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Wie Sie den Gewinn von Anleihen berechnen

Anders als viele Anleger glauben, handelt es sich bei Anleihen um ein hochkomplexes Anlageinstrument. Um den Gewinn zu errechnen, den man beim Kauf einer Anleihe erzielen kann, muss man ein paar Besonderheiten dieser Anlageform beachten.

Anleihen werden zum Nominalwert ausgegeben

Eine Anleihe wird vor seinem Herausgeber, dem Emittenten, immer zum Nominalwert ausgegeben. Häufig liegt dieser aufgrund der einfacheren Handhabung bei runden Werten wie 1, 100 oder 1000 Euro. Oft ist außerdem ein Mindestabschlußvolumen für den Kauf/Verkauf vorgegeben.

Während dieser Mindestnominalkaufbetrag bei Bundesanleihen 0,01 Euro beträgt, können dies häufig auch 100 Euro oder sogar nominal bis zu 100.000 Euro sein.

Nach der Platzierung der Anleihe wird täglich genauso wie bei Aktien der Marktpreis der Anleihe ermittelt. Und das genauso wie Aktien nicht nur einmal am Tag, sondern fortlaufend. Der Marktpreis wird dabei als Prozentwert des Nominalwertes ausgewiesen.

Aber was heißt das konkret? Nehmen wir zum Beispiel eine Anleihe mit der ISIN DE000A1KQXZ0 des Telefonproviders Freenet. Diese wurde zum Nominalwert von 1000 Euro ausgegeben. Da der Nominalwert mit 100% gleichgesetzt wird, entsprechen 1000 Euro 100%.

Notiert die Anleihe bei 108%, hat sie daher gegenüber dem Nominalwert von 1000 Euro 8% hinzu gewonnen und notiert in absoluten Zahlen ausgedrückt bei 1080 Euro.

Der Anleger hat also einen Kursgewinn von 8% erzielt.

Coupon: Die Dividende bei Anleihen

Neben der Kursentwicklung gibt es bei Anleihen noch einen zweiten Faktor, der über die erzielbaren Gewinne entscheidet: Die jährliche Couponzahlung. Der Emittent schüttet bei einer normalen Anleihe in gleichen Abständen bis zum Ende der Laufzeit einen festen Betrag an die Anleger aus.

Der Betrag richtet sich nach dem in % vom Nominalwert ausgedrückten Coupon. In unserem Beispiel schüttet Freenet pro Anleihe jährlich am 20.04. 7,125% als Coupon aus. Dies entspricht 71,25 Euro (0,07125 X 1000 Euro).

Die Laufzeit der Anleihe ist auf den 20.04.2016 begrenzt. An diesem Tag kauft der Emittent die Anleihen zum Nominalwert von 1000 Euro zurück – zuzüglich der letzten Couponüberweisung in Höhe von 71,25 Euro.

Der Einstiegskurs entscheidet über die möglichen Gewinne

So viel zur Theorie. In der Praxis allerdings erwerben die wenigsten Anleger die Anleihen zum Nominalwert von 100%. Die meisten Anleger bezahlen entweder mehr oder weniger als den Nominalwert. Dies müssen Sie berücksichtigen, wenn Sie den Gewinn von Anleihen berechnen wollen.


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Angenommen ein Anleger erwirbt die Freenet-Anleihe für 800 Euro. Er bezahlt damit weniger als den Nominalwert von 1000 Euro, dennoch erhält er jährlich die 71,25 Euro als Couponzahlung.

Dadurch erhöht sich für ihn die laufende Rendite (LR), die sich folgendermaßen berechnen lässt:

LR(1) = 71,25/800 = 0,0891 bzw. 8,91 %

Der Anleger erzielt in diesem Fall eine laufende Rendite in Höhe von 8,89 % auf sein eingesetztes Kapital. Wenn ein Anleger mehr als den Nominalwert bezahlt hätte, würde seine laufende Rendite unter der Couponverzinsung liegen.

