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Wohnvorteil: Elternunterhalt kann sich erhöhen oder sinken

Immer häufiger kommt es vor, dass die Kinder von pflegebedürftigen Eltern an den Kosten für eine Heimunterbringung beteiligt werden. Dies ist dann der Fall, wenn Pflegebedürftige finanziell nicht in der Lage sind, die entstehenden Kosten selbst zu tragen.

Zwar springt in der Praxis häufig zunächst das Sozialamt ein, doch dieses ist dann schnell bestrebt, die Kosten von den Kindern einzufordern. Da diese Situation fast jeden treffen kann, machen sich viele Menschen Sorgen um ihr eigenes Auskommen, wenn ein Teil des Einkommens für die Pflege der Eltern verwendet werden soll.

Eine besondere Situation ergibt sich, wenn das unterhaltspflichtige Kind eine selbst genutzte Immobilie besitzt. Diese wird bei der Berechnung des Elternunterhalts berücksichtigt. Man spricht hier vom Wohnvorteil beim Elternunterhalt.

Der Wohnvorteil beim Elternunterhalt

Wohnt ein unterhaltspflichtiges Kind in einer angemessenen Wohnung zur Miete, so ist die Berechnung des Elternunterhalts vergleichsweise einfach. Bei einer selbst genutzten Immobilie muss jedoch der Wohnwert ermittelt werden, um diesen Faktor in die Berechnung einfließen zu lassen.

Dieser Wohnwert kann sowohl bei der Ermittlung des Einkommens als auch bei der Bereinigung des Einkommens zum Tragen kommen und somit Einfluss auf den möglichen Unterhalt haben. Die wichtigsten Punkte sind hierbei zum einen der Wohnwert selbst und zum anderen die Hauslasten, also Zins- und Tilgungszahlungen.

Die Berechnung des Wohnwerts

Wichtig ist zunächst, dass in der Regel der sogenannte subjektive Wohnwert ermittelt wird. Konkret bedeutet das, dass nicht etwa geschaut wird, wie viel Miete mit dem jeweiligen Objekt erzielbar wäre.

Stattdessen wird ermittelt, wie viel Miete zu zahlen wäre, wenn die betreffende Person eine angemessene Wohnung anmieten müsste, statt in der eigenen Immobilie zu wohnen. Dieser Unterschied lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen:

Bewohnt ein Ehepaar zu zweit ein Haus, weil die eigenen Kinder bereits ausgezogen sind, so wohnt dieses Paar möglicherweise auf mehr Fläche, als nötig wäre. Bei der Berechnung des Wohnwerts wird jedoch nur von einer angemessenen Fläche – für ein Paar also beispielsweise 80 m² – ausgegangen. Hat das Haus jedoch 120 m², ist dies in der Regel nicht relevant.

Beträgt der übliche Mietzins in der jeweiligen Wohngegend nun beispielsweise 7 € pro m², so multipliziert man diesen mit den erwähnten 80 m² und erhält einen subjektiven Wohnwert von 560 €. Der tatsächliche Wohnwert läge bei dem Haus von 120 m² jedoch bei 840 €. Die Gerichte entscheiden hier also zugunsten der Unterhaltspflichtigen, da sie vom subjektiven Wohnwert, also den 560 €, ausgehen.

Den Wohnvorteil aus dem Wohnwert ermitteln

Um nun einen möglichen Wohnvorteil zu ermitteln, wird der errechnete Wohnwert den Ausgaben für Zins- und Tilgungsleistungen gegenübergestellt. Bleibt man bei dem genannten Szenario und damit bei einem subjektiven Wohnwert von 560 €, kann man zwei Beispiele ableiten:

Belaufen sich Zins- und Tilgungszahlungen beispielsweise auf 660 €, so übersteigen sie den Wohnwert um 100 €. Das anzurechnende Einkommen wird damit um jene 100 € geschmälert. Belaufen sich Zins- und Tilgungszahlungen jedoch auf 460 €, so liegen sie unterhalb des subjektiven Wohnwerts. Die 100 € Differenz werden als Einkommen angerechnet.

Liegen die Hauslasten also unterhalb des Wohnwerts einer Immobilie, so erhöht sich das anzurechnende Einkommen. In einem solchen Fall kann sich gegebenenfalls auch der Elternunterhalt erhöhen.

Umgekehrt kann der Unterhalt entsprechend gesenkt werden, wenn die Hauslasten oberhalb des Wohnwerts liegen. Der hier errechnete Wohnvorteil hat also in beiden Szenarien Einfluss auf die möglichen Unterhaltszahlungen.

4. Oktober 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov wuchs in einem internationalen Umfeld auf und entdeckte schon früh sein Interesse am Thema Finanzen. Er publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.