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Witwenrente und eigene Rente: So viel wird abgezogen

Einer der Vorteile der gesetzlichen Rente ist der Schutz von Hinterbliebenen. Stirbt ein verheirateter Partner, erhält der oder die Überlebende eine Witwenrente. Doch gerade was die Höhe angeht, herrschen verbreitet falsche Vorstellungen. So stehen sich etwa die Witwenrente und die eigene Rente in der Form gegenüber, dass weniger gezahlt wird.

Witwenrente und eigene Rente: Anrechnung einplanen

Im Zwischenspiel von Witwenrente und eigener Rente fällt die Höhe des Anspruchs letztlich geringer aus. Grund: Eigene Renten werden angerechnet. Das führt häufig zu Überraschungen, erklärt sich aber mit der jeweiligen Zuordnung sowie Sinn und Zweck von Witwenrente und eigener Rente.

Die Witwenrente dient dazu, Hinterbliebenen den Lebensunterhalt zu sichern. Zum einen sollen diejenigen vor Bedürftigkeit geschützt werden, die während der Ehezeit gar nicht oder nur kürzere Zeit gearbeitet haben. Zum anderen soll dazu beigetragen werden, den Lebensstandard nach dem Tod des Hauptverdieners aufrecht zu erhalten.

Damit es nicht zu Doppelleistungen kommt, wird eigenes Einkommen etwa aus Lohn, Kapitalvermögen oder Vermietung angerechnet – auch eine eigene Rente zählt dazu.

Wer welche Witwenrente erhält

Bei der Anrechnung ist zunächst zu unterscheiden, ob es sich um eine Witwenrente nach altem oder neuem Recht handelt. Bis 2002 betrug die große Witwenrente 60% der Rente des Verstorbenen, danach und für alle künftigen Fälle noch 55%. Die kleine Witwenrente wird nach neuem Recht nur noch 2 Jahre nach dem Todesfall gezahlt, die Höhe ist mit 25% gleich geblieben.

Die Voraussetzungen zur Witwenrente: Der verstorbene Partner muss mindestens 5 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt haben. Eine kürzere Wartezeit ist möglich, wenn sie auf einen Arbeitsunfall oder Berufsunfähigkeit zurückzuführen ist. Hat er vor seinem Tod Rente erhalten, erübrigt sich das Thema Wartezeit. Außerdem darf eine Witwe bzw. ein Witwer nicht erneut geheiratet haben.

Abzug erst oberhalb der Freigrenzen

Wer Anspruch auf Witwenrente hat, bekommt sie allerdings nicht komplett ums eigene Einkommen oder die eigene Rente gekürzt. Abgezogen wird nur, was den jeweiligen Freibetrag übersteigt. Der beträgt immer das 26,5­-fache des Rentenwerts und wächst mit der Rente.

Aktuell liegt er bei 771,14 € in den alten und 714,12 € in den neuen Bundesländern. Der Freibetrag steigt zudem mit jedem Kind, das Anspruch auf Waisenrente hat, und zwar um das 5,6-fache vom aktuellen Rentenwert.

Für die Berechnung des Freibetrags bei der anzurechnenden eigenen Rente wird die „Nettorente“ angesetzt. Das ist der Betrag, der nach Abzug der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie einem Steuerpauschbetrag von 3% übrig bleibt. Alles über der Freigrenze wird angerechnet, allerdings nur zu 40%.

Im Verhältnis Witwenrente und eigene Rente ist gegebenenfalls zusätzlich die seit Juli 2014 neue Mütterrente zu berücksichtigen. Die gibt es für Erziehungszeiten bei Kindern, die vor 1992 geboren sind. Mütter und Väter bekommen je ein zusätzliches Jahr anerkannt, was die eigene Rente und damit die künftig anzurechnenden Beträge oberhalb der Freigrenze erhöht. Es wird also mehr abgezogen. Umgekehrt erhöht sich dann die Witwenrente, wenn der verstorbene Partner Mütterente bezogen hat.

Ausnahme bei staatlich geförderter Rente

Vom Grundsatz, dass bei der Witwenrente eigenes Einkommen und die eigene Rente angerechnet werden, gibt es zwei Ausnahmen: die Riesterrente und staatlich geförderte Betriebsrenten. Alle anderen Betriebsrenten indes schmälern die Witwenrente.

Dies ändert auch ein Umweg über eine vereinbarte Einmalzahlung nicht. In dem Fall sieht das Gesetz nämlich vor, dass sie hypothetisch angerechnet wird, so als würde sie in Form einer monatlichen Rente gezahlt.

11. Dezember 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.