Bei einem Kaufpreis von 1082,50 Euro (Kurswert vom 12.09.2014) würde er folgende Rendite erzielen:

LR(2) = 71,25/1082,50 = 0,0658 = 6,58%

Der Anleger erzielt hier eine laufende Rendite in Höhe von 6,58%.

Am Ende der Laufzeit gibt es nur den Nominalwert

Nicht nur der Einstiegskurs entscheidet über die Höhe der Gewinne, sondern auch der Verkaufskurs der Anleihe am Ende der Laufzeit. Am Ende der Laufzeit werden die Anleihen nämlich immer zum Nominalwert vom Emittenten zurückgekauft.

In unserem Beispiel erhalten alle Anleger daher 1000 Euro – unabhängig davon, zu welchem Kurs sie die Anleihen ursprünglich erworben hatten.

Die Differenz zwischen Einstiegskurs und Verkaufspreis zum Nominalwert muss daher bei der Errechnung der Verzinsung berücksichtigt werden.

Dies können Sie tun, indem Sie die berichtigte laufende Rendite (BLR), berechnen:

BLR = LR + (100 – Kaufpreis in % des Nominalwertes) / Anzahl der Jahre bis zum Ende der Laufzeit

Für den Anleger der die Freenet-Anleihe zu 800 Euro erworben hat, liegt die berechtigte Rendite naturgemäß über der laufenden Rendite, da er neben der höheren Verzinsung am Ende der Laufzeit auch einen Kursgewinn in Höhe von 200 Euro pro Anleihe erzielt.

Wenn wir zum Kaufzeitpunkt eine Restlaufzeit von 1,6 Jahren voraussetzen, würde die Rechnung so aussehen:

BLR(1) = 8,91 + (100-80)/1,6 = 22,2141 %

Die berichtigte laufende Rendite liegt mit 21,41 % deutlich über der laufenden Rendite. Für den Anleger, der die Anleihen zu 1082,50 Euro erworben hat, stellt sich die Rechnung so dar:

BLR(2) = 6,58 + (100-108,25)/1,6 = 1,42 %

Mit 1,42% berichtigter laufender Rendite liegt der Wert deutlich unter der laufenden Rendite.

Faustformel zur Berechnung der Rendite von Anleihen

Formel  

Faustformel zur Berechnung der Rendite von Anleihen

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Für die Berechnung der Rendite einer Anlage gibt es unterschiedliche Methoden. Die gängigste Faustformel, die Banken und Börsen verwenden ist die folgende Rendite-Berechnung.
$$\bo\text"Rendite"↙\text"(einer Anleihe)" = 100*(\(\text"Nominalzins" + ((\text"Verkaufskurs - Kaufkurs")) / \text"Laufzeit"\)/\text"Kaufkurs")$$
Ergebnis berechnen

Gewinn von Anleihen: Risiko kann sich auszahlen

Unser Beispiel hat gezeigt, dass der Anleger, der die Anleihen deutlich unter dem Nominalwert gekauft hat, seine Rendite gegenüber der normalen Couponverzinsung deutlich steigern konnte.

Es kann sich für Anleger daher auszahlen, wenn sie in unterbewertete Anleihen investieren. Natürlich sind für die Bewertung einer Anleihe in der Regel das allgemeine Zinsniveau und die Bonität des Emittenten maßgeblich.

Wenn eine Anleihe deutlich unter ihrem Nominalwert notiert, kann das ein Indiz dafür sein, dass der Emittent in ernsten Zahlungsschwierigkeiten steckt.

Bei einer Insolvenz des Emittenten würde sich das vermeintliche Schnäppchen dann schnell als ein Totalverlust des investierten Kapitals entpuppen. Die Anleger müssen daher immer im Einzelfall prüfen, ob das Risiko vertretbar ist.

Da der Markt aber in der Regel zu Übertreibungen tendiert, hat ein Anleger gute Chancen, Anleihen mit günstigen Einstiegskursen zu finden. Diese bieten im Erfolgsfall überdurchschnittliche Renditen.

19. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ludwig Buhmann
Von: Ludwig Buhmann. Über den Autor

Ludwig Buhmann analysiert für die GeVestor-Leser politische Entwicklungen rund um den Globus.