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Wichtige Steuertipps: So vermeiden Sie die Aktien-Doppelbesteuerung

In der heutigen Ausgabe erhalten Sie Tipps zur Vermeidung der Doppelbesteuerung von Dividenden ausländischer Aktien und bei ausländischen Fonds. Gleichzeitig möchte ich an dieser Stelle noch einmal um Verständnis dafür bitten, dass ich aus rechtlichen Gründen keine individuellen Steuertipps geben darf und daher in schwierigen Fällen den Gang zu einem Steuerberater oder zum Finanzamt (für Sie kostenlos!) empfehle.

Schritt 1: So vermeiden Sie die Doppelbesteuerung bei Auslandsfonds

Ausländische Investmentfonds können Sie übrigens leicht an der ISIN, also der internationalen Wertpapierkennnummer, erkennen. Beginnt die ISIN mit DE, dann handelt es sich um einen deutschen Fonds. Beginnt die ISIN dagegen z. B. mit LU, dann ist dieser Fonds in Luxemburg aufgelegt worden.

Rund zwei Drittel der Auslandsfonds thesaurieren die Erträge im Fondsvermögen. Das heißt: es gibt keine direkte Ausschüttung an die Fondsbesitzer (die Zinsen und Dividenden werden direkt wieder in den Fonds investiert). Auslandsfonds, die die Erträge thesaurieren, bedeuten für Sie Mehrarbeit.

Denn die Bankinstitute halten die Abgeltungsteuer auf thesaurierte Erträge wie Zinsen und Dividenden nur ein, wenn die Fonds von Deutschland aus verwaltet werden, nicht bei ausländischen Fonds. Hier müssen Sie selbst aktiv werden und die wieder angelegten Erträge über Ihre Steuererklärung deklarieren und versteuern.

Verkaufen Sie den Fonds nach einigen Jahren, so wird der Kurs-Gewinn versteuert; die Bank hält automatisch 25% Abgeltungsteuer plus Nebensteuern vom Gewinn zurück und führt die Steuern an das Finanzamt ab. Beachten Sie die Ausnahme: Sie haben den Fonds vor 2009 gekauft. Dann gilt der Bestandsschutz und die Gewinne bleiben steuerfrei.

Das Problem ist hierbei: In dem Kursgewinn sind auch die bereits versteuerten thesaurierten Erträge enthalten. Es findet also eine Doppelbesteuerung statt. Die Korrektur findet über die Steuererklärung statt. Daher müssen Sie immer die thesaurierten Erträge in Ihrer Steuererklärung angeben. Der Kursgewinn wird dann um die bereits versteuerten Erträge korrigiert.

Rechnen Sie dem Finanzamt genau vor, was bereits versteuert wurde. Heben Sie dazu die Steuerbescheide auf, sowie die Banknachweise über die thesaurierten Erträge. Unter Umständen erstreckt sich der Korrekturbedarf über einige Jahre, z. B. bei Sparplänen. Wurden die Fonds-Anteile vererbt, sind die Daten des Vorbesitzers dazu notwendig.

Hierzu ein Beispiel für die Korrektur: Im Jahr 2010 kauft ein Anleger 1.000 Anteile an einem thesaurierenden Auslandsfonds für 20 € und verkauft im Jahr 2012 für 30 € je Anteil. In 2010 und 2011 hat der Fonds 1,00 € je Anteil Erträge erwirtschaftet. Der Kursgewinn in Höhe von 10.000 € wird mit 25% Abgeltungsteuer belastet, die Bank führt 2.500 € an den Fiskus ab.

In den Jahren 2010 und 2011 wurden jedoch bereits Erträge in Höhe von jeweils 1.000 € versteuert, insgesamt 500 € Abgeltungsteuer (1.000 € x 2 x 25%). Weist der Anleger aber die bereits versteuerten thesaurierten Erträge nach, so erhält er vom Finanzamt Geld zurück. Die Rechnung: 10.000 € Kursgewinn abzüglich 2.000 € Erträge macht 8.000 € „tatsächlichen“ Kursgewinn. Darauf 25% Abgeltungsteuer ergeben 2.000 €, gezahlt wurden bereits 2.500 €. Somit erhalten Sie als Anleger 500 € Steuern zurück.

Schritt 2: So vermeiden Sie die Doppelbesteuerung der Auslands-Dividenden

Fast alle Staaten erheben bei Dividendenzahlungen, die ins Ausland gehen, eine Steuer, die sogenannte Quellensteuer. Erst dann fließt der Betrag in die ausländischen Depots. Hier in Deutschland muss die Depot-Bank anschließend eine Steuer in Höhe von 25% erheben und an den Fiskus abführen.

Um diese zweifache Belastung abzufedern, hat Deutschland mit mehr als 80 Staaten ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) abgeschlossen. Im DBA wird auch geregelt, mit wie viel Prozent die Auslandsabgabe auf die Abgeltungsteuer angerechnet werden kann. In den meisten Fällen sind es 15%. Doch einige Staaten behalten mehr Quellensteuer ein, als in Deutschland angerechnet wird. Die Schweiz greift mit 35% zu, Österreich mit 25%.

Quellensteuer können Sie zurückfordern

Als Anleger können Sie einen Antrag stellen, den nicht angerechneten Steueranteil vom Quellensteuerstaat zurückzufordern. Als unkompliziert gilt das Verfahren mit der Schweiz und Österreich. Schwieriger wird es in Italien: Die Rückerstattung kann unter Umständen viele Monate dauern.

Das Bundeszentralamt für Steuern stellt im Internet eine umfangreiche Liste bereit (www.bzst.de Stichwort „Steuern International“ und „Ausländische Quellensteuer“). Ebenfalls auf dieser Seite finden Sie Erstattungsanträge und die Adressen der ausländischen Finanzbehörden. Beachten Sie aber, dass es Fristen gibt, die eingehalten werden müssen.

Wer sich nicht selbst darum kümmern möchte, kann auch die Hilfe der Depot-Bank in Anspruch nehmen. Für eine Gebühr von etwa 30 bis 40 € je Dividendentitel helfen einige Banken bei der Rückerstattung von ausländischen Quellensteuern. Aber auch Ihr Steuerberater kann Ihnen behilflich sein.

So wird Erstattung berechnet

Zur Veranschaulichung noch ein Musterbeispiel, wie sich die Rückerstattung der Quellensteuer berechnet: Ein Anleger erzielt in der Schweiz Dividenden in Höhe von umgerechnet 2.500 €. Davon behält die Schweiz zunächst 35%, also 875 € ein. Der Rückerstattungsantrag (zu finden unter www.bzst.de Stichwort „Ausländische Quellensteuer“) wird an die Schweizer Steuerverwaltung geschickt.

Der Schweizer Quellensteuerabzug nach DBA beträgt (15% von 2.500 €) 375 €. Die Erstattung nach Antrag in der Schweiz beträgt 500 € (20% von 2.500 €). Der deutsche Fiskus rechnet wie folgt: 625 € (25% von 2.500 €) abzüglich Anrechnung der Schweizer Steuer in Höhe von 375 € (15% von 2.500 €).

Es wurden 250 € Abgeltungsteuer realisiert, das entspricht 10% von 2.500 €. Ihre Gesamtsteuerbelastung liegt dann bei 625 € (15% Schweiz plus 10% Deutschland = 25%).

Praxis-Tipp: Laut Bundesfinanzhof (BFH) ist Ihr Finanzamt dazu verpflichtet, Ihnen in diesen Steuer-Fragen behilflich zu sein.

2. Mai 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.