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Arbeitszimmer: Vorteilhaft nutzen und Steuern sparen

Das häusliche Arbeitszimmer war jahrzehntelang für rund ein Drittel aller Steuerzahler das wohl beliebteste Steuersparmodell.

Nicht ohne Grund: Mit einem separaten Zimmer in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus – mehr oder weniger für berufliche Arbeiten reserviert – ließ sich schnell ein vierstelliger Steuervorteil pro Jahr herausschlagen. Schließlich beteiligte sich das Finanzamt an sämtlichen Kosten, angefangen bei den Raumkosten über die Kosten der Einrichtung (Schreibtisch, Regale, Schränke etc.) bis zu den Ausgaben für reine Arbeitsmittel (PC, Drucker, Software, Büromaterial).

Seit 1996 ist damit jedoch Schluss. Der Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel setzte im Zuge der damaligen Sparmaßnahmen auch beim häuslichen Arbeitsdomizil den Rotstift an und machte damit dem Steuervorteil für die meisten Betroffenen den Garaus. Ein häusliches Arbeitsdomizil ist seitdem nur noch eingeschränkt steuerlich absetzbar. Der Grund dafür sind rigide Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitsdomizil.

So ärgerlich die Neuregelung ist, ein echtes Trostpflaster bleibt: Die Finanzgerichte haben einige „böse Knackpunkte“ des damaligen Gesetzes nachträglich einkassiert. So hatte der Gesetzgeber anfangs geplant, auch klassische Arbeitsmittel wie den Schreibtisch, Bücherregale oder den PC auf die neue Obergrenze (1.250 €) anzurechnen. Das ist heute vom Tisch – selbst dann, wenn sich das Arbeitsmittel in einem häuslichen Arbeitszimmer befindet und damit (gleichzeitig) zu dessen Ausstattung gehört.

Jüngst hat der Bundesfinanzhof (BFH) die im Gesetz fixierte Voraussetzung „Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit“ zum Vorteil betroffener Steuerzahler konkretisiert. Zur Erinnerung: Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können nur dann in voller Höhe abgesetzt

Die neuen Regeln: Das Aus für die meisten Arbeitszimmer

Nach den heute geltenden Vorschriften gibt es für Sie nur noch zwei Möglichkeiten, die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers mit dem Fiskus zu teilen. Bislang beurteilten die Finanzbeamten die Frage, ob ein Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ausmacht, ausschließlich nach der zeitlichen Nutzung. Doch dieser strengen Sichtweise hat der BFH gleich in drei Urteilen eine Absage erteilt. Nach Ansicht der obersten deutschen Steuerrichter ist das zeitliche Element der Nutzung des Arbeitszimmers kein abschließendes Kriterium.

Vielmehr komme es auf den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit im Arbeitszimmer an. Dafür ist es erforderlich, dass wesentliche fachliche Leistungen für den Beruf dort erbracht werden. Diese Voraussetzung hat der BFH bei einem Außendiensttechniker bejaht, der Planungen und komplexe Problemlösungen vorfertigen muss, um dann im Außendienst aktiv werden zu können.

Achtung: Doch selbst wenn Sie die ersten Hürden für ein häusliches Arbeitszimmer erfolgreich genommen haben – und als Vermieter sollte Ihnen dies gelingen – geht die Prüfung durch den Fiskus weiter. Nun checken die pingeligen Beamten, ob es sich überhaupt um ein Arbeitszimmer handelt.

Was für das Finanzamt als Arbeitszimmer gilt

Wie ein häusliches Arbeitszimmer auszusehen hat, steht in einem Erlass des Bundesfinanzministeriums aus dem Jahr 1998.

1. Die ausschließlich betriebliche oder berufliche Nutzung

Wichtigste Voraussetzung: die nahezu ausschließliche betriebliche oder berufliche Nutzung. Das bedeutet, dass Sie das Zimmer nicht mehr als 10% privat nutzen dürfen. Vorsicht, wenn Sie Ihr Arbeitszimmer gleichzeitig als Gäste-, Bügel- oder Spielzimmer für den Nachwuchs nutzen. Die ausschließlich betriebliche oder berufliche Nutzung überprüft das Finanzamt zunächst anhand der Einrichtung:

Ist Ihr Arbeitszimmer wie ein solches eingerichtet? Stehen Schreibtisch, Schreibtischstuhl, Büroschrank oder eine Hängeregistratur in diesem Zimmer? Nutzen Sie den Büroschrank für berufliche Literatur und berufliche Akten? Stehen in dem Arbeitszimmer private Einrichtungsgegenstände wie zum Beispiel Kleiderschränke, Betten, Bügeltisch, ein TV-Gerät und Unterhaltungsliteratur oder Kinderspielzeug, schließen die Finanzbeamten auf eine private Mitbenutzung und verweigern die Anerkennung als Arbeitszimmer.

