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Wirtschaftsliberalismus: Definition und heutige Auslegungen

Die Idee des Wirtschafsliberalismus stammt aus dem 18. Jahrhundert und schlägt auch in heutigen Diskussionen noch hohe Wellen. Gerade im Rahmen der Eurokrise werden die Kontrollmechanismen der Staaten über die Wirtschaft wieder in Frage gestellt. Politiker wie Frank Schäffler von der FDP schreiben sich den Wirtschaftsliberalismus auf die Fahne und üben Kritik an den Rettungspakten der EU.

Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände lehnen die Ideen des Wirtschaftsliberalismus ab, da sie die Rechte von Arbeitnehmern dem Gewinnstreben der Unternehmen untergeordnet sehen. Investoren und Anleger dagegen wollen keinen zu großen Einfluss des Staates in die Finanzmärkte.

Aber was ist Wirtschaftsliberalismus eigentlich, welchen Einfluss haben die Ideen von vor über 200 Jahren in der Politik und auf unser Leben heutzutage?

Entstehung des Wirtschaftsliberalismus

Der Wirtschaftsliberalismus entstand aus den Zwängen, denen das Unternehmertum in der Zeit des Merkantilismus  unterworfen war.  Die Grundidee des Wirtschaftsliberalismus entspringt dem Werk „Wohlstand der Nationen“ des Philosophen Adam Smith, der auch als Erster versuchte das Werteparadoxon aufzulösen.

Die Theorie von Smith geht davon aus, dass der Staat keine Kontroll- oder Steuerfunktion über wirtschaftliche Vorgänge einnimmt. Der Markt soll sich selber über Angebot und Nachfrage regulieren.

Die Ansätze von Smith wurden in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Der britische Nationalökonom David Ricardo fügte den Ansatz von Freihandelsabkommen zur Steigerung des weltweiten Wohlstandes hinzu.

Wirtschaftsliberalismus: Problem der Definition und der Haken an der Sache

Der Wirtschaftsliberalismus ist nur ein Teilbereich der Gesamtidee des Liberalismus. Da es sich zudem um eine Theorie handelt, die über viele Jahre und von vielen Menschen entwickelt wurde, ist eine eindeutige Definition nicht möglich. Es gibt aber drei Kernaussagen die jedem Ansatz des Liberalismus zu Grunde liegen:

1. Der Individualismus: Die Freiheit und das wirtschaftliche Streben des Einzelnen wird über die wirtschaftlichen Interessen der Gemeinschaft gestellt

2. Der Utilitarismus: Die Förderung der Nutzenmaximierung des Einzelnen führt zur Maximierung des Wohlstandes für die Gemeinschaft

3. Der Rationalismus: Der rationale Geist ist dem Gefühl überlegen. Logische wirtschaftliche Entscheidungen sind für den Einzelnen und somit auch für die Gemeinschaft nützlicher als emotionsgesteuerte Entscheidungen.

Wie bei vielen Wirtschaftstheorien und philosophischen Ansätzen liebt auch beim Wirtschaftsliberalismus der Haken in der Umsetzung. Der 3. Grundpfeiler, der Einsatz des rationalen Geistes, wurde und wird zu oft der kurzfristigen Gewinnmaximierung geopfert.

Als bestes Beispiel dient hier der Faktor der Arbeitskraft. Wird die Arbeitskraft nur nach Angebot und Nachfrage entlohnt, führt dies zu sozialen Missständen. Ein Punkt der sich auch in den heutigen Verhandlungen um einen tariflichen Mindestlohn wiederspiegelt.

Streitthema Wirtschaftsliberalismus in der Politik: etwas verwirrend

Schon der Begriff Wirtschaftsliberalismus sorgt in der Politik für Meinungsverschiedenheiten. Auf der einen Seite ist eine politische Richtung, die sich selber als Neoliberal bezeichnet und den Einfluss des Staates ins Unternehmertum einschränken will.

Hier geht es in der Hauptsache um die Tariffreiheit und Sozialleistungen.  Einige dieser Politiker sprechen sich aber für gezielte Steuervorteile bestimmter Unternehmensgruppen aus, was eine staatliche Einmischung in den Wettbewerb darstellt und der Idee des Wirtschaftsliberalismus entgegensteht.

Auf der anderen Seite wird das Wort Wirtschaftsliberalismus schon fast als Schimpfwort benutzt und eine strengere Regulierung durch den Staat befürwortet. Ein Teil dieser Politiker prangert aber auch die Bankenrettung in Rahmen der Finanzkrise an. Somit sprechen sie sich gegen eine Einmischung des Staates aus und für eine der Grundlagen des Wirtschaftsliberalismus.

Wirtschaftsliberalismus ist kein Kochrezept

Der Wirtschaftsliberalismus ist eine Idee, ein Konzept, eine Theorie und keine Anleitung für ein perfekt funktionierendes System.

Der Wandel, der in der Zeit der Entstehung des Wirtschaftsliberalismus hervorgerufen wurde, war wichtig für die Gesamtentwicklung der Gesellschaft. Die Weiterentwicklung der ersten Ansätze zum Ordoliberalismus bildet die Grundlage für unsere heutige soziale Marktwirtschaft.

Für die zukünftige Entwicklung unserer Wirtschaftssysteme könnte es helfen, sich auf den Wortstamm des Begriffes Liberalismus zu besinnen. Vom lateinischen Wort  „Libera“ für „Frei“ wird der Bezug auf die freie Entscheidung abgeleitet.

Libera steht aber auch für eine edle Gesinnung. Wer also mit den Vorteilen durch eine wirtschaftliche Freiheit edel umgeht, der könnte den Ansatz zur besseren Umsetzung des Wirtschaftsliberalismus gefunden haben.

19. April 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rüdiger Dalchow. Über den Autor

Seit 1995 ist er selber aktiv an den Märkten tätig und hat dabei sowohl Hochs als auch Tiefs erlebt. Aus dieser Erfahrung heraus ist es sein Ziel, dem privaten Anleger oftmals zu kompliziert dargestellte Zusammenhänge an der Börse möglichst einfach, aber dennoch effektiv näherzubringen. Seit 2011 führt sein Blog www.aktienhandel-einsteiger.de mit interessanten Fachartikeln und Interviews durch das Aktiendickicht.