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Wie Sie Ihre Rentenansprüche und Versorgungslücken ermitteln

Die von Bundesarbeitsminister Blüm im Jahr 1986 getätigte Aussage „Ihre Rente ist sicher“ hat sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt: Die heute 30 bis 40-jährigen wissen, dass ihre Altersversorgung allein von der gesetzlichen Seite her nicht gesichert werden kann.

Wer seinen Lebensstandard auch im Rentenalter in gewohnter Weise fortführen will, muss zwangsläufig aus eigener Tasche vorsorgen. Wie groß die Versorgungslücke sein wird, hängt vor allem von der Höhe Ihrer Rentenansprüche ab.

Wie Sie in drei Schritten Ihre persönlichen Rentenansprüche und Ihre Entgeltpunkte der Tabelle ermitteln

1. Schritt: So ermitteln Sie Ihre finanziellen Erwartungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung

Die folgende Rentenformel soll Ihnen einen Anhaltspunkt über die zu erwartenden Rentenansprüche geben. Die genaue Berechnung der Rente ist etwas kompliziert. Das liegt daran, dass die gesamte Versicherungsbiographie jedes einzelnen Versicherten vom ersten Eintritt in die Versicherung bis zum Rentenbeginn erfasst und bewertet werden muss.

Wenn Sie genau wissen wollen, was Sie aktuell von der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwarten haben, können Sie sich an einen Rentenberater oder an die zuständige Versicherungsanstalt wenden.

Die Höhe der Rente soll das Berufsleben des einzelnen so gerecht wie möglich widerspiegeln. Sie richtet sich deshalb vor allem nach der Höhe der Arbeitsverdienste, für die während des Arbeitslebens Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt wurden. Aber nicht nur Arbeitseinkünfte haben Einfluss auf die Rentenhöhe.

Auch die Rentenart und die Entwicklung der Löhne und der Steuern spielen eine Rolle. Nicht der Verdienst der letzten Arbeitsjahre ist für die Höhe der Rente maßgebend wie häufig fälschlicherweise angenommen wird, sondern die Arbeitsjahre und der Arbeitsverdienst des gesamten Lebens.

All diese Kriterien finden ihren Niederschlag in der Rentenformel, mit deren Hilfe die Monatsrente berechnet wird. Sie lautet:

Persönliche Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x Rentenartfaktor x aktueller Rentenwert = Monatsrente

Die einzelnen Faktoren haben für Ihre persönlichen Rentenansprüche folgende Bedeutung:

Persönliche Entgeltpunkte

In den persönlichen Entgeltpunkten, die ohne Tabelle berechnet werden können, steckt das Bruttoarbeitsentgelt der einzelnen Arbeitsjahre, von dem Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt wurden.

Dazu wird dieses Arbeitsentgelt durch das Durchschnittsentgelt desselben Jahres geteilt. Für jedes Kalenderjahr werden Ihre erreichten Entgeltpunkte errechnet und anschließend addiert.

Zeiten der Kindererziehung gelten als Pflichtbeitragszeiten. Auch Zeiten, in denen aus bestimmten Gründen (z.B. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schulausbildung) kein Beitrag gezahlt wurde, fließen als Anrechnungszeiten aber ebenso in die Rentenberechnung mit ein.

Der Wert für solche Zeiten richtet sich nach dem individuellen Verlauf des Arbeitslebens eines Versicherten. Das heißt: Je mehr Beitrags- und Berücksichtigungszeiten ab dem 16. Lebensjahr vorhanden sind, desto höher werden die beitragsfreien Zeiten bewertet. Sind umfangreiche Lücken vorhanden, schmälern sie den Wert der beitragsfreien Zeiten.

Der Zugangsfaktor

Dadurch, dass persönliche Entgeltpunkte mit dem Zugangsfaktor multipliziert werden, werden Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Bezugsdauer einer Rente ausgeglichen.

Der Rentenartfaktor

Der Rentenartfaktor bestimmt die Rentenhöhe. Während die Altersrente mit dem Faktor 1,0 angesetzt wird, weil sie den Lohn ersetzen soll, wird eine Berufsunfähigkeitsrente nur mit dem Faktor 0,6667 bewertet, denn ein Berufsunfähiger kann durchaus noch in einer anderen Tätigkeit dazuverdienen.

Der aktuelle Rentenwert

Der aktuelle Rentenwert entspricht dem Monatsbetrag, der sich nach einem Jahr Durchschnittsverdienst als Monatsrente in einem bestimmten Zeitraum ergibt. Immer zum 1. Juli eines Jahres wird der aktuelle Rentenwert in Abhängigkeit von Löhnen und Gehältern, demografischen Veränderungen und weiterer Faktoren angepasst.

Das Ergebnis der Rentenformel ist die Monatsrente. Sie entspricht aber nicht dem tatsächlich ausgezahlten Betrag, denn der Eigenanteil zum Krankenversicherungsbeitrag wird davon noch abgezogen.

Erhält der Rentner noch andere Renten oder Sozialleistungen, ist eine weitere Minderung der Rente möglich. Einfach erklärt: Damit die Rente hoch ausfällt, müssen Sie möglichst gut verdient und damit viele Entgeltpunkte gesammelt haben.