Vorsicht, wenn Sie auch einen PC absetzen wollen. Die Kosten für einen häuslichen Computer können Sie mit dem Anteil der beruflichen Nutzung Steuern mindernd geltend machen. Nutzen Sie beispielsweise das Elektronengehirn zu 30% privat und zu 70% beruflich, können Sie 70% der Anschaffungskosten des PC – über dessen Nutzungsdauer verteilt – absetzen. Steht Ihr PC jedoch in Ihrem häuslichen Arbeitszimmer, müssen Sie aufpassen. Nutzen Sie den Computer zu mehr als 10% privat, kann das Finanzamt dies zum Anlass nehmen, Ihnen die Kosten Ihres Arbeitszimmers abzuerkennen.

Achtung: Eine feste Obergrenze für die Größe eines Arbeitszimmers gibt es nicht. Wichtig ist die Größe der Gesamtwohnung und die Zahl der Bewohner.

2. Die Größe der Wohnung

Ist Ihre Wohnung, gemessen an der Zahl der Familienmitglieder, groß genug für ein Arbeitszimmer? Das bedeutet, die Anzahl der anderen Räume und die verbleibende Wohnungsgröße müssen für Ihre Familie ausreichend groß sein. Bei einer fünfköpfigen Familie in einer Vierzimmerwohnung wird das Finanzamt beispielsweise bezweifeln, dass das Arbeitszimmer zu 90% beruflich genutzt wird. Anerkannt wurden

  • ein 14 Quadratmeter großes Arbeitszimmer in einer 2- Zimmer-Wohnung eines Singles mit einer Gesamtfläche von rund 37 Quadratmetern. Arbeitszimmeranteil: 37,8%. (Hessisches FG, Az.: 2 K 3580/89)

  • ein 35 Quadratmeter großes Arbeitszimmer bei einer gesamten Wohnfläche des Hauses von 155 Quadratmetern. Arbeitszimmeranteil: 22,5%. (BFH, BStBl. 1985 II S. 467)

  • ein 16 Quadratmeter großes Arbeitszimmer in einer 70 Quadratmeter großen Wohnung eines kinderlosen Ehepaares. Arbeitszimmeranteil: 22,8%. (BFH, BStBl. 1989 II S. 509)

  • ein 16 Quadratmeter großes Arbeitszimmer in einer 63 Quadratmeter großen 3-Zimmer-Wohnung bei einem Ehepaar mit einem Kind, wenn das Wohnzimmer mit Elternschlafbereich und Küche kombiniert ist. Arbeitszimmeranteil: 25,4%. (Verfügung der OFD Düsseldorf, Az.: S 2525 A-St 121, TOP 6.2)

  • 3. Die Wohnungseinteilung

Das Arbeitszimmer muss von den übrigen Wohnräumen räumlich getrennt sein. Ein Arbeitszimmer in einer Diele, ein Arbeitszimmer, das durchquert werden muss, um in andere Räume zu kommen, ein Arbeitszimmer, das, abgetrennt durch einen Raumteiler oder Vorhang in einem anderen großen Zimmer eingerichtet ist oder ein Arbeitszimmer auf einer zum Wohnzimmer hin offenen Galerie erkennen die Finanzämter nicht an.

Ausnahme: Ein Arbeitszimmer, das Sie durchqueren müssen, um in ein Schlafzimmer zu gelangen.

Welche Nachweise das Finanzamt von Ihnen fordert

Wenn Sie Arbeitszimmerkosten zum ersten Mal in Ihrer Steuererklärung geltend machen, sendet Ihnen das Finanzamt meist einen Fragebogen zu, in dem Sie Angaben zur Größe der Wohnung, der Größe und Lage des Arbeitszimmers und zur Ausstattung machen müssen. Manchmal werden auch Grundrisse und Fotos angefordert. In seltenen Fällen nimmt das Finanzamt – nach vorheriger Terminabsprache und mit Ihrer Zustimmung – eine Ortsbesichtigung vor.

