise an der Börse schwierig macht.

Primärmarkt für die Zentralbank Tabu

Nach alledem wird auch der Streit um die rechtliche Zulässigkeit eines Anleihekaufprogramms durch die EZB verständlich. Die Kurse und Preise werden durch das Kaufverhalten der Investoren auf dem Sekundärmarkt bestimmt. Würde nun die Zentralbank Staatsanleihen auf dem Primärmarkt kaufen, so käme sie diesem Prozess zuvor, was eine monetäre Staatsfinanzierung darstellen würde. Sie würde dem Staat die Anleihen direkt abkaufen, was aber laut den EU-Verträgen verboten ist.

Umstritten war, ob auch der mittelbare Kauf am Sekundärmarkt zulässig ist. Konkret ging es um den Anleihekauf, bekannt als OMT (Outright Monetary Transactions), den die EZB 2012 als Notfallprogramm für notleidende Euro-Staaten beschlossen hatte.

Ziel eines Staatsanleihekaufs durch die EZB ist es, die Zinsen dieser Papiere zu drücken. Doch das hat Rückwirkung auf den Primärmarkt: Niedrigere Zinsen am Sekundärmarkt ermöglichen es einem Staat, mit Neuemissionen am Primärmarkt eine ebenfalls niedrigere Verzinsung zu bieten.

Vorgaben durch den Europäischen Gerichtshof

Eine entsprechende Klage wurde vom Bundesverfassungsgericht zur Entscheidung dem EuGH vorgelegt. Der wiederum entschied im Juni, dass der Kauf auf dem Sekundärmarkt zulässig ist, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden.

Dazu gehört, dass die EZB Anleihen nur dann kauft, wenn sich am Sekundärmarkt bereits ein Marktpreis gebildet hat. Dabei wird eine Mindestfrist eingehalten. Außerdem werden Entscheidungen über Ankäufe und deren Umfang nicht vorab angekündigt, um Zinsspekulationen zu verhindern.

Urteil verkennt Realitäten

Das EuGH-Urteil wird seitdem vielfach kritisiert, weil es ökonomische Wirkungsmechanismen außer Acht lässt. So stellt sich die Frage, was eine Wartefrist zwischen der Emission am Primärmarkt und dem Kauf am Sekundärmarkt bewirken kann.

Wenn der Erstkäufer weiß, dass er die Anleihen an die Zentralbank weiterreichen kann, wird schon dadurch die Preisbildung verzerrt. Kauft die EZB massenhaft Anleihen, so trocknet dies den Markt aus und nimmt Anlegern die Chance auf faire Konditionen.

22. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.