Wohin steuert Trump? So drückt das Politik-Chaos den US-Dollar

Nachdem Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, war die Zuversicht groß: Starke Wirtschaft, steigende Zinsen, fester Dollar. Trump sorgte zunächst für Aufwind, die US-Währung wurde immer stärker, doch zur Jahreswende wendete sich das Blatt. Kurz bevor die vielfach vorhergesagte Dollar-Euro-Parität eintreten konnte, schaltete die Gemeinschaftswährung auf Umkehrschub.

Hin und her von Trump schwächt Dollar

In kleineren Wellen stieg sie bis zum 9. September auf über 1,20 US-$. In Erinnerung ist noch die Klage von Trump, der Dollar sei zu stark gegenüber dem künstlich schwach gehaltenen Euro. Dabei hat er sich wohl eher etwas mehr eigene Stabilität vorgestellt. Was sich aber zeigt, ist weniger eine ausgeprägte Eurostärke als vielmehr ein schwacher Dollar.

Ähnlich das Bild beim Schweizer Franken. Der konnte gleichfalls kräftig zulegen, allerdings etwas volatiler. Selbst der japanische Yen kletterte nach seinem vorangegangenen Absturz, wenn auch zögerlich, von 0,008 US-$ auf zuletzt 0,009 US-$.

Und was hat Trump mit der Dollarschwäche zu tun? Zunächst hat er ihn mit seinen Wahlversprechen stark geredet. Als er dann aber nicht lieferte und an den Börsen Ernüchterung Einzug hielt, war der Gegeneffekt unausweichlich. Die amerikanische Wirtschaft präsentiert sich zwar nach wie vor robust, was eigentlich weitere Zinsanhebungen durch die Fed nach sich ziehen müsste. Doch Fed-Chefin Yellen wartet offensichtlich erst einmal ab.


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Die Zinsanhebungen fallen in diesem Jahr wohl schwächer aus als erwartet, was sich auch an den Fed-Fund-Futures zeigt, die um gut 30 % gefallen sind. Die Zurückhaltung hat mehrere Gründe. Da ist zum einen die Unsicherheit über die Fiskalpolitik von Trump sowie seine Wirtschafts- und Außenpolitik. Der Dollar verträgt das Chaos schlecht, das ständige Hin und Her seiner Entscheidungen und die seltsamen Kehrtwenden bei einer Reihe von angekündigten Maßnahmen.

Auch der Goldpreis stieg

Der aufgeschobene Mauerbau an der mexikanischen Grenze ist nur ein Beispiel. Auch gegenüber Japan oder China sind kaum noch wirtschaftskriegerische Töne zu hören. Ebenso gibt es außer bei Stahl noch keine veränderten Importzölle auf EU-Produkte. Die sollten doch deutsche Autos treffen.

Der gesamte proklamierte Umbau des Steuersystems inklusive massiver Senkungen für heimische Unternehmen und Privatpersonen ist ebenso aufgeschoben. Zum Wackelkurs von Trump, der den Dollar schwächt, gesellten sich die jüngsten verheerenden Stürme hinzu, die in Texas und Florida enorme Schäden anrichteten, viel Geld kosten und die Wirtschaft drücken.

Interessant ist zudem die Entwicklung beim Gold. Zeitgleich mit dem Abstieg der US-Währung zu Jahresbeginn kletterte der Goldpreis von 1,13 US-$ auf fast 1,35 US-$ Anfang September. Auch die Kriegsängste um die Wortgefechte zwischen Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un wegen der Raketen- und Atombombentests ließen viele Privatanleger aus dem Dollar in Goldanlagen flüchten.

Wer jetzt auf eine weitere Dollarschwäche spekulieren will, kommt jedoch reichlich spät. Die ist am Markt längst eingepreist. Der Dollar wurde bereits extrem verkauft, weshalb nur wenig Spielraum für weitere ausgeprägte Kursverluste besteht. Eine Abschwächung beim Euro wiederum ist kaum anzunehmen. EZB-Präsident Draghi vermeidet es, die Gemeinschaftswährung schwach zu reden. Die guten Wirtschaftsdaten in Europa würden dem ohnehin entgegenstehen.

Talfahrt geht dem Ende zu

Und als Aktienanleger muss man sich wegen schlechterer Exportchancen wenig Sorgen machen. Der Euro liegt schließlich nicht bei 1,40 US-$ oder mehr. Er hat sich lediglich aus seinem Tief erholt. Das ist zudem besser als ein zu schwacher Euro, der schlafende Hunde wie Trumps Handelshürden weckt.

Davon abgesehen könnte der Dollar ohnehin wieder leicht zulegen. Und sei es wegen der Folgen nach den verheerenden Wirbelstürmen. Ein Sonderprogramm zum Wiederaufbau der Infrastruktur stärkt die Wirtschaft.

Und sobald sich abzeichnet, dass die US-Regierung das Haushaltsdefizit in den Griff bekommt, profitiert der Dollar. Ein erster Schritt, Schlimmeres zu verhindern wurde bereits gemacht: Völlig überraschend stellte sich Trump dieser Tage auf die Seite der Demokraten und erzielte eine Einigung mit dem Kongress auf eine Zwischenfinanzierung. Auch mit dieser Kehrtwende widerspricht er sich selbst. Doch dem Dollar tat sie gut. In den Tagen nach der Meldung bröckelte etwa der Euro ein gutes Stück ab.

18. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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