Nach den Verschärfungen der Vorschriften kommt dies in der Praxis nur noch in den Fällen vor, in denen Steuerzahler ihren Beruf aus dem häuslichen Arbeitszimmer ausüben und alle Kosten absetzen wollen. Und selbst dann nur, wenn diese überproportional ausfallen, beispielsweise, weil das Arbeitszimmer groß und die Einrichtung besonders luxuriös sind.

Ferner verlangt der Fiskus von Ihnen einen Nachweis über die Nutzung des Arbeitszimmers. Als Angestellter sollten Sie die mit Hilfe einer schriftlichen Bestätigung Ihres Arbeitgebers nachweisen. Darin muss Ihr Chef Ihnen bestätigen, dass Ihnen kein Schreibtisch am Arbeitsplatz zur Verfügung steht oder, dass Sie mindestens 50 Prozent Ihrer Arbeitszeit zu Hause tätig sind.

So tragen Sie Arbeitszimmerkosten in Ihrer Steuererklärung ein

  • Als Angestellter

Als Angestellter setzen Sie die Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers als Werbungskosten ab.

Praxis-Tipp: Alle Kosten in einer separaten Anlage auflisten und als Gesamtbetrag im Formular N unter dem Punkt „Werbungskosten“, Zeilen 45 bis 48 eintragen.

  • Als Selbstständiger

Nutzen Sie Ihr häusliches Arbeitszimmer als Selbstständiger, müssen Sie die gleichen Voraussetzungen erfüllen wie ein Angestellter.

Ausnahme: Sie betreiben Ihr Geschäft nur aus dem heimischen Arbeitsdomizil heraus. In diesem Fall können Sie alle Kosten als Betriebsausgaben Steuern mindernd absetzen.

In diesem Fall stellen Sie alle Kosten in einer separaten Rechnung zusammen und übertragen die Gesamtkosten in Ihre Einnahmen-Überschuss-Rechnung oder in Ihre Gewinn-und-Verlustrechnung.

Vorsicht: Als Selbstständiger droht Ihnen bei der Nutzung Ihres Arbeitszimmers weiteres Ungemach. Der Grund: Das Finanzamt macht Ihr häusliches Arbeitszimmer zu so genanntem „notwendigen Betriebsvermögen“.

Mit einer fatalen Folge: Geben Sie Ihre Selbstständigkeit Jahre später auf oder verkaufen Sie Ihre Firma/Praxis, müssen Sie die „stillen Reserven“, die in dem Arbeitszimmer „schlummern“, als Gewinn versteuern.

Je nach Größe des Arbeitszimmers und der Wertentwicklung Ihres Eigenheims oder Ihrer Wohnung können sich die steuerpflichtigen stillen Reserven auf einen fünfstelligen Betrag summieren.

Praxis-Tipp: Selbstständige sollten daher unbedingt vor dem Einzug in ihr häusliches Arbeitszimmer ihren Steuerberater fragen.

  • Als Immobilienbesitzer

Wenn Sie Ihr Arbeitszimmer zur Verwaltung Ihrer Immobilien nutzen wollen, machen Sie die Kosten als Werbungskosten aus Vermietung geltend.

Auch hier gilt: Listen Sie alle Einzelkosten auf einer Anlage separat auf und übertragen Sie die Summe in das Formular V, „Werbungskosten“, Zeilen 55 und 56.

Achtung: Wenn Sie an einen pingeligen Finanzbeamten geraten, könnte es durchaus vorkommen, dass dieser Ihr Arbeitszimmer nicht anerkennen will, wenn Sie nur ein oder zwei Vermietobjekte besitzen. Das Hessische Finanzgericht hatte dem Finanzamt in einem ähnlichen Fall Recht gegeben und das Arbeitszimmer nicht zum Werbungskostenabzug zugelassen.

  • Als Kapitalanleger

Auch wer sein eigenes Vermögen verwaltet und vor allem Zins- und Dividendeneinkünfte erzielt, kann die Kosten für ein Arbeitszimmer absetzen. Allerdings gilt auch hier: Der Fiskus achtet penibel darauf, dass die eigene Vermögensverwaltung eine gewisse Größenordnung besitzt.

Wer im Jahr gerade einmal 1.000 € Zinsen kassiert, wird kaum 1.250 € für sein Arbeitszimmer als Werbungskosten absetzen können. Zumal bei Dividenden und Spekulationsgewinnen das Halbeinkünfteverfahren gilt.

