Wie der Ölpreis die OPEC zum Handeln zwingt

Der Ölpreis stürzte zu Jahresbeginn auf unter 30 US-$ – ein neues 10-Jahrestief. Hauptursache war ein Überangebot an den Öl-Märkten, nachdem insbesondere die USA ihre Öl-Fördermenge in den letzten Jahren konsequent erhöht hatten.

Seither erholt sich der Ölpreis nur langsam. Die Organisation der erdölexportierender Länder (OPEC) will nun Taten sprechen lassen. Nach langem Ringen hat sich die OPEC auf die Reduktion der Ölfördermengen geeinigt – zu einem solchen Schritt kommt es seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 zum ersten mal.

OPEC will Öl-Fördermenge auf 32,5 Mio. Barrel pro Tag deckeln

Konkret hat sich die OPEC auf eine Reduktion der Öl-Fördermenge um 1,2 Mio. Barrel auf 32,5 Mio. Barrel Öl pro Tag geeinigt. Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) will dadurch den Ölpreis stabilisieren. Die Tagesfördermenge soll vom 1. Januar 2017 zunächst für ein halbes Jahr gelten, wobei dieses Produktionsziel auch kontrolliert werden soll.

Daneben will die OPEC erreichen, dass auch Nicht-OPEC-Mitglieder wie Russland mitmachen und ihrerseits ihre Fördermengen reduzieren. Konkret sollen Nicht-OPEC-Mitglieder ihre tägliche Fördermenge um 600.000 Barrel reduzieren.

Aufgrund dessen setzte Indonesien, das rund 700.000 Barrel Öl pro Tag fördert, seine OPEC-Mitgliedschaft wieder aus. Ob Nicht-OPEC-Mitglied Russland tatsächlich mitmacht und seine Fördermenge um 300.000 Barrel pro Tag reduziert, bleibt abzuwarten, denn zu unterschiedlich sind die jeweiligen Landesinteressen.


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Der Zusammenhang zwischen Ölpreis, Fördermengen und Marktanteile

Denn Russlands Staatshaushalt ist stark von den Ölexporten abhängig. Sinkt der Ölpreis zu stark oder die Fördermenge wird zu stark gedrosselt, gerät das Land in finanzielle Schieflage.

Zur Erinnerung: Russland ist der weltgrößte Ölproduzent und pumpt derzeit rund 11 Mio. Barrel Öl pro Tag aus dem Boden – ein neuer Rekord nach der Sowjetunion-Ära.

Auch der weltweit zweitgrößte Ölproduzent Saudi-Arabien machte bislang keinerlei Anstalten, seine Fördermenge stark zu reduzieren. Im Juli förderte das Königreich 10,67 Mio Barrel pro Tag – ebenfalls ein neuer Rekord. Seither verharrt die Ölförderung in Saudi-Arabien auf hohem Niveau, denn auch Saudi-Arabien benötigt einen hohen Ölpreis und hohe Fördermengen um seinen kostenintensiven Sozialstaat zu finanzieren.

Reduzieren Saudi-Arabien und Russland ihre Ölfördermengen, droht beiden Ländern der Verlust von Marktanteilen an den Ölmärkten. Druck machen nicht nur Fracking-Unternehmen aus den USA, sondern auch der Iran, der nach dem Ende der Wirtschaftssanktionen seine Ölförderung deutlich hochgefahren hat – auf zuletzt etwa 3,92 Mio. Barrel pro Tag.

Ölnachfrage bald am Höhepunkt?

Doch nicht nur die steigenden Fördermengen stellen ein Problem für den Ölpreis und damit für die erdölexportierenden Länder (OPEC) dar, sondern auch das Peak-Oil-Szenario. Damit ist gemeint, dass die Ölnachfrage in den nächsten Jahren seinen Höhepunkt erreichen könnte und dann nur noch sinken wird.

Vor einem solchem Szenario hatte zuletzt der europäische Ölriese MOL Group gewarnt. Zwar ist die weltweite Ölnachfrage seit dem Jahr 2000 laut Internationaler Energieagentur (IEA) um 21% gestiegen, doch schon im Jahr 2020 könnte sich dieser Trend unter gewissen Voraussetzungen umkehren und die Ölnachfrage sinken, so die IEA.

Dieses Szenario könnte dann eintreten, wenn Länder weitere Maßnahmen ergreifen, um den Schadstoffausstoß zu reduzieren und so der globalen Erderwärmung vorzubeugen. Zum Beispiel indem Fahrzeuge mit Benzin- und Diesel-Motoren von den Straßen verbannt werden, um Elektroautos zu fördern.

Fazit: Stabiler Ölpreis für die nächsten Jahre erwartet

Die staatliche China National Petroleum Corp geht zwar davon aus, dass zumindest die Ölnachfrage von Seiten Chinas bis 2030 noch steigen wird, große Auswirkungen auf den Ölpreis sind davon aber eher nicht zu erwarten. Der Grund: Steigt der Ölpreis über die Marke von 60 US-$, dürfte auch die Ölproduktion wieder signifikant zunehmen, so das Fazit von IEA-Director Fatith Birol.

Ins gleiche Horn stößt auch der amerikanische Fracking-Spezialist EOG Resources. Demnach benötigt die amerikanische Fracking-Industrie nur Ölpreise um die Marke von 60 US-$, um weiter zu wachsen, so EOG-Chef William Thomas.

Große Ölkonzerne wie Exxon Mobil und BP Plc bereiten sich dennoch bereits auf das Ende des Öl-Booms vor und erhöhen ihre Investitionen in Petrochemie, Erdgas und alternative Energien (Solar etc.), um auch nach der Öl-Ära weiter relevant zu bleiben.

Anleger, die dem Öl dennoch weiter treu bleiben wollen, sollten EOG Resources im Auge behalten, denn Amerikas führender Fracking-Spezialist will seine Ölproduktion trotz niedriger Ölpreise auch in 2017 weiter ausbauen und nach Kostensenkungen wieder Gewinn erzielen.

26. November 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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