2. Schritt: Prüfen Sie, was Sie aus der betrieblichen Altersversorgung zu erwarten haben

Die betriebliche Altersversorgung stellt neben der gesetzlichen Vorsorge die zweite Säule innerhalb der gesamten Altersvorsorge dar. Am häufigsten ist hier die Versorgung durch eine Betriebsrente zu finden.

Grundlage für die Regelung der Betriebsrente ist das Betriebsrentengesetz von 1974: Danach gewähren fast alle Betriebe eine Rente bei Berufs oder Erwerbsunfähigkeit sowie eine Hinterbliebenenrente. Bei Berufsunfällen – auch bei Verkehrsunfällen von oder zu der Arbeit sowie bei Dienstreisen – gilt der Versicherungsschutz ab dem ersten Tag der Betriebszugehörigkeit.

Um die Höhe der Betriebsrente festzulegen, wählen die Unternehmen meist zwei Formen:

  • Die Betriebsrente errechnet sich als ein Prozentsatz des letzten Gehalts vor der Pensionierung. Diese Regelung ist auch üblich bei Beamten, d.h., das Versorgungsversprechen ist abhängig von der zuletzt innegehabten Position beziehungsweise bezogene Dotierung. Die meisten Betriebe legen jedoch eine Höchstgrenze der möglichen Betriebsrente fest, um eine eventuelle Überversorgung zu verhindern.
  • Die Betriebsrente errechnet sich aus der Anzahl der Dienstjahre, die jeweils mit den gestaffelten Gehaltsgruppen gekoppelt werden. Das heißt, die Jahre, in denen weniger verdient wurde, weil der Arbeitnehmer in einer niedrigeren Gehaltsgruppe war, machen sich entsprechend negativ bei der Festlegung der Betriebsrente bemerkbar.

Die betriebliche Altersversorgung stellt auf der einen Seite eine vom Unternehmen erbrachte Sozialleistung dar, die für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Vorteile mit sich bringt, auf der anderen Seite jedoch benachteiligt sie Arbeitnehmer, die in Betrieben ohne betriebliche Altersversorgung arbeiten.

Prüfen Sie bei der Feststellung Ihrer Versorgungslücke die Ansprüche, die Ihnen aus der betrieblichen Altersversorgung zustehen. Sollte Ihr Betrieb keine Leistungen erbringen, wäre es angebracht, eventuell über eine Direktversicherung Lücken in der Altersversorgung zu schließen.

3. Schritt: So können Sie Ihre persönliche Versorgungslücke berechnen

Die Basis für die Notwendigkeit Ihrer privaten Vorsorge ist Ihr persönlicher Vorsorgebedarf nach Eintritt in den Ruhestand.

Zwischen dem vor dem Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit erreichten Einkommen und der gesetzlichen Rente ergeben sich starke Differenzen, die allgemein Versorgungs-, Vorsorge- oder Rentenlücke genannt werden. Ganz gleich wie die Rentenfinanzierung in den nächsten Jahren geregelt wird, diese Versorgungslücke wird für den einzelnen eher noch größer als kleiner.

Im Klartext: Was nicht durch die gesetzliche Rentenversicherung oder betriebliche Zusatzversorgung abgedeckt ist, muss von Ihnen privat angespart werden. Besonders betroffen von der Versorgungslücke sind die sogenannten „Besserverdienenden“, deren Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung im Monat übersteigt.

Sie merken den Unterschied zwischen dem letzten Gehalt und der ersten gesetzlichen Rente besonders stark. Im Extremfall müssen sie mit 20 bis 30% des letzten Nettoeinkommens zurechtkommen, wenn keine betrieblichen Renten oder private Ersparnisse hinzukommen.

Der Grund für das Entstehen dieser Lücke: Durch die genannte Beitragsbemessungsgrenze wird die maximal erreichbare Höhe der Rente nach oben begrenzt. Als Grundsatz gilt: Je höher die Bruttobezüge während der Berufstätigkeit waren, desto größer fällt die Versorgungslücke aus.

Wenn Sie diese Lücke zwischen dem letzten Nettoeinkommen vor der Pensionierung und den gesetzlichen plus betrieblichen Rentenansprüchen schließen wollen, müssen Sie rechtzeitig eine private Altersversorgung planen!

Für die Ansprüche im Rentenalter kann es keine allgemeinverbindlichen Zahlen geben, da neben den individuellen Erwartungen und Wünschen auch die persönlichen Ziele als Rentner sowie die wirtschaftlichen Grundvoraussetzungen wie zukünftige Inflation oder Steuerbelastung sehr stark schwanken können.

Als Faustregel wird für einen sorgenfreien und finanziell abgesicherten Ruhestand vom Statistischen Bundesamt eine Gesamtversorgung in Höhe von 70% des letzten Bruttoeinkommens als optimal angesehen. Alternativ dazu gibt es Vorschläge, die in Abhängigkeit vom vorhandenen Vermögen ein Einkommen von etwa 70% des Nettoeinkommens als ausreichend ansehen.

Beachten Sie, dass Sie als Rentner zwar keine Sozialversicherung zahlen müssen und die Renten wegen des geringen zu versteuernden Ertragsanteils weitgehend steuerfrei bleiben, die Ausgaben für die Krankenversicherung und eventuelle persönliche Wünsche im Alter aber eher ansteigen.

31. August 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.