Das bedeutet: Sie brauchen nur die Hälfte zu versteuern, können aber auch nur die halben Werbungskosten absetzen.

Praxis-Tipp: Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, das häusliche Arbeitszimmer nicht oder teilweise als Werbungskosten aus Kapitaleinkünften (Formular Kap) anzusetzen.

Diese Arbeitszimmerkosten können Sie absetzen

Erfüllen Sie alle Steuervoraussetzungen, haben Sie die größten Hürden genommen. Nun geht es daran, die Kosten Ihres Arbeitsdomizils aufzulisten. Zu den abzugsfähigen Kosten eines Arbeitszimmers gehören die Raumkosten und die Anschaffungskosten für die Einrichtung und Ausstattung des Raums. Das Finanzamt akzeptiert nur die anteiligen Kosten für Ihr Arbeitszimmer an den Gesamtkosten für Ihre Wohnung oder für Ihr Eigenheim.

Alle abziehbaren Arbeitszimmerkosten

Nur für Eigentümer

  • Abschreibung (AfA) bei einem Arbeitszimmer im selbstgenutzten Eigentum. Die Höhe der AfA für Ihr Arbeitszimmer bemisst sich nach der Gebäude-AfA. Das sind jährlich 2% der anteiligen Anschaffungskosten, wenn das Gebäude ab dem 1.1.1925 errichtet wurde und 2,5% für bis zum 31.12.1924 errichtete Immobilien

  • Betriebskosten der Immobilie: Dazu zählen Strom, Gas, Heizung, Abwasser (Kanal), Schornsteinfeger, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Grundsteuer, Gebäudeversicherungen (etwa Feuer-, Elementar-, Leitungswasserversicherung), Öltankhaftpflichtversicherung, Rechtsschutzversicherung für Grundeigentümer

  • Beiträge zum Haus- und Grundbesitzerverein

  • Finanzierungskosten (Schuldzinsen, Disagio) für Kauf oder Bau Ihres Hauses/Ihrer Wohnung

Nur für Mieter

  • Miete und Nebenkosten wie Heizung

  • Strom

Für alle

  • Reparaturkosten für das Gesamtobjekt. Achtung, Eigentümer! Die monatliche Instandsetzungsrücklage können Sie nicht anteilig absetzen. Nur die Beträge, die für Reparaturen ausgegeben wurden

  • Versicherungsprämien für die Hausratversicherung

  • Kosten einer Putzfrau oder für Putzmittel

  • Renovierungskosten des Arbeitszimmers (Tapeten, Bodenbelag, Gardinen)

Achten Sie auf diese Hürde speziell für Eigenheimbesitzer: der Drittaufwand

Wenn Sie in einem Eigenheim oder in der eigenen Wohnung ein Arbeitszimmer absetzen wollen, prüfen die Finanzbeamten auch die Eigentumsverhältnisse.

Der Grund: Sie können nur solche Kosten absetzen, die Ihnen auch entstanden sind. So genannter Drittaufwand, also Kosten, die Sie nicht übernommen haben, können Sie auch nicht geltend machen.

Die Folge: Gehört die Immobilie beiden Ehepartnern je zur Hälfte, können Sie nur die halbe anteilige Abschreibung ansetzen. Gehört die Immobilie gar dem anderen Ehepartner allein, gehen Sie bei der Abschreibung völlig leer aus.

Ausnahme: Nur wenn beide Ehepartner je zur Hälfte Eigentümer der Immobilie sind und darin ein gemeinsames oder zwei getrennte Arbeitszimmer nutzen, erkennt der Fiskus die volle anteilige Abschreibung als Werbungskosten oder als Betriebsausgaben an.

So berechnen Sie die abzugsfähigen Kosten Ihres Arbeitszimmers

Zunächst ermitteln Sie den Anteil Ihres Arbeitszimmers an der Wohnfläche. Dazu benötigen Sie die Gesamtfläche (inklusive Arbeitszimmer) aller zu Wohnzwecken genutzten Räume. Nebenräume bleiben bei Ihrer Berechnung außen vor.

