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Wie Sie mit Altersteilzeit früher in den Ruhestand gehen

Viele Arbeitnehmer träumen davon, eher in Rente zu gehen, können sich dies jedoch nicht leisten. Doch es gibt einen Weg, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, sofern Ihr Arbeitgeber mitspielt: Altersteilzeit.

Dabei gibt es zwei unterschiedliche Modelle, bei denen Sie entweder Ihre Arbeitszeit bis zur Rente um 50% zurückfahren oder die Hälfte der Zeit voll arbeiten und dann zu Hause bleiben.

Zwei Modelle für Altersteilzeit

Altersteilzeit wird in der Praxis meist per Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung geregelt. Darüber hinaus gibt es für den Arbeitgeber keine Pflicht, einer Regelung zur Altersteilzeit zuzustimmen.

Zur Auswahl stehen zwei verschiedene Modelle: das Gleichverteilungsmodell und das Blockmodell. Bei beiden wird die die aktuelle Arbeitszeit des Mitarbeiters halbiert, auf mehrere Jahre gestreckt wird und ist mit einem Gehaltsverzicht verbunden.

Beim Gleichverteilungsmodell wird die Arbeitszeit halbiert und gleichmäßig über die gesamte Phase der Altersteilzeit verteilt. Das Blockmodell dagegen hat zwei gleich lange Phasen, wobei der Mitarbeiter in der ersten Phase Vollzeit arbeitet und in der zweiten Phase freigestellt wird. Während der gesamten Altersteilzeit erhält er ein reduziertes Gehalt, bis die reguläre Altersrente einsetzt.

Voraussetzungen für Altersteilzeit

Um Altersteilzeit in Anspruch nehmen zu können, muss ein Arbeitnehmer zwei Voraussetzungen erfüllen: Zum einen muss er das 55. Lebensjahr vollendet haben und zum anderen in den letzten 5 Jahren vor Beginn der Altersteilzeit mindestens 1080 Kalendertage versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein.

Weiterhin muss das Ende der Altersteilzeit immer zwingend auch der Beginn der gesetzlichen Altersrente ist. Zwar sind auch längere Zeiträume bis zu 12 Jahren denkbar, doch in der Praxis dauert die Altersteilzeit in der Regel zwischen 3 und 6 Jahren.

Was Altersteilzeit für die Gehaltszahlung an die Mitarbeiter bedeutet

Neben der Arbeitszeit werden auch die Gehaltszahlungen halbiert.  Jedoch muss der Arbeitgeber das hälftige Gehalt um mindestens 20% der regelmäßigen monatlichen Zahlungen (Regelarbeitsentgelt)aufstocken. Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld oder erstattete Überstunden zählen dabei nicht. Darüber hinaus entrichtet der Arbeitgeber zusätzliche Rentenbeiträge.

Dabei muss er mindestens 80%, höchstens aber 90% der Beiträge einzahlen, die für das Regelarbeitsentgelt fällig wären. Für diesen zusätzlichen Rentenversicherungsbeitrag zahlt der Chef auch die Arbeitnehmeranteile. Das gilt für den ganzen Zeitraum der Altersteilzeit. Auf diese Weise werden die durch das reduzierte Gehalt bedingten Renteneinbußen abgemildert.

Zwar werden die Aufstockungsbeträge nicht selbst besteuert, doch bei der Berechnung des individuellen Steuersatzes werden sie dem übrigen Einkommen hinzugerechnet. Dadurch müssen Arbeitnehmer auf ihr normales vermindertes Arbeitsteilzeitgehalt einen geringfügig höheren Steuersatz zahlen.

Beispiel zur Altersteilzeit

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer ist 59 Jahre alt und möchte mit 65 in Rente gehen. Er entscheidet sich für das Blockmodell. Bis zum 62. Lebensjahr arbeitet er voll. Danach wird er freigestellt und mit 65 schließt sich direkt die Rente an:

Arbeitsentgelt pro Monat2.000 €
50% des Arbeitsentgelts1.000 €
20% Aufstockung durch Arbeitgeber200 €
Arbeitsentgelt während Altersteilzeit1.200 €
Arbeitgeberanteil Rentenversicherung für 2016 (50% x 18,7% x 1.200 €)112,20 €
Zusätzlicher Arbeitgeberanteil in die Rentenversicherung (18,7 % x 30% x 1.200 €)67,32 €
Arbeitnehmeranteil Rentenversicherung für 2016 (50% x 18,7% x 1.200 €)112,20 €

Das Gehalt des Arbeitnehmers wird also vom Arbeitgeber um 20% aufgestockt und der Arbeitgeber zahlt zusätzlich zu seinem Arbeitgeberanteil von 50% weitere 30% in die gesetzliche Rentenversicherung des Arbeitnehmers ein, für die er sowohl den Arbeitgeber- als auch den Arbeitnehmeranteilübernimmt.

Prüfen Sie vorher, ob Sie sich Altersteilzeit leisten können

Zwar ist Altersteilzeit attraktiv, weil man für die halbe Arbeit das halbe Gehalt und wegen der steuerfreien Aufstockung mindestens 70% des früheren Nettogehaltes sowie mindestens 80% der früheren Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung erhält. Aber um finanzielle Einbußen kommt man trotzdem nicht herum.

Deshalb sollten Sie vorher gründlich prüfen, was für laufende Kosten und  finanzielle Verpflichtungen Sie haben und ob gegebenenfalls Kapitalrücklagen vorhanden sind.

2. Februar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Dr. Jürgen Nawatzki
Von: Dr. Jürgen Nawatzki. Über den Autor

Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Dr. Jürgen Nawatzki u. a. als Finanzberater tätig und hat individuelle Lösungen zur Vorsorge, Immobilienfinanzierung und zum Kapitalaufbau für Privatkunden entwickelt. Als Autor möchte er seinen Lesern Informationen und Hintergrundwissen zu Wirtschafts- und Finanzthemen liefern.