MenüMenü

Gratis Studie zum kostenlosen Download:
Neu: 3 Topaktien für das Jahr 2017 . . . Download hier ➜

Wie sich Anleger gegen eine Deflation wappnen können

Inflation und Deflation sind die beiden gefürchteten großen Krankheiten einer jeden Volkswirtschaft. Dabei ist die Deflation in der Regel wesentlich hartnäckiger und schwieriger zu bekämpfen.

Dass eine Deflation Folgen hat, die sich über viele Jahre hinziehen können und selbst dann noch nicht ausgestanden sind, zeigt das Beispiel Japan.

Deflation und ihre Folgen – das Beispiel Japan

Das Land geriet Mitte der 1990er-Jahre in die Deflation, die Folgen für Arbeitnehmer, Anleger und Verbraucher waren gravierend. Regierung und Zentralbank versuchten mit Niedrigstzinsen und Geldflutung die Wirtschaft anzukurbeln. Doch kaum hatte sich Japan nach gut 10 Jahren fast erholt, wurde es von der Finanzkrise kalt erwischt. Es folgte die nächste Runde: 2009 stieg die Deflationsrate auf 2,4%, höher als in der Dekade zuvor.

Das Beispiel Japan zeigt gleich zwei Mal das typische Szenario einer Deflation mit ihren Folgen: Sachwerte wie Aktien oder Immobilien verlieren dramatisch an Wert. Gleichzeitig werden Konsumgüter und Dienstleistungen billiger, doch die Verbraucher halten sich zurück. Zum einen, weil sie auf einen weiteren Preisrückgang warten, zum anderen weil irgendwann die Einkommen stagnieren, zurückgehen und viele ihren Job verlieren.

Denn die Unternehmen fahren ihre Produktion zurück und hören auf, zu investieren. Der Grund: Trotz sinkender Leitzinsen werden Kredite plötzlich teurer. Und zwar deshalb, weil der Nennwert von Schulden gleich bleibt, die fremdfinanzierten Sachgüter hingegen im Wert abrutschen. Ab einem bestimmten Punkt macht alles Sparen und Aufschieben die Sache nur noch schlimmer. In der Abwärtsspirale gehen immer mehr Unternehmen pleite, der Staat nimmt weniger Steuern ein, die Verschuldung wächst.

Frühzeitig vorbeugen

Bis die üblichen Gegenmittel wie niedrige Zinsen, Geldmengenausweitung und Konjunkturprogramme irgendwann greifen, braucht es Geduld und politisches Geschick. Denn bei einer ausgewachsenen Deflation drohen auch Folgen in Form von Unruhen und politischen Verwerfungen. Doch selbst wenn die ausbleiben, können die massiven Gegenmaßnahmen statt einer Gesundung die nächste Krankheit hervorrufen – eine Inflation. Die jedoch ist allemal beherrschbarer als eine ausgewachsene Deflation.

Rezessionsgefahren gibt es auch in Europa. Zwar muss eine Deflation nicht zwangsläufig sämtliche Folgen entfalten, doch Anleger sollten bereits für die sogenannte Disinflation gerüstet sein, die Vorstufe der Deflation, bei der erst die Inflationsrate sinkt bevor dann das Preisniveau absackt.

Defensiv der Deflation begegnen

In der Deflation verhalten sich die meisten Anlageklassen anders als bei steigenden Preisen. Der Wert von Geld steigt und damit die Kaufkraft von Kapital. Wer Geldvermögen besitzt, kann sich mehr Sachwerte leisten – auch Aktien gehören dazu.

Doch bei der Auswahl muss man genau hinschauen und vor allem konjunkturabhängige Unternehmen links liegen lassen. Infrage kommen stattdessen defensive, dividendenstarke Dauerläufer die den täglichen Bedarf der Verbraucher decken, Titel also aus der Konsumgüter– und Pharmabranche.

Tendenziell ungeeignet sind Energie- und Rohstoffunternehmen. Im deflationären Umfeld sinken nämlich die Preise für Strom, Gas und Öl.

Schwierig sind in der Deflation Anleihen von Unternehmen. Die werden nämlich wegen des allgemein höheren Insolvenzrisikos deutlich schlechter bewertet. Anders sieht es mit Anleihen sicherer Staaten aus. Wie viel sie jedoch bei Niedrigzinsen abwerfen, ist eine andere Sache.

Alternativ kann man wertmäßig gestiegenes Kapital natürlich auch bei der Bank parken. Bei ausgeprägter Deflation ist dieses aber nicht mehr als durch die Einlagensicherung geschützt. Sinnvoll kann es sein, das Geld auf mehrere Konten verteilen, Bankenpleiten sind keine Seltenheit.

Das Trugbild vom sicheren Hafen

Statt der Anlage Cash bevorzugen viele Immobilien als sicheren Hafen. Jedoch, wenn die Wirtschaft lahmt und Mitarbeiter entlässt, leiden privat und gewerblich vermietete Objekte unter Preisverfall und Leerstand. Stagnierende und rückläufige Preise sind für die gesamte Immobilienwirtschaft samt Fonds ein Alarmzeichen.

Aber auch der andere „sichere Hafen“ Gold ist keine Garantie. Einerseits hat es sich in früheren Deflationszeiten durchaus bewährt. Seitdem es aber ab 2008 selbst im Deflationssog unter Druck geriet und die Kurse auch danach nur mäßig anzogen, hat sein Ruf massiv gelitten.

Unterm Strich sind also Aktien für Renditen noch die beste Variante. Vor allem sollten Unternehmen einen guten Cashflow haben und nicht zu sehr von Krediten abhängen. Abgesehen von der richtigen Auswahl gilt: Möglichst breit streuen und weltweit investieren – beispielsweise in einen Indexfonds auf den Weltindex MSCI mit über 1.600 Aktien. In der Regel erfasst eine Deflation nicht alle Länder, und wenn dann nicht gleich stark.

20. November 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.