Arbeitszimmeranteil in %
=Fläche des Abeitszimmers x 100/gesamte Wohnfläche
Gesamtkosten x Arbeitszimmeranteil in %
=Abzugsfähige Kosten

Beispielrechnung für Eigentümer

Sie sind Eigentümer eines 180 Quadratmeter großen Eigenheims (Gesamtkosten ohne Grundstück: 250.000 €). Sie nutzen ein 25 Quadratmeter großes Zimmer für die Verwaltung Ihres Immobilienbesitzes. Ihre Gesamtkosten pro Jahr für die Immobilie (AfA, Zinsen und laufende Kosten) betragen:

AfA (2% on 250.00 €)5.000 €
Zinsen (5,5% von 200-00 €)11.000 €
Sonstige Kosten (Heizung, Versicherung, Strom etc.)4.000 €
Gesamtkosten20.000 €
Arbeitszimmeranteil in % (25 m² x 100/180 m²)13,9%
Der auf das Arbeitszimmer entfallende Kostenanteil:
20.000 € x 13,9%2.780 €
Der auf das Arbeitszimmer entfallende Kostenanteil:1.250 €

Fazit: Obwohl Sie anteilige Gesamtkosten von 2.780 € haben, können Sie für Ihr häusliches Arbeitszimmer maximal 1.250 € pro Jahr Steuern mindernd absetzen.

Der Rest (1.530 €) verfällt. Renovierungskosten oder besondere Ausstattungen (Beleuchtung, Gardinen, Bodenbelag) können Sie damit nicht mehr absetzen, nur noch Arbeitsmittel.

Genaues Rechnen lohnt: Arbeitsmittel sind ohne Obergrenze absetzbar

Die Abzugsbeschränkung gilt nicht für Einrichtungsgegenstände, die gleichzeitig Arbeitsmittel sind und zur Ausstattung des Raumes gehören. Die Aufwendungen hierfür muss der Fiskus zusätzlich zu den 1.250 € berücksichtigen.

Allerdings unter einer Voraussetzung: Sie müssen die Gegenstände „weitaus überwiegend“ beruflich nutzen. Das bedeutet: Sie dürfen sie maximal zu 10% privat nutzen.

ABC der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

GegenständeArbeitszimmerkosten Ausstattung

Arbeitsmittel
Abfalleimer, Papierkorb
Abschreibung (AfA)
Aktenvernichter
Anrufbeantworter
Beleuchtung
Beistelltisch
Besprechungstisch mit Sitzgruppe
Bilder und Poster
Blumen und Pflanzen
Bodenbelag (Parkett, Laminat, Kork, PVC)
Bücherschrank
Bücherregale
Büro- und Schreibmaterial, Schreibutensilien
CD-ROM für PC
Computer (PC) und Peripheriegeräte (z.B. Drucker, Scanner). Diese können nur zusammen mit dem PC abgesetzt werden
Diktiergerät
Disketten für PC
Fachbücher und Fachzeitschriften
Fax
Finazierungskosten des Gesamtgebäudes (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Finanzierungskosten für Arbeitsmittel und Einrichtungen
Gardinen
Hauskosten, z.B. Abgaben, Versicherungen, Müllabfuhr, Nebenkosten, Verwaltung (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Hausratversicherung (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Heizkosten (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Jalousien
Kalender, Zeitplaner
Kopierer plus Zubehör
Laptop
Leasingraten, z.B. für Kopierer
Miete für Wohnung, einschließlich Nebenkosten
Modem für PC (nur zusammen mit PC absetzbar)

Achtung: Liegen deren Anschaffungskosten unter 410 € (plus Umsatzsteuer) können Sie die Kosten im Kaufjahr in einer Summe als Werbungskosten absetzen. Liegt der Kaufpreis dagegen höher, müssen Sie die Kosten über die Nutzungsdauer des Gegenstands abschreiben.

Fünf Auswege, wenn das Finanzamt Ihr Arbeitszimmer doch nicht anerkennt

Sollten Sie die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht erfüllen, brauchen Sie nicht zu resignieren. Folgende Gestaltungsmodelle bieten sich an:

Arbeiten Sie woanders

Erfüllen Sie die neuen Voraussetzungen überhaupt nicht oder nur zum Teil, dann arbeiten Sie ab sofort im Wohnzimmer oder einem anderen Raum Ihrer Wohnung und setzen Sie in Ihrer Steuererklärung keinerlei Kosten für ein häusli-

