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Die Tulpenmanie: Eine der ersten Krisen der Geschichte

Die Tulpenmanie fand zwischen 1634 und 1637 in den Niederlanden statt. Heutzutage ist es schwer, den Kursabfall in Zahlen festzumachen.

Dennoch belegen Dokumente, dass ein Tulpe zwischenzeitlich so viel wert war wie ein komplettes Grundstück. Kurz nach dem Preisabfall hatte eine Tulpe hingegen nur noch den Wert einer gewöhnlichen Zwiebel.

Tulpenmanie beginnt in den Niederlanden

Im Jahre 1539 wurden Tulpen aus der Türkei eingeführt und in den Folgejahren in den Niederlanden angepflanzt. Die neu entdeckte Blume galt als neuester Trend unter den wohlhabenden Adelsleuten und war demnach heiß begehrt. Die Preise für die ungewöhnliche Blume stiegen daher langsam an.

Nach kurzer Zeit wurden die niederländischen Tulpen von einer Krankheit befallen, die sich Mosaikvirus nannte. Diese sorgte jedoch nicht dafür, dass die Tulpenpopulation abnahm, sondern vielmehr für ein viel bizarreres Schauspiel. Befallene Pflanzen wurden fleckig, meist in grell leuchtenden Farben, die die einzelnen Blütenblätter wie Flammen schmückten.

Die Farbenspiele waren dabei von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich, was die Blüten für Sammler und reiche Bürger umso interessanter machte. Waren die Tulpen schon vorher sehr teuer gewesen, stieg der Preis für besonders schöne Exemplare nun in heutzutage unvorstellbare Höhen.

Wirtschaftskrise durch Handel mit Tulpen

Zahlreiche Anleger versuchten nun, in den Handel mit den wertvollen Blumen einzusteigen und vom steigenden Gewinn zu profitieren – der Markt begann, seine Grenzen zu sprengen. Die Tulpenzüchter der damaligen Zeit versuchten natürlich, die Preise weiter in die Höhe zu treiben. Sie hielten die Zwiebeln der Pflanze zurück und sorgten damit für weniger Nachschub bei weiter steigender Nachfrage.

Schon bald stiegen die Preise so schnell, dass viele Bürger ihre Ländereien und sämtliche Ersparnisse verkauften, um in den Tulpenhandel einzusteigen. Viele Holländer waren überzeugt, die Tulpenzwiebeln mit großen Profit an unbedarfte Ausländer weiterverkaufen zu können – und wenige Wochen später in Reichtum zu leben.

Ihren Höhepunkt erreichte die Wirtschaftskrise am 5. Februar 1637, als bei einer Versteigerung in Alkmaar für 99 Posten Tulpenzwiebeln rund 90.000 Gulden geboten wurden – eine für die damalige Zeit unvorstellbare Summe.

Blasenbildung im Tulpen-Sektor

Es muss nicht erwähnt werden, dass diese Preise in keinerlei Verhältnis zu dem realen Wert der Blume standen. Wie in jeder Blase kam es auch hier dazu, dass immer mehr Tulpenbesitzer ihre Ware verkauften, um ihre Gewinne zu sichern.

Je mehr Tulpen angeboten wurden, desto niedriger sank der Preis. Ein Dominoeffekt setzte ein, der schnell in Panik überging. Schon wenige Wochen nach der Auktion war den Verkäufern jeder Preis recht.

Händler versuchten, sich aus bestehenden Verträgen heraus zu stehlen und vielen Bürgern wurde jetzt erst klar, dass sie ihre Häuser für ein wertloses Stück Grünzeug verkauft hatten. Angst machte sich im ganzen Land breit, so dass schließlich sogar die Regierung einschreiten musste. Sie versprach, 10 Prozent jedes geschlossenen Vertrages zu finanzieren.

Ein wertloses Versprechen, denn weitere Preisstürze machten dieses Versprechen unmöglich. Niemand blieb von dieser Blase verschont. Selbst die Bürger, die Ihre Gewinne frühzeitig gesichert hatten, litten in der Folge unter der Depression, die im ganzen Land einsetzte.

Die Holländer lernten aus ihren Fehlern und hielten sich lange Zeit aus Marktspekulationen heraus. Die erste Wirtschaftskrise hatte ihre Wirkung also nicht verfehlt, weniger als ein Jahrhundert später fand die nächste Krise ihren Höhepunkt.

17. August 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.