MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Wie kommen flexible Preise von Wertpapieren zustande?

Als Anleger hat man vor allem die Preise von Wertpapieren im Auge. Man verfolgt etwa die Aktienkurse, steigt bei Gelegenheit zu und erwartet eine möglichst überdurchschnittliche Rendite als Prämie für das eingegangene Investmentrisiko.

Die Frage ist: Passt die Erwartung zum Risiko? Dies setzt eine Einschätzung des regulären Verhältnisses von Rendite und Risiko voraus. Und hier geht es etwas ins Detail.

Arbitrage Pricing Theory: Erklärung und Grundgedanke

Wie und nach welchen Gesetzmäßigkeiten die Preise risikobehafteter Wertpapiere zustande kommen, versucht die Kapitalmarktforschung mit verschiedenen Theorien zu erklären. Eine der zwei wichtigsten nennt sich Arbitrage Capital Theory (ACT). Ihre Erklärung steht im engen Zusammenhang mit dem Capital Asset Pricing Model (CAPM), einem Ansatz, der zuvor entwickelt wurde. In jedem Fall ist die Rendite der Preis für ein Risiko-Investment.

Sowohl CAPM als auch ACT, also die Arbitrage Capital Theory, liefern die Erklärung für die Bewertung von Wertpapieren. Die beiden Ansätze werden vorwiegend in der Wissenschaft und bei institutionellen Investoren angewendet, um das Zusammenspiel von Preis und Risiko darstellen. Ihre Bedeutung ist in der geschichtlichen Abfolge zu sehen.

Preistheorien von Markowitz über Sharpe zu Ross

Grundlage für die Erkenntnis, wie Rendite und Risiko voneinander abhängen, ist die 1952 vom US-Nobelpreisträger Markowitz veröffentlichte Portfolio-Theorie. Aus ihr ergibt sich, dass Diversifikation das Risiko senkt. Damit lässt sich ein Depot mit optimalem Risiko-Rendite-Profil zusammenstellen. Die Portfolio-Theorie geht davon aus, dass Anleger bei gleicher erwarteter Rendite zweier Portfolios das mit dem geringeren Risiko bevorzugen.

Um nun den Preis für ein Wertpapier zu ermitteln, hatte der Markowitz-Schüler William F. Sharpe in den 1960er-Jahren daraus das Capital Asset Pricing Model entwickelt. Dieses bezieht sich aber auf den Einfluss von Risiken, die sich nicht durch Streuung ausschließen lassen.

Damit wurde erstmals zwischen derartigen systematischen Marktrisiken und unsystematischen, allgemeinen Risken unterschieden. Das systematische Risiko ist beim CAPM der entscheidende Einflussfaktor. Hinzu kommt, dass es von idealtypischen Annahmen eines vollkommenen Kapitalmarkts ausgeht: Alle Anleger sind gemäß der Portfolio-Theorie risikoscheu, haben die gleichen Erwartungen, dieselben Informationen und Zugangsvoraussetzungen zum Markt.

Flexible Antwort auf starres Vorgängermodell

Weil aber die starren Voraussetzungen nicht mehr zu den sich ändernden Verhältnissen an den Finanzmärkten passten, suchte der Bostoner Wissenschaftler Stephen Ross 1976 eine Antwort auf das CAPM und fand sie in der Arbitrage Capital Theory. Die Erklärung für ihre Entstehung ergibt sich aus den Schwachstellen des CAPM. Das Risiko des Gesamtmarkts als einziger Faktor erklärt den Preis genauso wenig wie sich alle Anleger idealtypisch verhalten.

Die Arbitrage Capital Theory betrachtet mehrere Risikofaktoren. Wie sich aus dem Namen ergibt, geht es dabei um Arbitrageprozesse, also Versuche der Anleger, Kursunterschiede ohne Risiko zu nutzen. Der Gedanke: Wenn keine Arbitragemöglichkeiten bestehen, ist der Markt im Gleichgewicht. Damit werden die zuvor strikten Voraussetzungen für dessen Bestehen abgeschwächt.

Der Vorteil dieses Multi-Faktoren-Modells ist, dass verschiedene Einflussgrößen berücksichtigt werden können, auch makroökonomische Faktoren wie Inflationsrate, Ölpreis oder Realzins. Der Nachteil dieser Flexibilität: Welche Faktoren das sind, wird bei der Arbitrage Capital Theory nicht näher spezifiziert, die Auswahl ist dem Anwender überlassen. Damit bildet es eigentlich nur den theoretischen Rahmen.

Es gibt inzwischen wieder neue Ansätze

Im Ergebnis kommt die Arbitrage Pricing Theory der Realität näher, weil sie davon ausgeht, dass die Rendite eines Wertpapiers von etlichen Faktoren abhängt. Deshalb wird sie parallel zum CAPM gerne von Portfoliomanagern genutzt. Allerdings gibt es längst auch neuere Methoden, wie ein sogenanntes Drei-Faktoren-Modell, das neben dem Marktfaktor auch Size- und Value-Effekte berücksichtigt.

Mit all diesen Details sind Privatanleger in der Regel überfordert. Nützlich ist aber, die Grundzüge der Modelle zu kennen, vor allem, dass sich die erwarteten Renditen von Aktienanlagen nur anhand ihrer Risiken abschätzen lassen.

26. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.