GegenständeArbeitszimmerkosten/

Ausstattung

Arbeitsmittel
Monitor für PC (bis 410 Euro ohne Umsatzsteuer sofort absetzbar)
Pakett, Laminat, Korkbelag
Regale
Reinigungskosten
Renovierungskosten, dabei verwendetes Material/Werkzeuge
Reparatrurkosten, Gesamtgebäude (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Schreibmaschiene
Scheibtisch, -stuhl, -lampe
Software für PC (bis 410 Euro ohne Umsatzsteuer sofort absetzbar)
Stromkosten (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Tapeten
Telefon
Teppich und -boden
Zinsen für Hausfinazierung (entsprechend Arbeitszimmeranteil)
Zinsen für Arbeitsmittel

Schnellübersicht: Diese Nutzungsdauer erkennt der Fiskus an

Berufliche genutzter GegenstandNutzungsdauerAfA-Satz
Aktenvernichter8 Jahre12,5%
Anrufbeantworter5 Jahre20%
Büromöbel wie Schreibtisch, Bücherschrank, Regale, Stuhl13 Jahre7,7%
Diktiergerät5 Jahre20%
Faxgerät6 Jahre16,6%
Fotokopierer7 Jahre14,3%
PC, Notebook und Peripheriegeräte (Drucker, Scanner, Monitor)3 Jahre33,3%
Schreibmschiene9 Jahre11,1%
Stahlschränke14 Jahre7,1%
Telefon10 Jahre10%
Teppiche, normale8 Jahre12,5%
Tresor23 Jahre4,4%

Achtung: Diese Tabelle gilt für Gegenstände, die nach dem 1.1.2001 angeschafft wurden.

Praxis-Tipp: Selbst wenn das Finanzamt Ihr häusliches Arbeitszimmer steuerlich nicht anerkennt, können Sie trotzdem die Kosten für die vorstehend genannten, beruflich genutzten Einrichtungsgegenstände als Werbungskosten abziehen.

Praxis-Tipp: Die Vorschrift, bei einem häuslichen Arbeitszimmer müsse es sich um einen abgeschlossenen Raum handeln, wackelt. Das Niedersächsische Finanzgericht entschied, dass selbst eine Flur- oder die Essecke, also klassische Durchgangsbereiche in der Wohnung, als Arbeitszimmer steuerlich geltend gemacht werden können.

Vermieten Sie Ihr Arbeitszimmer an Ihren Chef

Überlassen Sie Ihrer Firma ein Zimmer in Ihrem Eigenheim und beziehen Sie dafür eine angemessene Miete. Diese ist zwar steuerpflichtig, doch können Sie im Gegenzug sämtliche Kosten (anteilige Miete oder Gebäudeabschreibung nebst Zinsen, Heizung, Strom) gegenrechnen.

Achtung: Das Mietverhältnis muss wie unter Fremden abgeschlossen werden (angemessene Miete, schriftlicher Vertrag, regelmäßige Mietzahlungen und Abrechnung der Nebenkosten).

Der Clou: Damit unterliegen Sie nicht den strengen Arbeitszimmer-Voraussetzungen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat diese Gestaltung jüngst abgesegnet.

Ziehen Sie doch in den Garten

Lassen Sie sich von der Muse in angenehmer Umgebung küssen, zum Beispiel in einem soliden und winterfesten Blockhaus im Garten. 12,5-Zentimeter-Bohlen, eine zusätzliche Isolierung und eine (Elektro-)Heizung machen diese „Freizeit“-Behausung selbst bei extremen Minusgraden bewohnbar – der Autor weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Nutzbare Grundfläche: 12 bis 20 Quadratmeter – bei Bedarf mehr. Kaufpreis: ab 5.000 €.

Praxis-Tipp: Wer unter einer bestimmten Höchstgröße bleibt, braucht keine Baugenehmigung (um 15 Quadratmeter, jedoch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Beim Hersteller erfragen).

Achtung: Kein (Beton-)Fundament anlegen, ein verfestigtes Kiesbett genügt. Darauf steht Ihre Arbeitszimmer-Blockhütte bombenfest. Das hat zudem den angenehmen Steuervorteil, dass Ihr „Arbeitshaus“ nicht als Immobilie, sondern als bewegliches Wirtschaftsgut gilt und Sie schon im ersten Jahr im günstigsten Fall 40 % des Kaufpreises plus Nebenkosten (z.B. für die Elektroinstallation und das Kiesbett) Steuern mindernd absetzen können (20 % degressive AfA plus 20 Prozent Sonder-AfA für Kleinunternehmen), plus (eventuell) 16 % Vorsteuerabzug.

