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Wirtschaftskrisen überstehen mit dem richtigen Aktien-Schutz

Gerade Börsenanfänger sind schnell der Meinung, dass man sich bei jeder etwas eintrübenden gesamtwirtschaftlichen Lage von seinen Aktien trennen sollte. Doch nichts könnte falscher sein.

Bei konjunkturellen Problemen verlieren zwar viele Aktien stark an Wert, doch eben längst nicht alle.

Anhand der 9 Aktienauswahl-Tipps, die wir Ihnen jetzt hier vorstellen, finden Sie Aktien, mit denen Sie auch heftigere Wirtschaftskrisen unbeschadet überstehen.

Aktienauswahl-Tipp 1: Preissetzungsmacht

Das Unternehmen muss eine Preissetzungsmacht besitzen und in der Lage sein, steigende Kosten schnell auf die Kunden abwälzen zu können.

Ein möglicher Indikator für eine große Preissetzungsmacht ist ein bekannter Markenname. Ein bekannter Markenname bietet gleich mehrere Vorteile. Zum einen erleichtert das die weltweite Expansion, zum anderen sind Kunden/Konsumenten bereit, für Markenartikel mehr Geld zu bezahlen.

Unternehmen mit einer starken Marke besitzen also eine starke Preissetzungsmacht.

Unternehmen wie Nestlé oder Coca- Cola können auch in schwierigen Zeiten deutlich höhere Preise durchsetzen als die „No-Name-Konkurrenz“.

Aktienauswahl-Tipp 2: Globale Präsenz

Eine Konjunkturkrise trifft nicht jedes Land, nicht jeden Markt, mit gleicher Wucht. Es gibt immer Länder und Regionen, die besonders „im Feuer“ stehen und gleichzeitig andere Länder, die sich relativ wacker halten.

In der Krise 2008/2009 haben zum Beispiel viele Länder in Asien den Wachstumskurs halten können.

Unternehmen, die in diesen Märkten vertreten waren, konnten so die Verluste in westlichen Märkten abfangen.


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Aktienauswahl-Tipp 3: Geringer Cashflow

Nur ein kleiner Teil des Mittelzuflusses (Cashflow) sollte wieder in das Unternehmen investiert werden müssen.

Bevorzugen Sie Unternehmen, die in einer Konjunkturkrise schnell den Gürtel enger schnallen können. Als Faustformel gilt: Wenn durchschnittlich nicht mehr als 40% des Cashflows investiert werden müssen, reicht der Puffer für Dividenden und Rücklagen.

Wichtig ist daher, dass die notwendigen Investitionen gesteuert werden können.

Muss ein Unternehmen auch in der Krise permanent viel investieren (typische Branchen mit hohen Investitionszwängen sind Anlagen- und Maschinen bau, Automobil- und Baubranche), kann es passieren, dass das operative Geschäft dafür nicht genug Geld abwirft und die Investitionen mit Hilfe von Krediten finanziert werden müssen, oder eine technologische Weiterentwicklung verpasst wird und der Maschinenpark veraltet.

Aktienauswahl-Tipp 4: Hohe Eigenkapital-Quote

Entscheidend ist weiterhin eine niedrige Verschuldung (= hohe Eigenkapital-Quote).

Eine solide Eigenkapital-Quote von mindestens 30% sorgt dafür, dass die Unternehmen in Krisen-Zeiten ein finanzielles Polster besitzen.

Bei Unternehmen mit Eigenkapital-Quoten von unter 20 oder sogar unter 10% stellt sich dagegen die Frage, wie die nächste Konjunkturkrise überstanden werden soll und wer im Unternehmen die Macht hat.

Aktienauswahl-Tipp 5: Güter des täglichen Bedarfs

Sämtliche Auswertungen zeigen, dass Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs herstellen (von der Flasche Wasser, über Toilettenpapier bis hin zur Zahnpasta), in der Krise die besten Überlebens-Chancen besitzen.

Diese Güter müssen immer gekauft werden und damit verdienen die Produzenten immer Geld. Zyklische Aktien von Unternehmen, die stark von der Konjunkturentwicklung abhängen, eignen sich dagegen nicht als langfristige Depot-Positionen.

Sie sollten zyklische Aktien als kurz- und mittelfristige Anlage-Chancen betrachten.

Aktienauswahl-Tipp 6: Gute Dividende-Zahlungen

Die Dividende gehört zu Ihren wichtigsten Einnahmequellen. Je nach Untersuchungszeitraum sind Dividenden für 40 bis 60% der Gesamt-Performance der Aktienanlage verantwortlich.

Mit Aktien, die regelmäßig hohe Dividenden ausschütten, haben Sie schon die halbe Ernte im Sack. Wichtig ist dabei eine stetige Dividendenpolitik.

Zahlt ein Unternehmen regelmäßig Dividenden, ist das ein Hinweis darauf, dass das Geschäftsmodell in guten und schlechten Konjunkturzeiten funktioniert. Unternehmen können kurzfristig die Aktionäre täuschen und Dividenden aus der Substanz zahlen, aber auf Dauer ist das nicht möglich.

Aktienauswahl-Tipp 7: Erfahrung durch gemeisterte Krisen

Wie krisenfest ein Geschäftsmodell ist, zeigt sich letztendlich nur in der Praxis. Jede Konjunkturkrise löst eine Pleitewelle aus.

Wenn ein Unternehmen mehrere Krisen erfolgreich gemeistert hat und anschließend sogar wieder gewachsen ist, bürgt das für eine gewisse Qualität.

Aktienauswahl-Tipp 8: Einfaches Geschäftsmodell

In der Krise sind einfach zu verstehende Geschäftsmodelle erfolgreicher. Die schwierigen Börsenphasen 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009 haben gezeigt, dass Unternehmen mit einem einfachen Geschäftsmodell Schwankungen erfolgreich überstehen und von den Investoren auch besser kontrolliert werden können.

Die Kontrollmöglichkeit ist wichtig, da jede Aktien-Position regelmäßig überprüft werden muss. Beim Aktienkauf sollten Sie langfristig denken und investieren.

Das bedeutet aber nicht, dass es eine Nibelungentreue gibt. Ändern sich Rahmenbedingungen, muss jede Depot-Position kritisch hinterfragt werden.

Aktienauswahl-Tipp 9: Aktionäre verdienen Geld

Die bisher genannten Kriterien sind wichtig, aber ein abschließender Punkt darf nicht fehlen: Mit diesen Aktien wollen Sie langfristig Geld verdienen.

Aktien, die trotz der Crash-Phasen 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009 den Besitzern einen Gewinn gebracht haben, sind die echten Gewinner und werden auch in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit hohe Gewinne abwerfen.

Wichtig: Es darf nicht nur die Kursentwicklung berücksichtigt werden. Auch die Dividenden fließen mit in die Rechnung ein. Wie bereits beschrieben, machen Dividenden oft rund 50% der Gesamtperformance aus.

Das sind die Kriterien für Ihren erfolgreichen Aktien-Check. Testen Sie, wie viele DAX-Werte alle Kriterien erfüllen. Das Ergebnis wird Sie überraschen.

9. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.