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Wertpapierverkauf: Abgeltungssteuer zu Unrecht einbehalten – was tun?

Aufgeregt rief mich zu Wochenbeginn eine Leserin an. Sie habe gerade ein Discount-Zertifikat verkauft, gab Sie an – ein für sich noch unproblematischer Vorgang, aber:

Der Fall: Zieht die Bank widerrechtlich Abgeltungssteuern ein?

Seit Februar 2007 sei es im Depot und hätte ihr während der Haltedauer eigentlich rund 25% Gewinn bescheren sollen. Statt des Kurswertes von 5.020 € habe sie aber nur 4.734 € bekommen – also 286 € weniger.

Ob denn die Banken nicht von allein auf die Idee kämen, Wertpapiere, deren Kauf schon länger zurückliege, von der Abgeltungssteuer zu verschonen? Ich konnte sie beruhigen: In den meisten Fällen handeln die Banken korrekt und der volle Kurswert wird gutgeschrieben.

Abgeltungssteuer: Beachten Sie die angegebenen Fristen

Zum Hintergrund: Abgeltungssteuer auf Kursgewinne fällt nur bei Wertpapieren an, die Sie nach dem 31. Dezember 2008 gekauft haben. Was vorher in Ihrem Depot lag, dürfen Sie trotz Gewinnen steuerfrei verkaufen. Bei Zertifikaten ist der Stichtag früher, nämlich am 14. März 2008. Nur Zertifikate, die Sie bis zu diesem Tag gekauft haben, können Sie später steuerfrei verkaufen.

Denn an diesem Tag wurden die Pläne der Regierung zur Einführung einer Abgeltungssteuer bekannt und die Banken begannen, die wildesten Steuervermeidungs-Zertifikate zu konstruieren. Bei Wertpapieren, die vor diesen Stichtagen in Ihrem Depot lagen, sind die Kursgewinne nach wie vor steuerfrei. Die Banken halten daher den Kaufzeitpunkt fest, um gegebenenfalls auf den Abzug der Abgeltungssteuer zu verzichten.

Automatismus: Die Abgeltungssteuer wird von Bank abgezogen

Wer allerdings eine Verkaufsorder aufgibt, wird nicht selten eine Überraschung erleben: Zunächst wird nämlich der Abgeltungssteuerbetrag automatisch vom Verkaufserlös des Wertpapiers abgezogen.

Das geschieht, damit die Bank bei einer eventuellen Abgeltungssteuerpflicht den Steuerbetrag auf jeden Fall fürs Finanzamt parat hat. Sie reserviert ihn sozusagen vorsorglich für den Fiskus.

Abgeltungssteuer: Prüfen Sie genau welcher Fall vorliegt

Erst danach prüft sie, ob wirklich eine Abgeltungssteuerpflicht besteht. Falls ja, wird der Betrag einbehalten und an den Fiskus abgeführt.

Falls aber, wie im oben geschilderten Fall, keine Abgeltungssteuer anfällt, wird auch der ursprünglich reservierte Betrag auf dem Verrechnungskonto des Kontoinhabers gutgeschrieben.

Status „Preconfirmed“ zu Status „Confirmed“: Warten lohnt sich

Mein Tipp: Warten Sie ab, bis die Order vom Status „Preconfirmed“ zum Status „Confirmed“ gewechselt hat. Erst dann finden Sie in Ihrem Orderbuch die korrekten Daten zur Ausführung des Wertpapierverkaufs. Ein fehlerhafter Steuerabzug wird sich darin in aller Regel nicht mehr finden.

Nur, falls dies doch der Fall sein sollte, müssen Sie Kontakt zu Ihrem Broker aufnehmen und den Fehler berichtigen lassen. Die Abgeltungssteuer und viele andere Steuerarten sind für viele Bürger ausgesprochen ärgerlich.

5. Mai 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".