Das lästigste an juristischen Verfahren ist, dass sie sich über Jahre hinziehen.
Und je höher die Summen, um die es bei solchen Prozessen geht, desto länger dauert das Ganze.
Diese Regel gilt nicht nur in Deutschland oder dem Bürokratie-Monster EU, sondern genauso in den USA. Vor allem, wenn große Firmen daran beteiligt sind.
Firmen wie BP zum Beispiel.
Horrende Kosten, Summe unbekannt
Knapp zwei Jahre ist es her, da explodierte im Golf von Mexiko die Ölplattform „Deepwater Horizon“. Sie lieferte Öl für den britischen Großkonzern BP.
Dieses Öl sprudelte nach der Havarie monatelang ungehindert aus dem Leck ins offene Meer, insgesamt mehr als 4 Millionen Barrel Öl gingen so den Bach beziehungsweise den Golf von Mexiko herunter und sorgten für erhebliche Belastungen des Öko-Systems.
Dass das teuer werden würde, war vom ersten Tag an klar. Wie teuer genau und wer wie viel von den Kosten wird tragen müssen, das ist bis heute nicht ganz ersichtlich.
BP prozessiert fleißig gegen frühere Partnerunternehmen wie die Betreiberfirma oder auch Materialhersteller. Bislang sind die Briten dabei auf einem Großteil der Kosten sitzen geblieben.
Verhandlungen mit der US-Regierung
Hinsichtlich der Umweltschäden laufen nun angeblich Verhandlungen mit der US-Regierung. BP hofft offenbar auf eine außergerichtliche Einigung. Das würde eine Strafzahlung bedeuten – aber damit hätte die Sache ein Ende, es könnte ein Schlussstrich gezogen werden.
Wie hoch eine solche Vergleichslösung ausfallen würde, ist derzeit noch offen. Weist man BP grobe Fahrlässigkeit nach, könnten mehr als 17 Milliarden Dollar fällig werden – allein für die Wasserverschmutzung.
Allerdings besteht Verhandlungsspielraum, realistisch sind demnach wohl ein paar Milliarden weniger. Rechnet man wiederum weitere fällige Strafzahlungen drauf, kommt man auf rund 25 Milliarden Dollar, die die USA von BP verlangen könnten.
Strafzahlung in Höhe des Jahresgewinns
Das wäre ungefähr so viel wie der Jahresgewinn 2011. Der lag bei respektablen 24 Milliarden Dollar. Offensichtlich hat sich BP trotz der laufenden Verfahren bereits gut erholt von der Katastrophe.
Und so möchte man neben Quartals- und Jahresbilanzen auch gern wieder imagemäßig auf die Beine kommen und so für positive Schlagzeilen sorgen. Seit dem Debakel im Frühjahr 2010 konzentrierte sich die Berichterstattung vor allem auf Umweltschäden, Folgekosten und Gerichtsverfahren.
Noch klebt Öl an den Händen von BP. Nur zu gern würde man sich reinwaschen. Beziehungsweise freikaufen.
Ob’s was wird mit den außergerichtlichen Verhandlungen, wird sich zeigen. Die meisten größer beteiligten Unternehmen bestanden bislang auf dem Gerichtsweg, der für sie zu günstigeren Ergebnissen führte.
BP selbst schweigt indes zu den Gesprächen. Wenn man sich selbst öffentlich zurückhält, tut’s vielleicht nicht so weh, falls man scheitert.



