Die Märkte sind krisengeschüttelt wie lange nicht mehr. Im Mittelpunkt des ganzen Geschehens hängt der Euro am Tropf.
Ist das denn wirklich so?
Schaut man sich die Bewertung des Euro gegenüber dem USD an, dann war diese zu Beginn dieses Jahres sogar niedriger als jetzt!
Das liegt an der Tatsache, dass die USA ebenfalls Probleme im eigenen Land haben und beide Währungen sich gegenüber anderen, hauptsächlich asiatischen Währungen, stärker abgeschwächt haben.
So schlecht ist das nicht, denn bedingt dadurch kann Deutschland seine Exportprodukte in diese Länder wesentlich günstiger absetzen, als das ohne schwachen Euro der Fall wäre. Lediglich die Importprodukte aus diesen Nationen werden teurer. Aber haben Sie etwa gemerkt, dass ein PC, ein Fernseher oder Mobiltelefon teurer geworden sind? Nein.
Es gibt also immer 2 Seiten der Medaille. Momentan tut uns Deutschen der Euro gut. Das Gejammer ist also übertrieben!
Nun aber zur Analyse des Wechselkursverhältnisses von Euro und USD: Schauen wir uns den 8-Monatschart unter der Lupe an:
100 Euro in USD, 8-Monatschart
Euro in Abwärtstrend UND Aufwärtstrend
Wir können erkennen, dass der Euro seit dem Hoch Anfang Mai dieses Jahres bei etwa 1,49 USD bis heute um etwa 10% gefallen ist. Dabei hielt er sich 4 Monate in einer Seitwärtsrange von 1,40 bis 1,45 USD auf bevor er im September nach unten durchbrach. Der September war der schlechteste Monat für den Euro seit langem!
Durch das jüngste Zwischenhoch Ende Oktober wurde die obere Grenze eines Abwärtstrends (rote gestrichelte Trendlinie) markiert.
Auf der anderen Seite hat der Euro seit dem Tief von Anfang Oktober mit diesem Zwischenhoch auch einen kurzfristigen Aufwärtstrend markiert (blauer Trendkanal).
3-fach Widerstand, Dreieck bringt Entscheidung für 2012
Und irgendwo dazwischen liegt die immer noch sehr wichtige 1,40er Marke (rote Horizontale). Sie fungierte lange Zeit als Unterstützung und ist seit September als Widerstand anzusehen.
Nimmt man die oben genannten 3 Trendmerkmale zusammen, dann ist wohl klar, dass der Euro nicht über den Trendkanal ansteigen kann! Er läuft vielmehr in ein liegendes Dreieck hinein, dessen Spitze so um die 1,39/1,40 die Entscheidung bringen muss!
Zeitlich gemessen bedeutet das, im Dezember, vielleicht sogar um die Weihnachtszeit, wird der Trend für den Start in das Jahr 2012 bestimmt! Bis dahin erwarte ich eher seitwärts orientierte Kurse zwischen 1,35 und 1,40 USD.
Längerfristiger Chart
Um den Kurzfristchart zu bestätigen und die Ziele zu definieren, ist ein Blick auf den längerfristigen 3-Jahreschart sinnvoll.
Der 3-Jahreschart:
100 Euro in USD, 3-Jahreschart
Der Langfrist-Abwärtstrend hat immer noch Bestand
Seit 2008 befolgt der Euro einen übergeordneten breiten Abwärtstrend (roter Trendkanal). Innerhalb dieses Trendkanals wird in regelmäßigen periodischen Abständen fast schulbuchmäßig von Obergrenze zu Untergrenze und wieder zur Obergrenze usw. gesprungen (blauer Zickzack-Kurs). Jede dieser Phasen dauerte in der Regel 7-9 Monate!
Deutlich zu erkennen ist aber, dass sich der Euro am oberen Widerstand seit fast einem halben Jahr zu schaffen machte. Doch mit dem jüngsten Rückgang ist der Durchbruch des langjährigen Abwärtstrends erst einmal verschoben.
Zumal die obere Begrenzung mit dem 3-fach-Widerstand aus dem Kurzfristchart zusammenpasst!
Recht starke Auffangzone
Eine massive Unterstützungszone erstreckt sich von 1,30 – 1,35 USD (schwarze gestrichelte Zone). Auf diese hat der Euro aktuell aufgesetzt.
Es bestehen berechtigte Hoffnungen, dass sich der Euro irgendwo in dieser Zone stabilisieren und fangen wird.
Sollte der Euro hier allerdings durchfallen, stehen Jahrestiefststände auf dem Plan!
Prognose:
Fazit: Der Euro ist zurzeit schwer zu traden!
Zu umfangreich sind die Variablen und zu heftig die Einflüsse auf die europäische Einheitswährung.
Rein fundamental sehe ich den USD in Zukunft eine Nuance stärker, weil neben der Flucht in den „sicheren Hafen“ auch die Zinsdifferenz eher dafür spricht, dass in den USA frühzeitiger die Zinsen steigen werden. Das dauert sicherlich noch ein Jahr, aber die zukünftigen wahrscheinlichsten Schritte werden an den Märkten schon vorher gehandelt und eingepreist.
Zurzeit gilt weiterhin: „Stand aside!“



