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Wertpapierleihe: Leihgeschäfte mit Aktien zum gegenseitigen Nutzen

Bei einer Wertpapierleihe stellt ein Marktteilnehmer seine Aktien einem Entleiher für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung.

Als Ersatz für seinen temporären Verzicht auf sein Eigentum erhält der Verleiher eine Gebühr.

Wer ist daran interessiert seine Aktien zu verleihen?

Wertpapierhändler, Banken, Fonds und Großaktionäre verfügen über signifikante Aktienpakte, die sie zum Teil über einen langen Zeitraum halten. Anders als Spekulanten ändern langfristige Investoren auch nicht täglich ihre Positionen.

Dieser Anlagehorizont ermöglicht es ihnen, ihr Eigentum an bestimmten Aktien für einen im Vorhinein festgelegten Zeitraum abzugeben.

Die dadurch generierten Einnahmen aus den Leihgebühren werden entweder an die Investoren ausgeschüttet oder genutzt, um die Depotgebühren zu senken.

Wer ist daran interessiert sich Aktien zu leihen?

Interesse an einer Wertpapierleihe haben vor allem Marktakteure, in den meisten Fällen Verwalter von Hedgefonds, die Leerverkäufe als Investmentstrategie verfolgen.

Wenn zum Beispiel ein Fondsverwalter glaubt, dass eine bestimmte Aktie in naher Zukunft an Wert verlieren wird, dann leiht er sich diese aus. Wenn ihm dann also die betreffende Aktie ausgeliehen worden ist, verkauft er sie sofort. Diesen Vorgang nennt man Leerverkauf.

Wenn die Spekulation aufgeht, kauft der Fondsverwalter die gleiche Aktie ein paar Monate später deutlich günstiger zurück. Er verfügt dann wieder über die gleiche Anzahl von Aktien wie zur Beginn des Leihgeschäftes und kann seine Schuld durch die Rückgabe der Position begleichen.

Als Profit realisiert er dabei die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs abzüglich der Leihgebühr.


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Natürlich nur, wenn seine Vorahnung richtig war und die Aktie gefallen ist, sonst macht er Verluste, da er die Aktie teurer zurückkaufen muss als er sie verkauft hat.

Marktteilnehmer nutzen Leihgeschäfte auch, um vertraglichen Verpflichtungen kurzfristig nachkommen zu können. Diese Verpflichtungen bestehen darin, eine bestimme Aktie zu einem fixen Termin zu liefern.

Wenn sich der Ankauf schwierig gestaltet, kann ein Leihgeschäft den Engpass überbrücken.

Aktien-Leigeschäfte können auch als Refinanzierungsinstrument genutzt werden. Die ausgeliehenen Aktien können beispielsweise sofort verkauft werden. In diesem Fall erhält der Verkäufer durch den Erlös direkte Liquidität.

Sind Leihgeschäfte für die Vertragsparteien riskant?

Es kommt auf die Art und die Abwicklung des Leihgeschäftes an. Unbesicherte Leihgeschäfte beinhalten für den Verleiher ein Gegenparteienrisiko. Wenn der Entleiher Insolvenz anmelden muss, verliert der Verleiher einen Großteil seines Aktienpaketes, da dieses in die Insolvenzmasse mit aufgenommen wird.

In den meisten Fällen sind Wertpapierleihen allerdings besichert. So muss der Entleiher dem Verleiher andere Aktien, Anleihen oder Bargeld als Sicherheiten hinterlegen bevor er Zugriff auf die ausgeliehenen Aktien erhält.

Wenn der Entleiher zahlungsunfähig wird und seine ausgeliehenen Aktien nicht mehr zurückgeben kann, darf der Verleiher als Kompensation die Sicherheiten behalten. Das Verlustrisiko wird so drastisch gesenkt.

Eine andere Möglichkeit das Ausfallrisiko zu minimieren ist eine Rückkaufvereinbarung (engl. Repo-Agreement). Bei der Abwicklung einer Rückkaufvereinbarung stellt der Verleiher seine Aktien zur Verfügung und erhält dafür den Kaufpreis der Aktien.

Gleichzeitig wird festgelegt zu welchem Preis er in der Zukunft seine Aktien zurückkaufen wird. Durch die „Zug-um-Zug“-Abwicklung und den Verkaufserlös entfällt für den Verleiher das Gegenparteienrisiko.

Welche Rolle spielen Banken bei Wertpapierleihen?

Banken treten häufig als Vermittler zwischen Verleihern und Entleihern auf. Sie leihen sich die Aktien aus und verleihen sie dann weiter. Der Verleiher weiß so nicht, an wen er seine Aktien eigentlich verleiht. Der Prozess ist daher anonym.

Der Entleiher weiß auch nicht, wer ihm die Aktien überlassen hat, da er sie direkt von der Bank erhält. Die Bank garantiert die reibungslose Abwicklung des Prozesses und springt im Notfall für eine der Vertragsparteien ein.

Es gibt daher sowohl für den Verleiher als auch den Entleiher kein Gegenparteienrisiko.

Banken können allerdings auch selber Vertragspartei in einem Leihgeschäft sein. In diesem Fall handeln sie die Konditionen des Leihgeschäftes selber aus und werden selbstständig auf dem Markt aktiv, um eine passende Gegenpartei zu finden.

Was passiert mit Dividenden, die während der Leihperiode ausgezahlt werden?

Der Verleiher hat Anspruch auf die Dividende, selbst wenn er zum Zeitpunkt der Dividendenzahlung seine Aktie verliehen hat. Der Entleiher ist daher verpflichtet, die Dividende an den Verleiher abzuführen.

Um in der Realität Komplikationen zu vermeiden, achten Marktteilnehmer in der Regel darauf, dass sie die ausgeliehenen Aktien vor Zahlung der Dividende an den Verleiher zurückgeben.

Mehr zum Thema: Wann ist man berechtigt eine Dividende zu erhalten?

Wertpapierleihe als Steuersparmodell für Dividendenzahlungen

Anders sieht das Verfahren bei Steuersparmodellen von Banken aus. Viele Banken ermöglichen es wohlhabenden Investoren ihre Aktien explizit für den Zeitraum der Dividendenzahlung auf die Bank zu übertragen.

Die Bank transferiert die Aktien dann in Steuerparadiese, wo die Dividenden mit einem sehr viel geringeren Steuersatz besteuert werden. Der Investor senkt so seine Steuerlast und die Bank erhält eine dem zusätzlich generierten Ertrag entsprechende Gebühr.

Wertpapierleihe als Allzweckwaffe

Die Beschäftigung mit dem Thema „Wertpapierleihe“ hat gezeigt, dass dieses Instrument für die Markteilnehmer vielfältige Möglichkeiten bietet, ihre Aktien gewinnbringend einzusetzen.

Aufgrund des gesteigerten Sicherheitsbedürfnisses der Marktakteure werden das Volumen und die Bedeutung besicherter Wertpapierleihen für den Kapitalmarkt hoch bleiben.

26. Juni 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ludwig Buhmann
Von: Ludwig Buhmann. Über den Autor

Ludwig Buhmann analysiert für die GeVestor-Leser politische Entwicklungen rund um den Globus.