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Wirtschaft, Banken, Anleger – warum Hillary Clinton berechenbarer ist

Zinsen, Währung, Börsen, Wirtschaft – die USA geben stets den Ton an. Von deren Entwicklung und Veränderungen sind die Finanzmärkte weltweit betroffen. Anleger schauen daher gespannt auf die Präsidentschaftswahl: Donald Trump oder Hillary Clinton? Die Wirtschaftspolitik steht dabei im Fokus.

Im Detail sind die Auswirkungen vorab nur in Umrissen absehbar. Der Wahlkampf ist naturgemäß von teils extremen Positionen und Versprechen bestimmt. Was realistisch ist und dann in der Amtszeit tatsächlich umgesetzt wird, steht oft auf einem anderen Blatt. Auch Obama konnte einige Vorsätze nicht verwirklichen.

Hillary Clinton: Wirtschaftspolitik ohne Unsicherheiten

Vieles hängt von den mächtigen Verbänden ab und davon, wie sich eine Einigung mit ihnen erzielen lässt. Die Wallstreet beispielsweise käme grundsätzlich mit beiden Kandidaten zurecht. Mit Trump, weil er die Rücknahme der restriktiveren Reformgesetze nach der Finanzkrise abschaffen will. Mit Clinton, weil sie schlichtweg berechenbarer ist. Mit ein paar Regularien kann sich die Hochfinanz arrangieren, solange es nicht ans Eingemachte geht. Und nichts ist schlechter für die Börsen als Unsicherheit.

Während Trumps teils sprunghafte Extrempositionen vom Populismus getrieben und nicht völlig durchdacht erscheinen, beruht Hillary Clintons Wirtschaftspolitik auch auf eigener politischer Erfahrung. Immerhin hat sie als Senatorin in Washington acht Jahre lang die Interessen New Yorks und damit der Wall Street vertreten. Die käme mit Clintons Plan, das System der Schattenbanken und extreme Hedgefonds-Aktivitäten besser zu kontrollieren, durchaus klar.

Außenwirtschaftliche Erfahrungen

An Marktverzerrungen und Unsicherheiten eben haben die Börsen selbst wenig Interesse. Die Banken jedenfalls unterstützen Clintons Kampagne deutlich stärker als die von Trump. Eindeutig geringer indes ist die Zustimmung bei den rund 28 Millionen Kleinunternehmen. Die lassen sich eher von den protektionistischen Vorstellungen und dem Selfmademan-Gehabe eines Donald Trump mitreißen.

Doch in einer globalen Wirtschaft kann Amerika kaum als abgeschottete Insel bestehen. Hier beruht Hillary Clintons Wirtschaftspolitik auf ihren Erfahrungen als Außenministerin während Obamas erster Amtszeit. Die bekennende Internationalistin besuchte mehr Länder als ihre Vorgänger und trieb unter anderem das Abkommen über die Transpazifische Partnerschaft (TPP) voran.

Mit dessen Ergebnis aber ist sie nun unzufrieden. Ihrer Ansicht nach kommen die Interessen von Bürgern und Verbrauchern zu kurz. Ebenso sieht sie beim umstrittenen TTIP-Abkommen die Jobs vieler Amerikaner in Gefahr. Damit rückt sie, auch auf Druck der Gewerkschaften, nach links und findet sich ungewollt auf einer Linie mit Donald Trump, der das Ganze wiederum von rechts her aufzieht.

Zwei Experten: Die Clintons im Doppelpack

Kritiker werfen ihr vor, von ihrer Linie abzuweichen, nur um auf Wählerstimmen zu schielen. Ein Widerspruch und nun doch Unsicherheit? Nicht unbedingt. Mit ihrer Erfahrung, auch beim Nafta-Abkommen als First Lady unter Bill Clinton, wäre es ihr zuzutrauen, inhaltlich eine Balance auszuhandeln, mit der die meisten Beteiligten leben können. Unterschiedliche Detailvorstellungen müssen nicht zwangsläufig im schädlichen Protektionismus enden.

Um der Sache Glaubwürdigkeit zu verschaffen, soll Hillarys Mann Bill als künftiger „First Husband“ eine wichtige Rolle in der Wirtschaftspolitik spielen. Tatsächlich steht dessen Amtszeit für Wirtschaftswachstum und niedrige Arbeitslosigkeit. Andererseits hatte etwa seine Deregulierung der Finanzmärkte zu späteren Verwerfungen geführt, die Hillary jetzt bekämpfen will.

Bill Clinton wiederum hatte bereits 2010 eingestanden, dass es ein Fehler war, auf seine damaligen Berater zu hören. Für ihn ist die fatale Entwicklung auf dem Derivatemarkt, die in der Finanzkrise endete, eine Lehre aus der Vergangenheit. Um diese Erfahrung sind er und Hillary allemal reicher.

28. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.