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Wirtschaftswachstum in Deutschland: keine Euphorie trotz guter Zahlen

Das deutsche Wirtschaftswachstum ist nun doch stärker ausgefallen als angenommen – sowohl im letzen Jahr als auch für die Prognose 2015.

Es erklärt sich unter anderem mit einer stärkeren Binnennachfrage durch allgemein gesunkene Preise und der boomenden Exportindustrie.

Rekordbeschäftigung und Überschüsse

Es war fast wie eine Wette. Mit Blick auf dieses Jahr ging im Dezember die Bundesbank von 1% Wachstum aus, die Prognose der EU-Kommission lautete 1,5%. Brüssel hat offensichtlich Recht behalten. Mittlerweile hat auch die Bundesbank ihre Zahlen nach oben korrigiert.

Mit dem anhaltenden Rückenwind wird die Entwicklung des letzten Jahres fortgeführt. Mit einem Plus von 1,5% war die deutsche Wirtschaft so stark gewachsen wie seit 2011 nicht mehr. Und das trotz weltweiter Krisen und der Klagen über weggebrochene Russlandgeschäfte. Noch im Herbst war die Bundesregierung von lediglich 1,2% ausgegangen.

Aufgrund der Rekordbeschäftigung und gestiegener Löhne sind zudem die Überschüsse bei Bund, Ländern und Sozialversicherungen auf 11,9 Mrd. € gestiegen. Das entspricht einem Überschuss von 0,4% des Bruttoinlandprodukts. Gute Aussichten, denn stabile Abgaben und Beiträgen erhalten die Kaufkraft der Verbraucher.

Gerade der Binnenkonsum wurde ab Mitte letzten Jahres durch fallende Preise angekurbelt. Billigeres Öl sorgte für niedrige Heiz- und Spritkosten und beflügelte die Konjunktur generell. Zudem profitiert die Exportindustrie vom niedrigeren Eurokurs.

2014 gibt Schwung für dieses Jahr

Die jüngsten Prognosen für 2015 erklären sich auch mit der Entwicklung im letzten Quartal 2014. Zwischen Oktober und Dezember konnte die Wirtschaft mit einem überraschend kräftigen Plus von 0,7% zulegen und erwies sich damit als Wachstumsmotor für die Eurozone.

Wie die Auftragsbücher in der Industrie bestätigen, wird Deutschland auch in diesem Jahr vom Aufwind profitieren. Bundesbank und EZB gehen weiterhin von billigen Ölpreisen und niedriger Inflation aus. Gleiches gilt für den schwächeren Euro, der den Export stärken dürfte.

Mit seinem Wirtschaftswachstum steht Deutschland nicht nur in Europa, sondern auch angesichts der schleppenden Weltwirtschaft gut da. Hält der Trend an, so dürfte künftig noch stärker ausländisches Kapital in die deutsche Wirtschaft investiert werden.

Schatten und Einschränkungen

Bei aller Freude, die Zahlen könnten durchaus besser sein. So ist die deutsche Industrie selbst mit ihren teils dringenden Investitionen zurückhaltend, und das seit Anfang letzten Jahres. Dies wird vor allem mit zwei Faktoren erklärt: die Spannungen mit Russland und die Unsicherheit in der Eurozone.

Aber auch ein rein rechnerisches Detail relativiert die schönen Zahlen. Der unerwartet kräftige Schwung im letzten Quartal 2014 überholte sozusagen die Basis der Prognose fürs laufende Jahr und sorgte für einen statistischen Überhang von 0,5 Prozentpunkten.

Diese Einschränkungen lassen zwei Interpretationen offen. Zum einen müsste wegen des statistischen Bereinigungseffekts das Wachstum eher unterhalb von 1% liegen, was übrigens dem Vorgehen der KfW Research entspricht.

Wenn man zum anderen aber den Investitionsstau kalkuliert, der sich irgendwann auflösen muss, könnte das Wachstum durchaus noch höher sein als erwartet. Es sei denn, die Investitionsschwäche hält an, was dann der Wettbewerbsfähigkeit schadet.

Erneuter Außenhandelsüberschuss

Derweil sieht das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ein diesjähriges Wachstum von sogar 1,8% mit der Aussicht auf 2% im nächsten Jahr. Und der Bundesverband Groß- und Außenhandel (BGA) erwartet bei den deutschen Exporten ein Plus von bis zu 4,5%.

Allerdings dürften die Einfuhren die Ausfuhren übertreffen mit der Folge, dass der vielfach kritisierte Außenhandelsüberschuss Deutschlands erneut ansteigt – auf geschätzte 231 Mrd. €.

Aus Anlegersicht insgesamt keine schlechten Aussichten aber auch kein Anlass zu großer Euphorie. Die Unsicherheitsfaktoren sind nach wie vor ungeklärt und werfen lange Schatten. Investments sollten sich vor allem im Bereich Export und Konsumgüter lohnen.

7. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.