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Wie Europa sich selbst verkauft

Die Kriege und großen Krisen dieser Zeit bestimmen die tägliche Berichterstattung.

Dabei verschwindet ein Thema aus der öffentlichen Wahrnehmung, das uns alle betrifft: Sie und Ihre Kinder.

Es geht um den Ausverkauf von Europas Kulturgütern und -stätten – und das aufgrund der enormen Schuldenlast der EU-Mitgliedsstaaten.

Beispiele für den Ausverkauf europäischer Staatsgüter

Wir haben Ihnen bereits aufgezeigt, wie in Griechenland Inseln und Landstriche verhökert und in Spanien die Namen von Metro-Stationen an Investoren verscherbelt werden.

In Italien greift man nach antiken Stätten wie dem berühmten Kolosseum. Und in Irland sind bereits Wälder ausverkauft.

Aber wie sieht es damit in Deutschland aus?

Berlin und die Mauer

Auch hierzulande gibt es Bestrebungen wie in den anderen europäischen Ländern. In diesem Zusammenhang möchte ich an die Berliner Mauer erinnern.

Während des Kalten Krieges trennte sie Ost und West; die Bundesrepublik von der DDR. Sie steht unter Denkmalschutz, soll der Nachwelt zur Erinnerung erhalten bleiben.


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Manch einer spricht dahingehend sogar von einem Weltkulturerbe.

Die Mauer-Verscherbelung

Dennoch wurde 2013 ein Stück der Mauer entfernt, und zwar vom Investor Mike Uwe Hinkel, der 5 bis 6 Meter Mauer einfach aus der East Side Gallery herausbrechen ließ – unter Polizeischutz, wohlgemerkt.

Aufgrund der guten Lage inmitten eines Wohnviertels ist dieser Platz bei Spekulanten beliebt. Nun sollen dort mehrere Luxusgebäude entstehen.

Verwaltet werden die öffentlichen Bauten und staatlichen Güter vom Liegenschafts-Fonds, einer Privatgesellschaft.

Vergessen Sie nicht: Schon in den 1990er-Jahren wurde die Mehrheit der unbebauten Flächen auf Seiten der ehemaligen DDR an Investoren veräußert. Mit geradezu blinden Verkäufen wollte und will das hochverschuldete Berlin also Kasse machen.

Der Markt steht über dem Kulturerbe

Der Markt und seine Spekulanten übernehmen immer mehr das Ruder in Europa.

Es ist geradezu überdeutlich: Durch den Ausverkauf und die Privatisierung von Staatseigentum verlieren die Bürger nicht nur die Kontrolle über den öffentlichen Raum, sondern wird die soziale Verantwortung geradezu in den Boden gestampft.

Kulturgüter sind ein Teil der Identität der Bevölkerung, des staatsbürgerlichen Bewusstseins.

So schlecht steht es schon um Europa

Wenn die Staaten nicht einmal mehr Kulturgüter unterhalten und finanzieren können, sondern an Spekulanten verscherbeln, dann wissen Sie, wie es um diese steht:

Das historische Erbe Europas, das öffentliche Gut der Bürger, wird sukzessive privatisiert, um die Staatskassen aufzufüllen – ein kulturhistorisches Desaster! Ein Trauerspiel für Sie und Ihre Kinder!

Enteignung vom Staats- und Allgemeingut

Schon längst wird nicht mehr danach gefragt, wem die Wälder, Berge und historischen Stätten Europas gehören. Kultur- und Naturräume bilden die Grundlage der kollektiven Identität einer Bevölkerung.

Der Abverkauf dieser Kulturgüter ist nichts anderes, als eine Enteignung der Bevölkerung vom Staats- und Allgemeingut.

Der Staat fackelt nicht bei Enteignungen

Was Sie daraus lernen können: Dem Staat ist nichts, aber auch gar nichts mehr heilig!

Wenn selbst Allgemeingüter wie Inseln, Wälder, antike Stätten und dergleichen aus Gewinnabsichten verkauft werden, dann müssen Sie sich hüten.

Gerade in der aktuellen Flüchtlingskrise werden Enteignungen von Grundbesitz, von gewerblichem und privatem Eigentum diskutiert. Viel mehr noch: schon durchgeführt.

Etwas, das eigentlich Ihnen gehört, wird zum Wohle der Allgemeinheit beschlagnahmt – soweit sind wir bereits.

Europa greift nach den kulturellen Allgemeingütern, Deutschland nach dem Privatbesitz seiner Bürger.

Und das alles ist wohl erst der Anfang

7. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.