Achtung: Seit 2002 darf die Sonder-AfA nur nutzen, wer zuvor die Anspar- Abschreibung in Anspruch genommen hat!

Selbst das Damoklesschwert des „notwendigen Betriebsvermögens“ brauchen Sie als Selbstständiger mit einem Gartenhaus nicht zu fürchten. Bei der Blockhauslösung fallen keine stillen Reserven an, schließlich verliert die Hütte ständig an Wert und einen „teuren“ Grundstücksanteil gibt es nicht. Nur die Blockhütte zählt zum Betriebsvermögen, nicht aber das Grundstück, auf dem sie steht. Immerhin können Sie die Hütte später problemlos abreißen und woanders wieder aufbauen.

Beachten Sie allerdings auch ein Negativurteil in Sachen Gartenhaus. Es stammt vom Finanzgericht (FG) des Saarlandes. In diesem lehnten die Richter den Steuern mindernden Abzug der Kosten „wegen nicht unbedeutender privater Mitnutzung“ kategorisch ab. Allerdings hatte sich der betroffene Steuerzahler ganz schön dilettantisch angestellt und dem Fiskus ein reines Gartenhaus präsentiert – mit der typischen Einrichtung (rustikaler Holztisch, diverse Gartengeräte) und keinerlei Arbeitszimmer-Atmosphäre.

Auch wenn sich dieses Urteil bis zu Ihrem Finanzbeamten herumgesprochen haben sollte und er Ihr Arbeitshaus unter Berufung auf dieses FG-Urteil ablehnt – lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen und legen Sie Einspruch ein. Schließlich wird Ihr Blockhaus wirklich beruflich genutzt. Das zeigt schon die Einrichtung mit Regalen, Büromöbeln, einem Schreibtisch und PC nebst Zubehör.

Übrigens: Es gibt schon positive Beispiele. So zeigt die Erfahrung des Herausgebers, dass es durchaus Finanzämter gibt, die ein derartiges „Arbeitshaus“ im Garten problemlos anerkennen – auch ohne Widerspruchs- oder gar Gerichtsverfahren. Achtung! Rechnen Sie mit unangemeldetem Besuch. Doch der kann Sie ja nicht schrecken.

Mieten Sie Ihr Arbeitszimmer

Mieten Sie sich ein aushäusiges Arbeitszimmer an, zum Beispiel bei Nachbarn oder Angehörigen. Es braucht nicht in unmittelbarer Nähe Ihrer Wohnung zu liegen und muss noch nicht einmal die üblichen Kriterien für ein häusliches Arbeitszimmer erfüllen (z.B. Ausstattung mit Dusche, Toilette und Kochnische). Dies entschieden das Finanzgericht München und das Finanzgericht Baden-Württemberg sowie das Kölner Finanzgericht.

Achtung: Damit können Sie sich sogar ein großes aushäusiges Arbeitsappartement zulegen. Denn ein solcher Raum, außerhalb Ihrer eigenen Privatwohnung, gilt steuerrechtlich nicht als häusliches Arbeitszimmer.

Die Folge: Sie können sämtliche Kosten (Miete, Nebenkosten, Renovierung, Einrichtung, Reinigung) als Werbungskosten oder Betriebsausgaben absetzen.

Dieser Trick zahlt sich sogar für den Vermieter aus. Zwar muss dieser die Mieteinnahmen versteuern, doch darf er im Gegenzug seine Kosten (Strom, Heizung sowie anteilige Miete oder Abschreibung) gegenrechnen. Selbst dann, wenn eine „Miete unter Freunden“ vereinbart wird. Vorausgesetzt, diese beträgt mindestens die 75% der ortsüblichen Miete (Mietspiegel).

Setzen Sie das Arbeitszimmer doppelt ab

Ehepaare oder Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft können das Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden doppelt absetzen.

Voraussetzung: Jeder der Partner erfüllt eine der drei Arbeitszimmer-Bedingungen. Zum Beispiel kann ein Lehrerehepaar in der Steuererklärung zwei Mal 1.250 € ansetzen.

30. Dezember 2003

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Lutz Schumann
Von: Lutz Schumann. Über den Autor

Lutz Schumann ist Fachautor zahlreicher Bücher und Software zum Thema Steuern.